Sommerausflug

Kirchen, Schloss und Vögel

Palsweis, Sulzemoos und Olching am 2. August 2017

Bei angenehmem Sommerwetter ging es in den Westen Dachaus. In Palsweis steht das kleine, aber äußerlich wuchtige Kirchlein St. Urban, das keines der Ausflügler kannte. Pfarrer Albert Hack, Seelsorger des Pfarrverbands Bergkirchen, erwartete schon die Gruppe und begann vor der Kirche seine eindrucksvolle Führung. Er wies auf den mächtigen, spätromanischen Turm hin. Dieser ist über den Altarraum gebaut und kennzeichnet das Gebäude als Chorturmanlage. Das Langhaus erscheint innen recht klein. Aber das täuscht, denn das Mauerwerk ist bis zu 1,30 Meter dick.

Wehrkirche St.Urban Palsweis Pfarrer Hack

Pfarrer Hack erzählte zur Kirche drei Geschichten.
Erste Geschichte: St. Urban ist eine Wehrkirche. Sie schützte die Bewohner des Ortes vor Überfällen und in Kriegen.
Zweite Geschichte: Im Turm über dem Chorgewölbe befindet sich ein geräumiges Geschoß. Das diente wohl als Zufluchtsort, aber auch als Speicher für Getreide und Feldfrüchte. Das Kloster Scheyern besaß in der Gegend von Palsweis Grundstücke. Die dortigen Bewohner hatten ihren Zehent abzuliefern, und sie lagerten im Turm ihre Erträge. Vermutlich wurde an den Südhängen auch Wein für das Kloster angebaut. Das erklärt auch den Namen der Kirche, denn der hl. Urban ist der Patron der Winzer.
Dritte Geschichte: Das Gotteshaus ist ein Zeugnis des Glaubens der Bewohner des Ortes. In der Zeit des kirchenfeindlichen Nationalsozialismus wurde die Kirche innen restauriert und bekam neue Fenster. Palsweiser Bürger stifteten acht Glasgemälde mit religiösen Motiven.
Pfarrer Hack stellte einen Kelch auf den Altar und erläuterte: Dieser müsse immer aus Silber und Gold bestehen. Aus Gold müsse die Innenwand gefertigt sein. Denn Gold sei rein und unvergänglich. Dieses Gebot gehe auf Papst Urban zurück, von dem man sonst nichts wisse. Im Hochaltar der Kirche ist der Heilige im päpstlichen Ornat mit hl. Schrift und Traube dargestellt.
In der anschließenden Andacht mit Liedern und Gebeten erfüllte Weihrauch den mit Blumen und brennenden Kerzen geschmückten Kirchenraum. So konnten alle Mitfeiernden ihr Christsein bekunden.

Zum Mittagessen kehrte man im Wirtsgarten des Gutes Schloss Sulzemoos ein. Frau Clara Magro, die Chefin des stilvollen Speiselokals, hatte eine kleine, aber feine Speisekarte zur Auswahl vorausgeschickt. Die Gerichte, darunter das altbayerische „Böflamot“ oder das kross gebratene Saiblingsfilet, schmeckten köstlich.

Restaurant Gut Schloss Sulzemoos Dr. Michael von Zwehl vor Schloss Sulzemoos
 
Zur Überraschung aller erschien der Schlossherr Dr. Michael von Zwehl und geleitete durch das weitläufige Gelände. Er stellte sich als ehemaliger Mediziner vor, der das Schloss und die Stallungen von seiner Tante geerbt habe. Alle Gebäude wären in schlechtem Zustand gewesen, und für ihn sei es eine große Aufgabe, das Gut für die Zukunft zu erhalten. Das ginge nur mit Investoren, und man konnte sehen, dass in den bereits restaurierten Gebäuden sich Firmensitze befinden. Herr von Zwehl informierte äußerst kundig über die lange Geschichte des Ortes Sulzemoos und des Schlosses. Das Dorf, das 820 erstmals urkundlich erwähnt wurde, hatte eine große Bedeutung. Denn in der Römerzeit kreuzten hier zwei Handelsstraßen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sich dort Adelsgeschlechter ansiedelten. Der Schlossherr zählte eine lange Liste von Grafen auf, darunter ein so bekannter wie „Wiguläus Hundt“. Auch den Grafen von Dachau könne man Besitzungen in Sulzemoos zuschreiben. In dem heutigen Schlossgebäude ist noch ein großer gotischer Teil erhalten. Der Schlossherr ließ die Gruppe in den weiträumigen Schlossgarten ein, in dem Gemüse und Obst zur Versorgung der Schlossherren und seiner Bediensteten angebaut wurde. Er zeigte auch, wo er und seine Familie wohnen.


Über das Gutsgelände ragt der achteckige Turm mit einer barocken Zwiebelkuppel der ehemaligen Schlosskirche St. Johannes der Täufer. Die jetzige Pfarrkirche sei die älteste im Landkreis Dachau, meinte Herr von Zwehl. Sie sei 844 urkundlich erwähnt. Das im Langhaus erhaltene Baumaterial Nagelfluh sei älter als das Mauerwerk aus Ziegeln, woraus die Kirche auf dem Petersberg errichtet ist. Der Kirchenraum ist prächtig im barocken Stil ausgestattet. Der kunstvolle, reiche Stuck im italienischen Stil fällt sofort ins Auge. Die Kirchenbesucher konnten Münchner Restauratoren zusehen, die zur Zeit das üppige Blattgold am Hochaltar und an den Rokoko-Seitenaltären erneuern.


Das letzte Ziel des Ausflugs war der Vogelpark in Olching, den niemand kannte. Dieser liegt versteckt an der Amper. Unter hohen Bäumen waren Tische und Bänke für eine Kaffeerunde aufgestellt. Die von den dort tätigen Ehrenamtlichen gebackenen leckeren Kuchen mundeten allen. Dazu piepste und krächzte es von den Bäumen, und alle waren gespannt auf die anschließende Führung durch den Park. Frau Daniela Kuchenbaur stellte auf dem Rundgang mit Begeisterung die verschiedensten Vögel aus aller Welt vor, und man glaubte ihr sofort, dass die Vögel sie kannten. Zum Abschluss plapperte ein kleiner Papagei „Hallo“ und bekam ein fröhliches, vielstimmiges „Hallo“ als Antwort.
Pünktlich um 18 Uhr fuhr der Ausflugsbus, umsichtig von Korbinian Simperl gesteuert, in Dachau ein. Beim Aussteigen meinten alle, dass der diesjährige Ausflug wieder ein großes Erlebnis voller Überraschungen war.

Ursula Koch