Was können Senioren für ihre Sicherheit tun?

Kriminalhauptkommissar Ernst Ziegenheim am Mittwoch, 6.Juli 2016

  Der Referent ging zuerst auf die Verkehrssituation ein. Seine Dienststelle, die Polizeiinspektion in Dachau, ist für 143.000 Einwohner zuständig. Ihr Bereich umfasst 2 Bundesstraßen(B 471 und B 304), 160.000 km Staatsstraßen und 800 km Gemeindestraßen. 1977 wurden 45.000 Fahrzeuge gezählt, heute verkehren 200.000 Fahrzeuge auf dem dichten Straßennetz.
Dann berichtete er über seine Dienststelle. Die Sollstärke der Polizei müsste 125 Dienstkräfte umfassen, tatsächlich kümmern sich 100 Beamte um 30.000 Vorgänge im Jahr. Eine Polizistin oder ein Polizist ist zuständig für 1.128 Personen. 1977 wurden 1.000 Unfälle aufgenommen, die Zahl stieg 2015 auf 4.658 Unfälle, allerdings gab es weniger Tote wegen der sicherer gebauten Autos.
Als Ziegenheim auf die Senioren am Steuer einging, wurde er sehr ernst, denn die Zahl der Seniorenunfälle sei dramatisch gestiegen. Grundsätzlich würden viele Senioren sich selbst überschätzen, ihr Gehör sei beeinträchtigt, und dem Verkehr seien sie nicht mehr gewachsen. Er warb für eine Überprüfung der Fahrtüchtigkeit, diese könne man bei der Verkehrswacht durchführen. Auch die Radunfälle nähmen zu, denn häufig fahren ältere Menschen auf dem Rad- oder Gehweg in die falsche Richtung, und das sei verkehrswidrig und gefährlich.
Im Hauptteil des informativen Vortrages ging es um aktuell gängige Kriminalfälle, in die ältere Menschen immer wieder verwickelt werden. Der Grund sei, dass die Menschen mit zunehmendem Alter vertrauensseliger würden. Bei jährlich 50.360 Straftaten geht es um Raddiebstahl, Betrug im Internet (Kontodaten, Verkaufstricks), Einbruch und Körperverletzung. Bei dieser Feststellung hörte man ein Raunen im Saal. In Bayern sei der Landkreis Dachau jedoch einer der sichersten in Bayern bei einer Aufklärungsquote von 60 %, beruhigte Ziegenheim die Zuhörer.


Anschließend gab er Tipps, wie man sich vor Betrügern schützt:
• Nie Personen in die Wohnung einlassen,
• die um Papier und Stift bitten, damit sie angeblich Nachrichten hinterlassen können,
• die ohne Vorankündigung den Verbrauch von Strom oder Wasser ablesen möchten oder sich um das Telefon kümmern wollen,
• die sich als Polizei ausgeben, ohne dass sie angefordert wurde, und wenn, dann den Dienstausweis zeigen lassen.
• Auf keine „Enkel“ hereinfallen, die telefonisch dringend schnell eine höhere Bargeldsumme erbitten; sondern sagen, dass ein sofortiger Termin nicht möglich sei.
• Keine Haustürgeschäfte abschließen, und wenn doch , dann nur mit Datumsangabe und zweifacher Unterschrift.
• Bei angeblichem Anruf der Stadtwerke keine Vertragsnummer preisgeben.
• Nie personenbezogene Daten mitteilen.
• An Geldautomaten misstrauisch sein und Abstand wahren.
• Alle Papiere mit aufgedruckter eigener Adresse vernichten.
• Bei telefonischem Anruf „Sie haben gewonnen!“ nie zurückrufen, denn das kostet 30 Euro.
• Bei Abwesenheit und bei Beginn der Dämmerung im Erdgeschoss Türen immer zusperren und Fenster schließen.
• Wegen weiterer Sicherheitsmaßnahmen gegen Wohnungseinbrüche die Beratungsstelle in Fürstenfeldbruck kontaktieren.
• Verdächtige Personen beobachten und der Polizei melden.

Am Ende der ganz konkreten Informationen berichteten einige Besucher, was sie selbst schon erlebt hatten. Ein Beispiel war der Anruf eines Mannes, der sich als Polizist ausgab. Aber die gewiefte Seniorin war auf diesen Betrug nicht hereingefallen.
Viele Besucher fanden diese Veranstaltung besonders lehrreich und nützlich. Sie meinten auch, der Polizist hätte seine Tipps sehr anschaulich und lebendig vermittelt, und dann nahmen sie ausführliches Informationsmaterial mit nach Hause.

Ursula Koch