Äthiopien – jenseits der Touristenwege

Bettina Korb am 1. April 2015




Die Referentin Bettina Korb unterrichtet Mathematik und Religion an der Realschule in Weichs. Sie hielt einen faszinierenden, tief beeindruckenden Vortrag über ihre vier Aufenthalte in dem afrikanischen Land. Sie sprach frei über ihre Erlebnisse und erzählte von dem Land, von den Menschen und ihrer Kultur. Ausführlich berichtete sie über die Religionen. Dazu zeigte sie ausdrucksstarke Aufnahmen in einer perfekten Power-Point-Präsentation.

Wie es begann:


„2002 übernahm ich die Patenschaft für ein Mädchen in Äthiopien. 9 Jahre später, 2011, machte ich mich das erste Mal auf die Reise, um meine äthiopische „Tochter“ Kalkidan Bekele und ihre Familie kennenzulernen.“

Die Eltern von Kalkidan und ihrem Bruder Abel waren an Aids gestorben, als die Geschwister noch klein waren. So übernahmen Verwandte die Versorgung der Kinder und kümmerten sich um die schulische Ausbildung. Nach der Grundschule besuchten die Kinder eine weiterführende Schule, wo sie in Englisch unterrichtet wurden. Ebenso ist Englisch die Sprache an der Universität. Englischkenntnisse sind notwendig, um sich überall im Land verständigen zu können. Denn es gibt 85 Volksgruppen mit eigenen Sprachen. 6,5 Kinder pro Familie weist die Geburtenrate aus.
  Patenkind Kalkidan Bekele

Die Menschen sind sehr ehrgeizig, denn sie wissen, nur Bildung führt sie aus der Armut in diesem Land, das dreimal so groß wie Deutschland ist und zu den ärmsten Gebieten der Welt gehört. Viele Siedlungen sind ohne fließendes Wasser und ohne sanitäre Einrichtungen. Kalkidan hat es auf Grund ihres Fleißes geschafft: als angehende Apothekenhelferin kann sie zukünftig in besseren Verhältnissen leben.

Bettina Korb kam mit vielen Menschen dort sofort in Kontakt. Besonders Kinder sind sehr zutraulich. Gastfreundschaft ist ein hohes Gut, und daher lernte sie nicht nur Angehörige, sondern deren Bekannte und auch unbekannte Menschen kennen.

Einer von ihnen war Dawite, ein junger Mann, der Psychologie studiert hatte und der ein eigenes Internet-Café eröffnen wollte. Aber natürlich fehlten die finanziellen Mittel. So entschloss sich die Referentin mit Unterstützung ihrer Familie, für ihn einen Kredit von 10.000 Euro aufzunehmen. Nun erfüllte sich der junge Mann seinen Lebenstraum. Von seinen Einnahmen kann er leben. Dazu kann er jetzt seiner Familie die Grundsicherung, die sog. Basics, zukommen lassen. Diese sind: täglich eine Mahlzeit, ein trockener Schlafplatz, medizinische Versorgung, Schulgeld für die Secondary -School und Kleidung zum Wechseln.

Dawite Internetcafe

Die Großherzigkeit der Referentin und die ihrer drei Söhne berührte das gespannt lauschende Publikum hörbar.

Bettina Korb besuchte verschiedene Regionen, und ihre Fotos zeigten die landschaftlichen Schönheiten wie den riesigen Tanasee und die Nilwasserfälle.

Äthiopien hat eine uralte Kultur und wird als Wiege der Menschheit bezeichnet. Drei Religionen sind dort vertreten. Die sehr gläubigen äthiopisch-orthodoxen Christen leben friedlich mit Muslimen und den jüdischen Falaschas zusammen. Nach Armenien und Georgien hatte Äthiopien ganz früh ein Staatschristentum. Die großartigen Felsenkirchen, die meist dem Hl. Georg und der Hl. Maria geweiht sind, wurden monolithisch aus dem Gestein gehauen. Sie sind mit Tunnels verbunden und zählen zum Weltkulturerbe. Es gibt viele Mönche, die Kirchen und Klöster betreuen. Täglich werden Gottesdienste gehalten, die von vielen Christen besucht werden.

Die äthiopischen Juden glauben, dass die alttestamentarische Bundeslade sich in ihrem Land befindet. Denn Menelek, der Sohn König Salomons und der Königin von Saba, habe das wichtigste jüdische Heiligtum hierher gebracht. Heute leben in Äthiopien nur noch wenige Juden, und sie profitieren vom Tourismus. Die Regierung von Israel hatte die meisten ihrer Landsleute nach Israel ausfliegen lassen. Aber in ihrer neuen Heimat geht es ihnen nicht gut.

 
Christliche Felsenkirche   Äthiopische Bibel
 
Aufbewahrungsort der Bundeslade   Christliche Kirche und Moscheee
friedlich nebeneinander

Seit über 1.400 Jahren leben Muslime in Äthiopien, die ersten Gläubigen waren schon zu Mohammeds Zeiten hierher geflohen. Ihre Moscheen stehen in enger Nachbarschaft zu christlichen Kirchen. Das sieht nach Frieden aus.

Bettina Korb äußerte am Ende ihres Vortrags Bedenken und Zweifel, ob sie das alles richtig mache. Aber gar nichts tun, sei auch falsch, meinte sie. Die Antwort der Zuhörer konnte nur Zustimmung sein:
„Chapeau, Frau Korb, vor so viel selbstlosem Engagement und Ihrer Nächstenliebe!“

Ursula Koch