Sommerausflug

Dachauer und Aichacher Land

Puchschlagen - Kühbach - Sisi-Schloss - Weichersberg Cafe Clematis

5. August 2015


Bei der Seniorenrunde St. Jakob, Dachau, sind Tagesausflüge sehr beliebt: Dabei muss man nicht lange im Bus sitzen und weit laufen, man steuert Ziele nahe des Wohnortes an, die man sonst nie kennenlernen würde.
53 Senioren freuten sich auf die Besichtigung der Kirche St. Kastulus in Puchschlagen. Dieses Kleinod hatte keiner je von innen gesehen. Herr Ampenberger, ehemaliger Kirchenpfleger und derzeitiger Mesner, erzählte mit sichtlichem und berechtigtem Stolz über das wunderschöne, reichhaltig ausgestattete Kirchlein, das weit draußen, außerhalb von Puchschlagen, auf freier Flur steht und dessen 52 m hoher, reich gegliederter Turm weithin sichtbar ist.


Zum ungewöhnlichen Standort gibt es mehrere Legenden. Eine davon besagt, dass bei den Bauarbeiten der Kirche im Dorf das Baumaterial immer wieder verschwand, aber dieses tauchte dann weit wieder auf .Deswegen sei an dem Fundort das Kirchlein erbaut worden, das Jahrhunderte später ein Wallfahrtskirchlein wurde. Der Kirchenpatron St. Kastulus zählt zu den Märtyrern der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Diokletian. In der Kirche steht auf einem Seitenaltar eine Statue, in der Kastulus als geharnischter Ritter mit rotem Umhang, Schwert und Lanze dargestellt ist. Das große Gemälde im Chor zeigt die Verherrlichung des Heiligen, der von den Gläubigen in mancherlei Nöten angerufen wird und als Krankenheiler gilt. Die vielen Fresken an den Seitenwänden, an der Decke und an der Empore zeigen sein Leben, sein Martyrium und seine Wundertaten. Die Mauern sind mit feinem Stuck in zarten Farben ornamental verziert. Zum Heiltum der Kirche zählen Kreuzpartikel als Reliquien.


Weiter ging die Fahrt in das Wittelsbacher Land. Die Organisatorin des Ausflugs, Ursula Koch, hatte sich Kühbach als nächstes Ziel ausgesucht, weil sie dort in der alten Schule, das jetzt Rathaus ist, ihre zweite praktische Lehramtsprüfung in einer 2. Klasse mit 46 Kindern abgelegt hatte. Im Bus plauderte sie von ihrer Zeit als junge Lehrerin im Landkreis Aichach. Sie erzählte Geschichten über schwierige Wohnverhältnisse, über alte Schulhäuser und die großen Klassen mit den Jahrgangsstufen 1 bis 4, über Seminarleiter und Bürgermeister. Die Zuhörer lauschten gerne und lachten oft. Der Ort Kühbach, der vor 40 Jahren noch sehr unansehnlich war, präsentiert sich heute herausgeputzt. In dem Schloss, das zu dem ehemaligen Benediktinerinnenkloster gehört, residiert Freiherr von Beck-Peccoz mit seiner Familie. Die Ahnen des Adelsgeschlechtes, die Walser, siedelten sich in einem Seitental des Aostatales in Norditalien an. Da die Gegend wegen Klimawandels verarmte, wanderte ein Teil wieder nach Süddeutschland. Aus Händlern mit Waren aus dem Süden wurden professionelle Kaufleute. Später gründeten sie Fabriken, z.B. eine Metallwarenfabrik in Augsburg. Das Schlossgut Kühbach diente als Sommerresidenz und wurde von Herzog Max aus dem Hause Wittelsbach erworben. Zum Schlossgut gehören heute eine Brauerei, Landwirtschaft, Wälder mit Jagd-und Forstbetrieb und das Gasthaus „Zum Peterhof“, in dem die hungrigen Ausflügler vortrefflich bewirtet wurden. Frau Koch informierte die Senioren über die Geschichte des ehemaligen Klosters und machte in der Kirche St. Magnus auf einige Besonderheiten aufmerksam. Hervorzuheben seien reicher, einheitlicher weißer Wessobrunner Stuck an den Wänden, Stuckengel mit den „arma Christi“ (den Leidenswerkzeugen) in den Händen, Altäre aus Nussbaumholz und vergoldete Figuren der Heiligen, der Palmeselchristus und der Skapulierbruderschaftsaltar mit der Muttergottesfigur. Die Gebetsbruderschaft gibt es heute noch in Kühbach, und sie hat auch jugendlichen Nachwuchs.


Nach dem hervorragenden Mittagessen gab es einen Spaziergang zum ehemaligen romantischen Sisi-Wasserschloss der Wittelsbacher in einer schönen Parkanlage in Unterwittelsbach.


Auf verschlungenen Wegen fuhr uns Korbinian Simperl im kühlen Bus zum Café Clematis in einer großen Gärtnerei. Da war schon gedeckt, und leckere Kuchen und feine Eisbecher standen zur Auswahl. Leider war es für die meisten Besucher für einen Rundgang in der schön gestalteten Gärtnerei zu heiß. Trotzdem genossen alle das Ambiente, ratschten ausführlich, und wunderten sich, wie die Organisatorin auf diesen Geheimtipp kommen konnte.
Unser Busfahrer brachte uns auf der Stuttgarter Autobahn sicher nach Hause. Beim Verabschieden waren sich alle einig: Es war wieder einmal sehr schön in unserem Dachauer Hinterland.

Ursula Koch