Bernhard Grzimek - Ein Leben für Tiere

Wolfgang Hartmann am 14.September 2016

Der Referent berichtete mit großer Empathie über das bewegte Leben und Wirken des Tierarztes, Verhaltensforschers, Naturschützers und Buchautors. Seinen Vortrag illustrierte er mit Fotos aus dem Leben Grzimeks und mit vielen Tierbildern aus Afrika, Asien und Australien.



Grzimek wurde am 24.4.1909 in Neiße/Oberschlesien geboren und starb am 13.7.1987 in Frankfurt/Main. Schon als kleiner Bub interessierte er sich für Tiere und statt seines Namens unterschrieb er in seinen Heften mit einem X und zeichnete einen Igel dazu. So berichteten es jedenfalls Mitschüler. Da sein Vater früh verstorben war, musste er mit 19 Jahren seinen Lebensunterhalt als Leiter einer Hühnerfarm verdienen. In Leipzig studierte er Veterinärmedizin, wechselte nach Berlin, wo er nach dem Staatsexamen promovierte. Zunächst ließ er sich als Tierarzt in einem Berliner Vorort nieder. Karriere machte er an staatlichen Stellen: 1933 am Preußischen Landwirtschaftsministerium, dann im Reichsnährstand, und von 1938 bis 1945 im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Während dieser Zeit arbeitete er an der Bekämpfung von Tierseuchen und an der Verbesserung der Haltbarkeit von Eiern. Daneben beschäftigte er sich mit dem Verhalten von Wölfen und Menschenaffen. Während des 2. Weltkrieges führte er im Auftrag des Oberkommandos der Wehrmacht verhaltenskundliche Versuche mit Pferden, Elefanten, Tigern und Menschenaffen durch.

1945 wurde Grzimek Direktor des Zoologischen Gartens in Frankfurt. Er verhinderte, dass der völlig zerstörte Zoo geschlossen wurde, denn nur 20 Tiere hatten überlebt. Deswegen holte er Zootiere aus anderen Städten, und er ließ die Gebäude notdürftig herrichten. Als Werbegag zog er mit exotischen Tieren durch die Stadt. Mit großem Erfolg machte er seinen Zoo mit einer Achterbahn für die Besucher attraktiv.
Tiere hielt er sich auch zu Hause. Es existiert eine Aufnahme, die ihn mit seiner Frau, den zwei Söhnen und jungen Gorillas im Wohnzimmer zeigt. Grzimek nutzte die neuen Massenmedien. 30 Jahre moderierte er die eigene abendliche Sendung „Ein Platz für Tiere“ im Fernsehen, in die er immer andere Tiere mitbrachte. Diese präsentierte er, damit die Zuschauer animiert wurden, reichlich für seine Projekte in Afrika zu spenden.
Zunächst hatte Grzimek Afrika bereist, um Tiere für seinen Zoo zu fangen. Dabei studierte er das Verhalten der Tiere in der Wildnis, damit die Tiere daheim im Zoo artgerecht leben konnten. Er sah aber die afrikanischen Tiere aussterben, weil sie rücksichtslos gejagt wurden. Nun engagierte er sich für die exotischen, gefährdeten Tiere in Afrika, die in einem großen Naturschutzgebiet leben sollten. Jedem Zuhörer, so meinte der Referent Hartmann, sei der Name „Serengeti“ geläufig. In diesem geschützten Steppengebiet südlich des Viktoria Sees sollten sich Elefanten, Löwen, Antilopen, Zebras und Geparde aufhalten können, ohne dass sie von Wilderern erlegt würden. Denn diese hatten es besonders auf die begehrten Elfenbeinzähne der Elefanten abgesehen.

Grzimek war monatelang mit seinem Sohn Michael in einem zebragestreiften Sportflugzeug unterwegs, um Tiere zu zählen und deren Wanderungen zu dokumentieren. Auch in Afrika untersuchte er Verhaltensweisen von Tieren. Dabei entwickelte er Versuche mit aufblasbaren Tierattrappen aus Gummi. Auf den Seen war Grzimek mit einem Schwimmauto unterwegs, um Vögel und Flusspferde zu beobachten. Während einer der Expeditionen verunglückte sein Sohn Michael mit dem Flugzeug tödlich, obwohl dieser ein sehr guter Pilot war.
Grzimek war weltweit für seine Forschungen unterwegs und setzte sich überall für Tiere ein, die vom Aussterben bedroht waren. Seltene Arten versuchte er in seinem Zoo weiter zu züchten. Berühmt wurde er mit seinem Dokumentarfilm „Serengeti darf nicht sterben“, für den er den begehrten „Oscar“ als Auszeichnung erhielt. In Deutschland setzte er sich im Auftrag der Bundesregierung für den Naturschutz ein. Er gründete die „zoologische Gesellschaft Frankfurt“. Vehement kämpfte er gegen die Käfighaltung von Hühnern. Mit anderen Naturschützern setzte er sich für einen Nationalpark Bayrischer Wald ein.



Der Referent würdigte in seinem Vortrag immer wieder die Verdienste des Naturschützers Grzimek, der zurecht mit vielen Auszeichnungen für sein Lebenswerk bedacht wurde. Der Kampf gegen die Ausbeutung der Natur sei aber immer noch aktuell. Denn auch in der Gegenwart gäbe es Massentierhaltung, Ausrottung bedrohter Tierhaltung und Abholzung der Regenwälder, beklagte Hartmann. Und dies sei sicher nicht im Sinne Gottes.

Ursula Koch