Besuch in der Orgelbauwerkstatt von Christoph und Matthias Kaps in Eichenau am 15. November 2014

 



Obwohl der Bau von Pfeifenorgeln als Kunsthandwerk speziell in Deutschland auf eine jahrhundertealte Tradition zurückblicken kann, entwickelt jeder Orgelbaumeister unserer Tage immer noch seine eigenen Kniffe, die er dann sorgsam wie Geheimnisse hütet. Umso dankbarer durften die Besucher von Mariä Himmelfahrt Dachau sein, dass ihnen der Orgelbaumeister Christoph Kaps seine 400 qm große Werkstatt in Eichenau am 15. November 2014 uneingeschränkt öffnete. Der Betrieb war 1986 von Christoph Kaps gegründet und 2013 umfirmiert worden zur „CHRISTOPH UND MATTHIAS KAPS GbR“, nachdem auch sein Sohn Matthias die Ausbildungen zuerst zum Schreiner und zusätzlich dann zum Orgel- und Harmoniumbauer abgeschlossen und Berufserfahrung gesammelt hatte.
 

Als Gast betritt man sofort die geräumige Maschinen- und Montagehalle, in der alle großen Holzbearbeitungsmaschinen für die Zurüstung der Orgelbauhölzer hinreichend Platz haben, darunter eine CNC-Fräse und vier Hobelbankplätze. In der Montagegalerie ist ein kleiner Lagerraum für Leder und Dichtmaterialzuschnitt untergebracht. Es gibt einen eigenen Raum für Metallbearbeitung, beispielsweise zur Herstellung von Registermechanikteilen. In einem Anbau der Werkstatt liegt der ruhigere Bereich für Intonation und Pfeifen, außerdem ein CAD-Zeichenplatz.
 
 
Die Firma KAPS baut und restauriert in traditioneller, handwerklicher Bauweise mechanische Schleifladenorgeln, auf Verlangen auch mit elektrischer Registertraktur. Vorzugsweise wird bei KAPS (und das fällt noch nicht unter das Betriebsgeheimnis) luftgetrocknetes Holz einheimischer Herkunft verarbeitet. Einziger Sonderfall ist Ebenholz aus Afrika für die Tastenbeläge der schwarzen Tasten. Die Beläge der weißen Tasten bestehen allerdings nicht aus Holz – und selbstverständlich auch nicht aus dem "Elfenbein" von Elefantenstoßzähnen; dafür werden Rinderknochen verarbeitet.

Eichenholz wird für Gehäuse, Holzpfeifen, Stöcke (Leisten mit Bohrungen), Raster (Pfeifenhalter) und Lager eingesetzt. Bergfichtenholz kann ebenfalls für Gehäuse sowie für Holzpfeifen, Abstrakten (Holzleisten, die Taste und Ventil verbinden) und Klaviaturen zum Einsatz kommen. Für kleinere Holzpfeifen, für Tastenbeläge und zum Drechseln der Registerzüge, Pfeifenfüße und Spundgriffe (für die Stimmeinrichtung der Holzpfeifen) stehen Ahorn, Nussbaum, Buchsbaum und Obsthölzer zur Verfügung. Die Metallpfeifen werden aus einer bewährten Spezialwerkstatt in Portugal bezogen.
 

In der Werkstatt KAPS wird die Orgel, soweit die Raumhöhe das zulässt, komplett zusammengebaut und vorintoniert. Vor dem Transport zur Kirche nach Dachau muss das Instrument im Frühjahr 2015 wieder in seine Einzelteile zerlegt werden. Für den Aufbau dort und die abschließende Intonation sind mehrere Monate ab Ostern 2015 veranschlagt. Christoph Kaps selbst wird hier alle (im Endausbau mehr als 2.500) Pfeifen endgültig zum Raum passend intonieren. Am 25. Oktober 2015 soll die Einweihung in der Pfarrkirche gefeiert werden.
D.R.
 

Ein paar "Links" für Sie   (Für ergänzende Details bitte auf die entsprechende Zeile klicken)

►   So wird die neue KAPS-Orgel in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt Dachau aussehen
►   Die Disposition der neuen KAPS-Orgel
►   Einige Daten aus dem Baufortschritt
►   Zur Vorgeschichte und zur Finanzierung des Orgelneubaus
 
Hier folgen noch weitere Fotos von unserem Kirchenmusiker Rainer Dietz aus der Orgelbau-Werkstatt KAPS:
 
  ▲  Spieltisch mit Obergehäuse ▲  Holzpfeifen
   ▲ Pfeifenstock "Trompete" für das Schwellwerk
   ▲  Pfeifen des Registers "Salicional" im Schwellwerk  ▲ Diverse Orgelpfeifen für das Schwellwerk
   ▲  Orgelbauer Christoph Kaps bei Intonationsarbeiten  ▲  Registerzüge für "Pedal" und "Hauptwerk"
   ▲ Spieltisch mit den Registerzügen links und rechts und den drei Manualen. Unter den Manualen sehen Sie die Bedienknöpfe zum Speichern und Abrufen der vor dem Gottesdienst oder vor dem Konzert vorgewählten Registereinstellungen über den integrierten Computer.