Krippengeschichten

Dr. Theodor Klotz am 7. Dezember 2016


Herr Dr. Klotz hatte mit dem Museumsverein Dachau im Winter 2015/16 eine umfangreiche Krippenausstellung in der Schalterhalle der Sparkasse Dachau am Unteren Markt initiiert. Da er selbst Liebhaber und Sammler von Krippen ist,
  interessierte er sich besonders für die dort gezeigten Dachauer Krippen. Große Beachtung verdient seiner Meinung nach eine wiederhergestellte, wertvolle Dachauer Krippe, die lange Zeit in einem Schrank aufbewahrt wurde. Diese würdigte er ausführlich in seinem Vortrag.
Zu Beginn stellte er folgende Frage: „Warum sind Ochs und Esel bei dem Jesuskind in der Krippe“?
Keiner der vier Evangelisten berichtet, dass bei der Geburt Christi Ochs und Esel im Stall bei der Krippe waren. Und doch zeigen die Darstellungen von Anfang an die beiden Tiere bei dem Jesuskind, das fest eingewickelt daliegt. Die älteste derartige Ausführung befindet sich auf einem Sarkophagdeckel aus dem 4. Jahrhundert. Die Marienfigur wurde erst beigestellt, seit Maria im Konzil von Ephesus zur „Gottesmutter“ erklärt wurde. Die Joseffigur kam noch später dazu. Die früheste Form der Geburtsszene enthält bereits eine theologische Aussage: Der geduldige, treue Ochse steht für das Judentum, und der störrische Esel symbolisiert das Heidentum. So verstanden das die Kirchenväter. Auf die Geburt Christi bezieht Origines (185-254 n.Chr.) folgende Prophetenstelle aus Jesaias 1, 3: „Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn“. Diese Aussage wurde dann so interpretiert: Der Ochse ist an das jüdische Gesetz gebunden, und der Esel trägt die Last des heidnischen Götzendienstes. Der Gottessohn befreit nun die beiden von ihren Lasten.

Die späteren Krippendarstellungen entstanden auf Grund der weit verbreiteten Volksfrömmigkeit. Sie gehen auf den Hl. Franziskus zurück. Er holte das Weihnachtsgeschehen in einer berühmt gewordenen Feier in Greccio (1223) in seine Zeit. Lebendige Menschen und Tiere sollten zeigen, dass der Gottessohn gegenwärtig ist. Diese Auffassung besagt, das Weihnachtsgeschehen sei in jedem Zeitalter und überall auf der Welt darstellbar. So entwickelten sich die verschiedensten Darstellungsformen je nach Region. Da findet die Geburt etwa in einer Höhle oder in einem alpenländischen Stall statt. Weil noch dazu Winter ist, gestaltet der Krippenbauer eine Schneelandschaft. Der Hintergrund kann der Heimatort oder ein Gebirge sein. Dazu kommen immer mehr Figuren und Szenen aus dem täglichen Leben, besonders bei den aufwändigen neapolitanischen Krippen.

   
Kirchenkrippe St. Johann 1946 Mitterndorfer Krippe 1470

Dr. Klotz ging auf fünf Dachauer Krippen ein. 1946 hatte Prälat Pfanzelt für die Filialkirche St. Johann eine Krippe in Auftrag gegeben. Die Figuren des Krippenkünstlers sind realistisch geschnitzt. Maria, bekleidet mit einer vereinfachten Dachauer Tracht, beugt sich über ein bäuerlich bemaltes Bettchen. Daneben schauen zwei kleine Engel neugierig das Jesuskind an. Die Hirten tragen die Arbeitskleidung der damaligen Zeit. Ein Bub steckt in einer Lederhose. Den Hintergrund bildet die Dachauer Altstadt. Der Referent bezeichnete diese frisch restaurierte Krippe als künstlerisch besonders wertvoll.

Die älteste der vorgestellten Krippen ist die Mitterndorfer Krippe. Sie ist um 1470 noch ganz im gotischen Stil gearbeitet worden. Vor einem Hintergrundrelief knien Maria und Josef anbetend vor dem Kind, das nackt auf einem Tuch über dem blanken Boden liegt. Diese Darstellung ist nach den Visionen der Hl. Birgitta gestaltet. Die Krippe befindet sich im Diözesanmuseum in Freising.

   
Guha-Krippe Wagner-Wolf-Krippe

Fredl Guha, ehemaliges Mitglied des Dachauer Dreigesangs, hat seine Krippe dem Museumsverein vermacht. Die Guha-Krippe ist mit großer Liebe zum Detail gestaltet. Die Figuren sind in eine einfache Torfhütte im Dachauer Moos platziert. Davor ist die Szenerie eines Torfstiches ganz exakt wiedergegeben. Rundherum grasen allerlei Tiere, darunter befinden sich auch exotische Exemplare. Den Hintergrund bildet die Dachauer Altstadtkrone. Diese Krippe ist eine typische Heimatkrippe.

Die Krippe der Familie Rössler stammt wahrscheinlich aus Italien. Die Figuren sind im orientalischen Stil gearbeitet. Die Gestik der Personen und die Körperhaltung der Tiere sind besonders ausdrucksvoll. Die Rössler-Krippe wie die einfachere Wagner-Wolf-Krippe sind typische Hauskrippen, die Dachauer Bürger liebevoll bewahrt haben und die sie jedes Jahr in der Weihnachtszeit aufstellten. Da öffneten die Familien ihre Haustüren zum traditionellen „Kripperlschauen“.

Dr. Klotz sprach völlig frei und sehr anschaulich. Ihn für diese Veranstaltung gewonnen zu haben, sei eine äußerst gute Idee gewesen, meinten viele.

Ursula Koch