Von Henkern, Galgenvögeln und Paragraphenreitern

Anni Härtl am 16.September 2017


„Wie kam ich zu diesem doch recht gruseligen Thema?“ fragte Anni Härtl ihre erwartungsvollen Zuhörer beim Seniorennachmittag in St. Jakob. Anlass sei die Anregung ihres Sohnes gewesen, nachzuforschen, wie es in Dachau bestellt war, wenn Leute straffällig geworden waren. Und so vertieften sich Mutter und Sohn in Quellen, um herauszufinden, wie und wo Strafen durchgeführt wurden. Heraus kam ein interessanter und lebendiger Vortrag von Frau Härtl, bei dem es trotz grausamer Methoden im Strafvollzug doch vieles zum Schmunzeln gab. Da die Referentin so viele Geschichten und Einzelheiten zu erzählen wusste, fasste sie ihr Referat wie folgt selbst zusammen:

„Ein Reichsgesetzbuch gibt es schon seit dem 1.1.1872 und unter Graf Montgelas wurde die Folter abgeschafft. Um 1800 gab es bereits eine Juristenschwemme. Kurfürst Max Joseph forderte daher diese auf, nach abgeschlossenem Studium Schreiberdienste anzustreben. Doch in der Zeit davor wurde noch gefoltert, gehängt und geköpft. Es gab Schandstrafen wie das Stehen auf einem Pranger oder in der Geige in aller Öffentlichkeit, man musste mit Steinen umgehängt durch den Ort laufen oder wurde bei großen Verfehlungen als Strafe in den Kriegsdienst geschickt. Auch im Markt Dachau kann man von diesen Dingen erzählen. Die Strafkompetenz bei „Bürgerlichen Verbrechen“ lag beim Markt Dachau. Strafgelder waren immer eine gute Einnahme und im Rathauskeller befand sich das „Stüble“, also eine Zelle für den Täter. Das Gefängnis, bzw. die Eisenfronfeste stand am Rand des Marktes, hier hatte der Landesherr zu bestimmen. Die Gefängnistür ist heute noch in der Konrad-Adenauer-Str.11a im Geschäft für Kunst und Rahmen zu sehen.

 
Vorderseite der Gefängnistüre

 Rückseite der Gefängnistüre

Aber auch einen Galgen hatte der Markt Dachau. Am heutigen Bahnhofsvorplatz wurde er von den Zimmererleuten errichtet. Weithin konnte man sehen, hier in diesem Ort, herrscht Zucht und Ordnung. Noch heute kann man in alten Landkarten die Bezeichnung „Galgenmoos“ lesen, das sich hinter der Bahnlinie nach Augustenfeld ausdehnt. „Das Theater des Schreckens“ war die Hinrichtung mit dem Schwert. Zu diesem Zweck kam der Scharfrichter in den Ort, es wurde ein Podium aufgebaut und die Bevölkerung konnte zusehen. 1832 fand die letzte Hinrichtung auf der Köpfstätte an der Münchenerstraße statt. Gut, dass es heute ein Strafgesetzbuch gibt!“

Nach dem Vortrag diskutierten die Zuhörer noch lange darüber, wie grausam es in der sog. „guten, alten Zeit“ zugegangen sei.

Ursula Koch