Heitere baierische Gedichte


Rosy Lutz aus Aichach am 16. September 2015

Die Lesung von Rosy Lutz war ein fulminanter Auftakt des Herbstprogramms unserer Seniorenrunde. 60 Zuhörer schmunzelten, lachten und klatschten begeistert beim Vortrag der selbst verfassten bairischen Gedichte. Die Autorin rezitierte im Dialekt des Aichacher Landes, wo sie auch lebt. Man vernimmt viele „Ch- und Sch-Laute“ und bemerkt eine etwas raue Stimmfärbung.


Die Themen ihrer Gedichte bezieht sie aus Alltagssituationen, die jedem vertraut sind. Da geht es um Äpfel, von denen die Kinder nur die fauligen essen dürfen, oder um verschwundene Socken in der Waschmaschine, die man dann in einem anderen Wäschestück wieder findet. Sie beschreibt die Wehleiden, die einen ab dem 50. Lebensjahr plagen, und trotzdem lebe man furchtbar gern. Mit Selbstironie schildert sie sich als begeisterte Flohmarktbesucherin, die vermeintliche Raritäten sammelt und anderntags ihren überflüssigen Kram im Wertstoffhof abliefert. Eines ihrer „antiken Möbel“ sei der „oide Kuchakasten“, der in seinen vielen Schubladen all das bewahrt, was man im täglichen Leben so braucht. Unter den vielen notwendigen Haushaltswaren wie Porzellan, Gläser und Lebensmittel befänden sich „so Zeigl“ wie „Vorhangringel mit Hakel dran, a Maurafarb´ a Päckerl Schraubn samt da Muatta, Hemadknöpfe, Mottenkugeln, Sterbebuidel und auch a Tass‘ ohne Henkel fürs Schmugeld“. Trotz des Durcheinanders müsse man nie lange suchen. Ein schlechtes Gewissen habe sie auch, wenn sie ihrer Freundin ein Geschenk aus ihrer Vitrine bringt, das doch eigentlich ein „Glump“ sei. Ihren Ehemann nimmt sie als Prototyp für andere Rentner aufs Korn. Als Ruheständler bringe er in den Haushalt endlich Ordnung nach seiner Vorstellung, oder er drangsaliere sie als Beifahrer beim Kutschieren zum Arzt mit ständigen Ermahnungen. Nachdenklich stimmten ihre kritischen Verse zum Muttertag, der Inhalt ihres gedanklichen Testamentes, oder ihre Sicht auf die heutige Kindererziehung.



Die Texte sprachen die Besucher sofort an, denn sie fanden sich selbst darin wieder. Und so kam es zum spontanen Dialog mit der Referentin, die sofort das Gespür hatte, was die Leute bewegen könnte. Eine kleine Fragerunde gab es auch: Rosy Lutz wollte die Bekanntheit bairischer Ausdrücke testen. Sie konnte sich freuen, denn Wörter wie „ Blatschari, Foam, Proderer“ oder „Brackel“ waren vertraut. Auch jiddische Wörter in unserer Sprache wie „Kaff, Zoff“ oder „Massel“ wussten die Zuhörer. Die Autorin hatte erfahren, dass viele aus dem Publikum das Wittelsbacher Land bei den jährlichen Ausflügen erkundet hatten. Deswegen trug sie noch amüsante Teile ihrer eigenen bairischen Version der Geschichte der Wittelsbacher vor.
Das Resümee der Veranstaltung war einhellig: „Frau Lutz, Sie kommen jedes Jahr wieder.“
Ursula Koch