Kaiserin Elisabeth von Österreich

Wolfgang Hartmann am 5. Juli 2017

Sie ist und bleibt eine der populärsten weiblichen Persönlichkeiten der Geschichte: Kaiserin
Elisabeth von Österreich und Königin von Ungarn - unsere bayerische Prinzessin ,,Sisi'. Sie
herrschte über zahlreiche Völker und agierte für ihre Zeit und Stellung bereits sehr
fortschrittlich und ging eigene Wege, was ihr Bewunderung aber auch Kritik einbrachte.
Durch ihren gewaltsamen Tod wurde die exzentrische, intelligente, hochsensible Frau zum
Mythos bis in unsere Tage.


Am ungewöhnlich kalten Heiligabend des Jahres 1837 - einem Sonntag - kommt um 22:43
Uhr im herzoglichen Palais an der Ludwigstraße in München die Prinzessin Elisabeth Amalie
Eugenie als Tochter der Herzogsfamilie Max und Ludovika in Bayem zur Welt. Um das
Glück der Eltern vollkommen zu machen, hat sie auch schon einen Zahn. Von den acht
überlebenden Kindern ähnelt Elisabeth ihrem lebensfrohen, freiheitsliebenden Vater am
meisten. Ungezwungen wächst sie meist in Schloss Possenhofen am Starnberger See - ihrem
geliebten ,,Possi" - auf, bis sie rein zufällig den jungen Kaiser Franz Joseph von Österreich -
ihren Cousin - kennen lernt, ihn am 24. April 1854 heiratet und mit nur 17 Jahren, völlig
unvorbereitet, Kaiserin von Österreich wird.
Das strenge Protokoll am Wiener Hofe, die Schikanen ihrer Schwiegermutter, die gleichzeitig
ihre Tante und Schwester ihrer Mutter ist, und die ständige Abwesenheit ihres Gatten, des
Kaisers, bereiten der jungen Ehefrau großen Kummer und machen sie krank. Trotzdem erfüllt
Elisabeth die an sie gerichteten Erwartungen und bringt zur Erhaltung der Kaiserfamilie vier
Kinder zur Welt: Sophie (1855 - 1857), Gisela (1856 - 1932), Rudolf (1858 - 1889) und
Marie-Valerie (1868 - 1924). Der frühe Tod ihrer Erstgeborenen und der Selbstmord von
Kronprinz Rudolf machen aus Elisabeth eine menschenscheue, traurige, einsame Frau.
Bei der Aussöhnung Österreichs mit Ungarn, die mit der Krönung von Franz Joseph und
Elisabeth zu König und Königin von Ungarn gipfelte, hat sich Elisabeth unbezahlbare
politische Verdienste erworben.
Kaiserin Elisabeth war und blieb eine bezaubernde Frau. Nicht nur ihre äußerliche Schönheit,
auch ihre Stimme und ihre leichten und graziösen Bewegungen faszinierten alle Leute, denen
sie begegnete. Sisi legte bei der Erhaltung ihrer Jugendlichkeit geradezu zwanghaften Eifer an
den Tag.

Wolfgang Hartmann demonstriert die Taillenweite Das Itinerar zeigt die Vielzahl ihrer Reisen

