Der „Inklusive Gottesdienst“ – für Menschen mit und ohne Behinderung

Wissen Sie, wie man ein Kirchenlied singt, ohne dabei Worte zu benutzen? Wissen Sie, wie man in der Gebärdensprache klatscht? Wenn nein, dann waren Sie wohl noch nie beim „Inklusiven Gottesdienst“ in Mariä Himmelfahrt!

Einmal im Jahr feiern wir in Mariä Himmelfahrt einen. Gestaltet wird er von engagierten Mitarbeiter/innen der Pfarrei (vom Arbeitskreis „Soziales Netz“) und den Bewohner/innen der „Caritas-Wohnangebote für Menschen mit Behinderung“ in Dachau. Wir sind von der Bezeichnung „Integrativer Gottesdienst“ abgekommen, denn unsere Mitmenschen mit Einschränkungen sind nicht nur als Gottesdienstbesucher, nicht bloß als passive Teilnehmer eingeladen. Der Begriff „inklusiv“ bedeutet für uns, dass der Ablauf des Gottesdienstes gemeinsam mit Menschen mit Einschränkung ausgedacht und dann auch ausgeführt wird. Vor dem Gottesdienst ist die Aufregung immer groß, hernach sind sich aber immer alle einig: Fortsetzung muss folgen.
 

Was in unseren Augen einen Menschen ausmachen sollte, das sind in erster Linie seine Persönlichkeit, seine Gedanken, seine Gefühle, sein Tun – es sind nicht seine körperlichen Defizite. Wir sollten unseren Mitmenschen jedenfalls vorrangig nach seinen individuellen Stärken bewerten, nicht nur über seine Einschränkungen. Denn gewisse Einschränkungen oder Handicaps hat ja eigentlich jeder, auch jeder nichtbehinderte Mensch. Bei Menschen mit Behinderung wird nur eine bestimmte Einschränkung sogleich offenkundig. Diese mag für uns ungewohnt sein, macht unser Gegenüber aber noch nicht automatisch zu jemandem, der Mitleid beansprucht oder gar wünscht. 
 

Unter der Leitung von Gemeindereferentin Sabine Leitl von der Seelsorge mit Menschen mit Behinderung im Dekanat Dachau nehmen wir uns die Lesungstexte des entsprechenden Sonntags vor und überlegen, was die Kernaussage für uns heute sein kann. Dann überlegen wir gemeinsam, wie wir diese Kernaussage in einem kleinen Theaterstück oder mit Pantomime darstellen können. Heraus kommt das Evangelienspiel. Das Thema am 26. Juni 2016 lautete: „Jesus macht’s anders.“
 

Die musikalische Gestaltung übernehmen verschiedene Bands, die sich aus Mitgliedern mit und ohne Behinderung zusammensetzen; dieses Mal war „Das grüne Klapprad“ an der Reihe. Alle wichtigen Teile des Gottesdienstes werden simultan in Gebärdensprache übersetzt. Besonders eindrucksvoll ist es, wenn der Gebärdenchor „Regenbogen“ nur mit Handbewegungen zu den Liedern „singt“. Die „Sängerinnen“ sind gehörlos und zeigen uns Hörenden, dass alles auch ohne Worte ausgedrückt werden kann.
 

Die Fürbitten werden in den Wohngruppen formuliert, geübt und im Gottesdienst vorgetragen. Und nach dem Gottesdienst gibt es immer eine Begegnungsmöglichkeit mit einer kleinen Brotzeit für alle, damit neben der geistigen Nahrung auch etwas für das leibliche Wohl gesorgt ist.
 
 
 Für den Text wurde eine Vorlage von Herrn  Diakon Günter Gerhardinger  verwendet. 
D.R.