MISEREOR

Hilfe zur Selbsthilfe

Eva Maria Heerde-Hinojosa am 07. Oktober 2015

Es gibt fünf katholische Hilfsorganisationen für die „Eine Welt“: Missio (das Missionswerk baut Kirche auf in Afrika, Asien und Lateinamerika), Adveniat (Kindermissionswerk für Lateinamerika, z.B. Sternsinger), Renovabis (Missions- und soziales Werk für Osteuropa), Caritas international (Katastrophenhilfe) und MISEREOR.
Eva-Maria Heerde-Hinojosa stellte das bischöfliche Hilfswerk MISEREOR bei der Seniorenrunde St. Jakob vor.

Sie ist Referentin der Arbeitsstelle Bayern und bereist das Land, um die Öffentlichkeit über Aufgaben, Verwendung von Spenden, Zuwendungen und Ziele der Organisation aufzuklären.Transparenz sei wichtig, damit die dringend notwendige Spendenfreudigkeit nicht nachlasse. Dies sei gerade jetzt aktuell wegen der vielen Flüchtlinge weltweit. Zuerst bedankte sich Frau Heerde-Hinojosa bei den Spendern, und so hatten die zahlreichen Besucher gleich ein offenes Ohr für die Anliegen von MISEREOR.
Der Name „MISEREOR“ greift das Wort Jesu bei der ‚Brotvermehrung‘ auf: „ Misereor super turbam“ (Mk 8,2), das heißt „Ich habe Erbarmen mit diesen Menschen“.
Diese Stelle aus dem Markusevangelium war der Kernsatz der prophetischen Rede von Joseph Kardinal Frings vor den deutschen Bischöfen Anfang 1958. Anlass waren kirchliche Laienorganisatoren, die der Kirche den Auftrag gegeben hatten, zu helfen.
Auf diesen Leitsatz einigte sich die Bischofskonferenz:
„Das Angebot der Hilfe richtet sich grundsätzlich an alle Notleidenden, ungeachtet von Rasse, Geschlecht, Nation oder Religion.“(Misereor-Statut, Artikel 1.1)
Der erste Spendenaufruf erzielte ein sensationelles Ergebnis: 39 Millionen DM gingen ein in einer Zeit, als sich Deutschland noch nicht von den Folgen des 2. Weltkrieges erholt hatte, und das war weit mehr als gegenwärtig eingesammelt wird.



Dreifacher Auftrag

1. Hilfe zur Selbsthilfe

MISEREOR fördert in 94 Ländern 1218 Projekte, darunter in Ostasien und Ozeanien, in Lateinamerika und der Karibik, in Afrika und im Nahen Osten. Von 100 Euro fließen 94% in Projekte und 6% in die Verwaltungsarbeit. Die Projektarbeit vor Ort hat zum Ziel, „dass sich Menschen in Armut selber entwickeln wollen und können“, und damit ihren Lebensunterhalt selbst verdienen können. So helfen Ordensleute und Priester aus aller Welt über MISEREOR, dass sich z.B. Menschen im Südsudan von den Produkten der eigenen Landwirtschaft ernähren können. Frau Heerde-Hinojosa konnte sich bei ihrem dortigen Besuch davon überzeugen.

2. Politischer Auftrag

„Den Mächtigen ins Gewissen reden“. MISEREOR sieht sich als Sprachrohr der Armen, denn Armut und damit weltweite Flucht sind „hausgemacht“. Die Referentin zählte u.a. folgende Gründe auf: Raubbau in der Natur. So ist z.B. die Abholzung der Regenwälder für die Produktion von Soja als Futtermittel für die Rinder verantwortlich für die Klimaveränderung und damit für die Überschwemmungskatastrophen in Südostasien. Ursache für die Verelendung der senegalesischen Fischer ist die ruinöse Fischerei von internationalen Fangflotten vor der Küste Senegals. Großkonzerne zahlen nur Billiglöhne an die Textilarbeiter und beuten diese schamlos aus. MISEREOR prangert durch Plakataktionen, Presse- und Medienarbeit (z.B. in Fernsehshows) solche Missstände an und besteht auf fairem Handel und fairem Einkauf. Mitarbeiter der Arbeitsstelle München fordern von den Abgeordneten des Landtags und von der Bundekanzlerin Frau Dr. Merkel energisch den Kohleausstieg. Sie engagieren sich für die Förderung erneuerbarer Energien.

3. Fastenaktion

Die Fastenaktion am 5. Sonntag in der Fastenzeit ist eine eindringliche Aktion gegen Hunger und Krankheit in der Welt“. Das Symbol dafür ist das „Hungertuch“. Dieses Jahr wurde es in China gefertigt. Die pastorale Bildungsaufgabe soll deutlich machen, dass unser Globus „enkeltauglich“ erhalten bleiben muss.
Bei dieser Formulierung gab es viel Zustimmung aus dem Publikum. Denn wer von den Senioren hätte nicht Sorge um die Zukunft der Enkelkinder?
Als Abschluss der Veranstaltung zeigte ein Film dieses Projekt in einem philippinischen Fischerdorf: Die Bewohner flechten gemeinsam Schutzzäune für ihre kostbaren Mangrovenbäume. Sie trocknen die gefangenen Fische und vermarkten sie in einer Kooperative. So können sie ihre Familien ernähren.

„Solch eine klare Aufklärung war einmal dringend notwendig. Jetzt weiß ich, dass mit meiner Spende für MISEREOR Sinnvolles geschieht“, war die einhellige Meinung der Zuhörer.

Ursula Koch