Mit Musik in den Mai

Schottische Sackpfeife-böhmischer Bock

Roland Rotter am Mittwoch, 3. Mai 2016

 
Ursula Koch begrüßt Roland Rotter
 Wer von den interessierten Zuhörern hätte gedacht, dass ein Dudelsack so interessant sein könnte?
Roland Rotter, ehemaliger Rektor einer Grundschule in Kirchheim bei München, vielseitiger Musiker und Chorsänger, brachte zwei von seinen sechs Dudelsäcken mit. Er bespielte sie bravourös und erklärte dabei seine Instrumente.

Die einfachste und älteste Art ist die Sackpfeife, wie sie die Hirten seit langer Zeit benutzen. Sie besteht aus einem Sack, zwei verschieden langen Rohren und einer Flöte. Der Musikant bläst zunächst Luft in den Sack. Dann spielt er auf der Flöte die Melodie. Dabei deckt er die Löcher aber nicht zu, sondern entfernt die Finger von den Löchern. Aus den Rohren ertönen tiefe Töne, die sich beim Spielen nicht verändern, sondern als Bordun die Melodie begleiten.
 

Dieses Instrument lernte der Referent erstmals näher kennen, als er und seine Volksmusikgruppe in Edinburgh eine Gruppe von schottischen Dudelsackbläsern erlebte. Da wurde er sofort neugierig, und irgendwie faszinierte ihn dieses Instrument, das bei uns in Vergessenheit geraten war. Durch die Partnerschaft seines Wohnortes Aschheim mit einem böhmischen Ort nahe der deutsch-tschechischen Grenze traf er einen Musiker, der die dort beheimateten Dudelsäcke herstellt. Und diese sind viel komplizierter gebaut und musikalisch variantenreicher zu bespielen. So einen hatte Herr Rotter sofort besitzen wollen, um auf eine völlig neue Art musizieren zu können. Das war vor 15 Jahren. Dann übte er zwei Jahre, bis er das Instrument beherrschte, und dann erst wagte er sich damit an die Öffentlichkeit.

   
 mit schottischer Sackpfeife  mit böhmischem Bock

Vor dem gespannt zuschauenden Publikum packte er den zerlegten Dudelsack, den böhmischen Bock, aus seinem kleinen Koffer aus, baute die Teile zusammen und erklärte sie humorvoll. Der Sack bestand ursprünglich aus einem Ziegenfell, das aber einen unangenehmen Geruch verbreitete. Heutzutage stammt das Fell von einem chinesischen Hund. Der Dudelsackspieler pumpt mit einem Arm die Luft in den umgeschnallten Blasebalg. Von da strömt die Luft in den Sack und dann in das Rohr der Flöte. Ein gewiefter Musikant spielt eine Melodie, singt dazu und bewegt gleichzeitig den Blasebalg. Das führte Herr Rotter sogleich virtuos vor und ließ die Zuhörer den Refrain vom Lied „Mareike und die Soldaten“ mitsingen. Er war sofort positiv überrascht, welch sangesfreudiges Publikum sich im Pfarrsaal eingefunden hatte, und wie gut der Kanon „Es tönen die Lieder“ dreistimmig klappte. Weil er auch seine klangschöne Gitarre mitgebracht hatte, begleitete er noch weitere frische Frühlingslieder. Dazwischen erzählte er selbst erlebte lustige Episoden. Herzlich gelacht wurde über den Vorschlag von dem Wiener Hofprediger Abraham a Santa Clara, wie man mit Hilfe eines Dudelsackes ein geschwätziges Weib zum Verstummen bringen könne.

 
 Pieter Brueghel d.J.: Tanz in den Mai, 1634
 
Der Dudelsack ist auch ein wichtiger Gegenstand in den Gemälden des Holländers Pieter Bruegel.
Einige seiner typischen Bilder wurden auf die große Leinwand projiziert. Diese zeigen zeitgenössische, deftige und witzige Dorfszenen. Der Referent ging auf besondere Details ein, und er erläuterte anschaulich, wie bei einer Hochzeit oder beim Maitanz ausgelassen gefeiert wurde. Dabei hätten immer die Dudelsackbläser die Musik dazu gespielt. Für die Geistlichkeit und für den Adel aber seien diese Vergnügungen anrüchig und unsittlich gewesen. Da schmunzelten die Damen und Herren im Saal über diese unverständlichen Ansichten.


Vergnügt ging man nach Hause, war doch dieser Nachmittag wieder so ganz nach dem Geschmack der Besucher gestaltet. Denn Musik macht froh!

Ursula Koch