Pfarrer Kneipp-Arzt für Leib und Seele

Marianne Porsche-Rohrer am Mittwoch, 8.März 2017

„In der Kneippschen Lehre findet der kluge Mensch in unserer schnelllebigen Gesellschaft alles, was notwendig ist, Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu pflegen.“ Diese Kernaussage fasst zusammen, worüber die Apothekerin und Heilpraktikerin aus Schongau rund 60 interessierte Zuhörer informierte.
Zunächst erzählte sie die eindrucksvolle Lebensgeschichte des berühmt gewordenen Seelsorgers. Dieser wurde am 17. Mai 1821 in Oberschwaben geboren. Die Familie war sehr arm, und so musste der Bub schon mit elf Jahren am Webstuhl des Vaters arbeiten. Ganz früh äußerte er den Wunsch, Priester zu werden.

 Aber die Familie konnte ihm kein Studium finanzieren. Sebastian verdiente sich durch schwere körperliche Arbeit das Geld für den notwendigen Lateinunterricht. Trotz Verlust der Ersparnisse durch einen Brand im Elternhaus verfolgte er weiter sein Ziel. In Grönenbach konnte er bei einem Kaplan, einem entfernten Verwandten seines Vaters, Latein lernen. Dort machte er auch die Bekanntschaft des evangelischen Ortspfarrers. Dieser führte ihn in die Pflanzenheilkunde ein und half ihm weiter. Erst mit 23 Jahren konnte Sebastian ein Gymnasium in Dillingen besuchen. Nach dem Abitur studierte er Theologie und wurde 1852 in Ottobeuren zum Priester geweiht. Als er während der Schulzeit schwer an Tuberkulose erkrankte, machte er sich die Heilkraft des Wassers zu Nutze. Er hatte im Buch eines Arztes gelesen, wie dieser seine Patienten mit kaltem Wasser kurierte. Heimlich badete Sebastian regelmäßig in der eiskalten Donau, und er wurde gesund. Als Student in München behandelte er kranke Kommilitonen mit Gießkanne und Wasser. Als er dann als Seelsorger tätig war, wurde schnell bekannt, dass er arme Leute mit seinen naturheilkundlichen Methoden behandelte. Immer wieder zeigte man ihn an, weil die Ärzte ihn als Konkurrenten und Kurpfuscher betrachteten. Im Kloster der Dominikanerinnen in Wörishofen baute er als Hausgeistlicher die Landwirtschaft aus, gründete die Klosterbrauerei und errichtete ein Waisenhaus. Im Waschhaus, das zum Badehaus umgebaut wurde, kurierte er seine Patienten mit Wasser. Er wurde berühmt, und bald kamen Kranke aus aller Welt und aus allen Gesellschaftsschichten zu ihm. 120 Hotels und Pensionen entstanden innerhalb von fünf Jahren, und der Ort entwickelte sich zu einem Kurort. 1920 erhielt Wörishofen das Prädikat „Bad“. Pfarrer Kneipp schrieb Bücher über seine Therapien. Diese und seine Vortragsreisen durch ganz Europa machten ihn berühmt. Er starb am 17. Juni 1897.



Frau Porsche-Rohrer stellte nach dem Lebenslauf die 5 Säulen der Kneipp-Therapie vor:

1. Hydrotherapie
Waschungen, Güsse, Wickel, Bäder und Packungen enthalten Wasser als Träger thermischer Reize. Sie sollen den Körper dazu bringen, Regulationsmechanismen in Gang zu setzen.

2. Phytotherapie
Heilpflanzen als Tee, Frischpflanzensäfte und Bäder dienen der Vorbeugung und Heilung.

3. Ernährung
Die Nahrung soll einfach und naturbelassen sein. Gutes Kauen und maßvolles Essen sind besonders wichtig. Durch Fasten-, Obst-, Reis- oder fleischlose Tage wird der Körper entlastet.

4. Ruhe und Bewegung
Gymnastik, Wandern, Schwimmen, Massagen etc. sind in jedem Alter möglich. Wichtig ist, langsam zu beginnen und regelmäßig zu üben. Unterforderung und Überforderung sind zu vermeiden.

5. Ordnungstherapie
Sie ist der unser Leben einteilende und rhythmisierende Faktor. Entspannungsübungen, künstlerische Betätigung oder auch das Gebet sind Möglichkeiten, zu sich selbst zu finden und zur Ruhe zu kommen. Wichtig sei, das Wesentliche von Unwesentlichem trennen zu können.


Die Referentin ist auch schriftstellerisch tätig. In ihren „lyrischen Handbüchern der Kneippschen Lehre“ stellt sie in humorvollen Gedichten Heilpflanzen für alle Lebenslagen vor. In zum Teil sehr lustigen Reimen erfährt der Leser, welche naturheilkundlichen Mittel Beschwerden lindern und heilen.
Wer von den Besuchern der Veranstaltung ein signiertes Büchlein erstand, konnte dazu mit einem fein ausgearbeiteten Manuskript wertvolle Ratgeber mit nach Hause nehmen. Alle Zuhörer waren einhellig sehr angetan und begeistert von der Vortragsweise und Persönlichkeit der Apothekerin und Heilpraktikerin: „ Sie solle doch bald wieder nach Dachau, St. Jakob, kommen.“

Ursula Koch