Musik, Lieder und Betrachtungen

Maria, Maienkönigin

D`Amperstreicher und Ursula Koch am 06. Mai 2015


Zu diesem Seniorennachmittag kamen über 60 Besucher, um eine stimmungsvolle Feier mitzuerleben und mitzugestalten.
D`Amperstreicher, mit Dagmar Burgmair, Marion Faupel und Josef Schmid, Geige, und Heide Schmid an der Harfe, spielten besinnliche Weisen. Ihre Landler und Marienweisen hatten sie passend zum Motto der Veranstaltung ausgewählt. Andächtig sangen die Zuhörer altbekannte, beliebte Marienlieder mit, wie „Meerstern, ich dich grüße“, oder „Wie schön glänzt die Sonn´“. Dazwischen gab es Betrachtungen über vier ganz unterschiedliche Darstellungstypen der Gottesmutter Maria und dazu sorgsam ausgesuchte Bilder.
Die Referentin, die auch Verfasserin dieses Berichtes ist, will in ihren Vorträgen keine kunstgeschichtlichen Erklärungen geben. Ihr liegt es immer sehr am Herzen, aufzuzeigen, welcher Sinngehalt in den verschiedenen Mariendarstellungen verborgen ist, und welche Bedeutung die Symbole haben, mit denen die Gottesmutter umgeben wurde.
Maria hatte in den ersten drei Jahrhunderten im Abendland noch keine so herausragende Bedeutung wie bereits in der Ostkirche. Die frühen Darstellungen zeigen nur das Jesuskind in der Krippe mit Ochse und Esel. Erst das Konzil von Ephesus im Jahr 431 nannte Maria „Gottesgebärerin“ und wies ihr damit eine herausragende Stellung zu.
Römische Grabplatte, Ende 3. Jahrhundert

Eine der ältesten Darstellungen von Maria ist auf einer Grabplatte vom Ende des 3. Jahrhunderts zu sehen. Das Epitaph aus der Priscilla-Katakombe in Rom zeigt die drei Magier, wie sie demutsvoll und eilends ihre Geschenke dem Christuskind darbringen. Maria sitzt aufrecht auf einem Stuhl und präsentiert ihren Sohn als Heil der Welt. Sie fungiert als Thron des Kindes, als Sitz der göttlichen Weisheit. Diese Darstellungsform nennt man: „Maria, sedes sapientiae“. Sitzt neben dem Thron auf jeder Seite ein Löwe, so ist dafür König Salomons Löwenthron aus Elfenbein im Alten Testament das Vorbild. Dieser Herrscher, Verfasser von 3.000Weisheitssprüchen, galt als der Weiseste von allen. Seinen Platz nimmt nun Maria ein.
Maria, als Stillende, wurde schon lange in der Ostkirche verehrt, ehe sie in den abendländischen Kult Eingang fand. Die vermutlich älteste „Maria lactans“ Mitteleuropas ist in der kleinen Kirche von Ainhofen als Statue aufgestellt. Die hoheitsvolle romanische Figur, um 1130 entstanden, ist in ihrer originalen Bemalung erhalten und erhielt in der Barockzeit einen die Brust verhüllenden Mantel. Die Wallfahrer können sie aber, wenn sie nach der Kirchenrenovierung wieder präsentiert wird, im Urzustand verehren. Die Darstellung einer stillenden Muttergottes ist sehr anrührend. Das kleine Kind wird genährt wie andere Kinder, ist also wirklich Mensch. Das göttliche Kind saugt gleichsam die menschliche Natur ein.
Das Ehepaar Schmid besitzt in seiner reichen Sammlung von Volksmusik das „Lied zur Muttergottes von Ainhofen“. Die fromme Weise stammt von Sr. M. Gottfrieda Fischer vom 9. November 1944, der Text ist von Wolfgang Lanzinger. Das war natürlich eine besondere Überraschung, als das Lied vorgestellt wurde und alle Anwesenden mitsingen konnten.
   Maria lactans
Gnadenbild in der Wallfahrtskirche Ainhofen,um 1130


Am meisten verbreitet ist die Darstellung der „Immaculata“, also der „Maria, ohne Erbsünde empfangen“. Sie ist die bildliche Ausführung des Dogmas, das Papst Pius IX. am 8. Dezember 1854 verkündete: das Dogma von der „Unbefleckten Empfängnis Mariens“. Gemeint ist damit, dass Mutter Anna ihre Tochter Maria ohne Erbsünde empfangen und geboren hat, und dass Maria makellos und sündenfrei geblieben ist und damit vorerlöst war. In der Darstellung als Immaculata steht Maria aufrecht, sie neigt den Kopf demutsvoll, ihre Hände sind vor der Brust gefaltet. Häufig trägt Maria ein weißes Untergewand als Zeichen der Reinheit und einen blauen Königsmantel als Symbol eines von Gott legitimierten Königtums. Andere Gestaltungen zeigen sie als die apokalyptische Frau nach der Vision des Sehers Johannes. Ihr Haupt ziert ein Kranz aus zwölf Sternen, ein Fuß steht auf der Mondsichel, der andere tritt auf die tote Drachenschlange, als Zeichen für die besiegte Sünde. So hat sie der geniale Bildhauer Ignaz Günther geschnitzt.

Immaculata
Ignaz Günther um 1760
Maria im Ährenkleid
Bamberg um 1430

Eine wunderschöne, vom Sinn her nicht so bekannte Darstellung ist „Maria im Ährenkleid“. Die Jungfrau trägt als Tempelmädchen ein blaues Gewand mit goldenen Ähren. Um den Hals und um die Handgelenke sind Strahlenborten angebracht, und um die Taille ist ein Gürtel gebunden. Worin liegt der Sinn dieser Attribute? Das Korn ist in der Antike ein Zeichen für lebenserhaltende Kräfte. Es hat die Bedeutung von Nahrung und Reichtum, und es symbolisiert Sterben und Weiterleben.Im Mittelalter bezieht man das Korn auf Maria und Christus. Die frühe Kirche nennt Maria den „unbearbeiteten Acker Gottes“, der dennoch reichlich Frucht hervorbringt: Gott selbst. Diesen Symbolgehalt vermitteln die Ähren. Die goldenen Strahlen sind Sonnenstrahlen, denn so heißt es im Alten Testament: „Sie ist auserwählt wie die Sonne“. Der geknüpfte Gürtel ist ein Zeichen für die Jungfräulichkeit. „Maria im Ährenkleid“ bedeutet also: Maria hat Christus jungfräulich geboren. Christus ist das lebendige Brot und schenkt sich uns in der heiligen Eucharistie.

Am Ende, nach dem Lied „Maria, breit den Mantel aus“, meinte eine Besucherin erfreut: „Ich kenne das Bild der „Maria im Ährenkleid“ in Bamberg. Ich bin bisher achtlos daran vorbeigegangen. Jetzt weiß ich, welche Bedeutung es hat. Das ist wunderbar.“

Ursula Koch

Anmerkung:
Am Samstag, 16. Mai 2015, weiht Kardinal Reinhard Marx die restaurierte Wallfahrtskirche mit der sorgfältig gereinigten und konservierten Skulptur der Maria lactans ein. In dem Festgottesdienst wird das Marienbildnis in ihrer barocken Prachtkleidung präsentiert.