Der Erfolg ließ sich auch sehen: Bei einer Körpergröße von 1,72 m wog sie
zeitlebens nur um die 50 kg und hatte eine Taillenweite von 50 bis 52 cm (Bild). Sie hielt strenge
Diäten, die ihrer Gesundheit mehr schadeten, als ihrer Schönheit dienten. Sie zeigte deutliche
Anzeichen der heute bekannten Krankheit ,,Magersucht", dem Schicksal auch heutiger
Königskinder. Auch in der Frisurenmode ihrer Zeit galt Sisi als Vorbild. Kaum eine andere
Frau trieb einen derartigen Kult um ihre Haare wie sie. Ihre Friseuse war ihre ständige
Begleiterin zu Hause und auf allen Reisen. Drei Stunden dauerte allein das tägliche Frisieren.
Alle drei Wochen wurden die Haare gewaschen, was einen ganzen Tag beanspruchte.
Die Pferdeliebhaberin Elisabeth wollte neben der schönsten Frau Europas auch die beste
Reiterin Europas sein. Mit krankhaftem Ehrgeiz nahm sie Reitunterricht und trainierte täglich
mehrere Stunden mit den besten Reitlehrern auf den teuersten Pferden Europas. In England,
Irland und Ungarn nahm sie an Reitjagden teil und erntete größte Bewunderung für ihr
Können. Dank der guten Kondition der Kaiserin gingen mehrere Reitunfälle bis auf eine
Gehirnerschütterung glimpflich ab, versetzten aber die Familie jedes Mal in Angst und
Schrecken.
Elisabeth litt sehr unter dem starren Hofzeremoniell in Wien und den andauernden
Streitigkeiten mit ihrer Schwiegermutter. Um den unbequemen Situationen aus dem Weg zu
gehen, begann die Kaiserin zu reisen. Sie reiste aus Interesse für fremde Länder und fremde
Sitten - allerdings auch aus Trotz mit vorgeschobenen gesundheitlichen Problemen.
In den letzten Lebensjahren irrte die Kaiserin regelrecht durch Europa. Für ihre Reisen stand ihr zu
Lande ein Salonsonderzug zur Verfügung. Für ihre ausgedehnten Seereisen standen ihr die
Yachten Fantasie, Miramar und Greif der k. u. k. Kriegsmarine zur Verfügung. Der Vorwurf,
dass der aufwändige Lebensstil der Kaiserin und ihre Reisen aus Steuergeldern bezahlt
würden, ist falsch. Die Reisen der Kaiserin wurden aus den Privateinkünften des Kaiserhauses
und dem ungeheuren Vermögen Kaiser Franz Josephs finanziert. Einen Großteil des Geldes
verwendete Elisabeth für Spenden und die Ankurbelung des Fremdenverkehrs, wenn sie mit
bis zu 70 Personen, 18 Pferden und einigen Kühen und Ziegen (wegen der frischen Milch) auf
Reisen ging.
Im Laufe ihres Lebens spendete die Kaiserin beträchtliche Geldbeträge für Arme und Kranke
in ihrem Reich. Regelmäßig besuchte sie Militärlazarette, Krankenhäuser, Irrenanstalten und
Volksküchen zur Speisung Bedürftiger. Auf ihre Anregung und Bitte ließ der Kaiser
Krankenhäuser und Irrenanstalten bauen.
Die 60-jährige Kaiserin besuchte am 9. September 1898 die Baronin Rothschild auf ihrem
Schloss unweit von Genf. Obwohl sie Inkognito - als Gräfin von Hohenems - an den Genfer
See gereist war, meldete eine Genfer Zeitung ihre Ankunft. Der italienische Anarchist Luigi
Lucheni hatte eine große Tat vor. Als Prinz Henri von Orleans nicht wie geplant nach Genf
gekommen war, hatte Lucheni Elisabeth als Opfer ausersehen. Am 10. September 1898
erstach er die Kaiserin auf dem Wege zum Dampfer.
Ganz Österreich und Ungarn waren gelähmt vor Entsetzen. Erst jetzt kam allen zu Bewusstsein,
wie beliebt die Kaiserin doch war. Es war Elisabeths Wunsch, dass man ihren Körper ins Meer wirft.
Doch als Verstorbene ist sie noch mehr Habsburgerin als zu Lebzeiten.
Ihr Weg führt gezwungenermaßen nach Österreich und in die unausweichliche Kapuzinergruft.
Am 17. September 1898 erfolgt unter großer Anteilnahme die Beisetzung nach den strengen Regeln
des Hofzeremoniells. Ihr Sarkophag ruht neben dem ihres Sohnes und dem ihres Gemahls
in der Franz Josephs Gruft.

Wolfgang Hartmann