Gedichte mit Geschichte

Lisa Stögbauer am 4. April 2018

„Es ist wie es ist“ – „Einfach so“


„Schreiben ist Therapie, schreiben ist Gespräch mit dem leeren Blatt“. Dies ist das Motto der Referentin. Das Leben sei zum Lachen und Weinen, und viele Ereignisse würden sie aufrütteln und verzweifeln lassen. „Dann schreiben Sie doch alles auf“, riet ihr Arzt. Das mache sie nun, die besten Gedanken kämen ihr in der Nacht. Das Reimen in Hochdeutsch oder im niederbairischen Dialekt ihrer Heimat, dem Passauer Land, sei ihre Gottesgabe. Mit diesen Feststellungen machte sie ihr Publikum neugierig. Ihre Lesung hatte zwei Teile, einen ernsten und einen heiteren.



Sie begann zunächst mit einem Gebet, wie immer bei ihren Gedichtvorträgen. Die nachdenklichen Gedichte befassen sich mit ernsten Begebenheiten. Krankheit, Trennung, Tod, Abschied nehmen müssen, diese Ereignisse gehören zum Leben. Man lerne loszulassen, anzunehmen, und das stärke einen. Das hätte sie selbst erfahren, vermittelte Frau Stögbauer dem aufmerksam lauschenden Publikum. Dann appellierte sie an die Frauen, nicht alles geduldig zu schlucken, sondern „nein“ zu sagen und Probleme nicht zu verstecken, um den Schein zu wahren. „Sich freuen und dankbar sein können, erkennen, was man nicht braucht, Menschlichkeit über Nutzen und Profit stellen“, das sind Motive in ihren Gedichten. Zum Abschluss ihres besinnlichen Teils zündete sie eine Kerze an, denn „ein kleines Licht brennt immer“, meinte sie.

Die heiteren Gedichte nehmen Begebenheiten des alltäglichen Lebens auf: Grundstücksprobleme eines unleidigen Nachbarn, die Handys, die überall dabei sind, das Internet, die Begrüßungen und Abschiede, die nicht mehr auf Bairisch erfolgen, der „Kurschatten“, der im Laufe der Zeit seine Anziehungskraft verliert, „Heazklopfa“, das nicht vom Alter abhängt, oder das enge Kleid, das zum „Stehkleid“ mutiert. All diese Themen kamen den Zuhörern bekannt vor, und sie schmunzelten darüber.

Lisa Stögbauer erntete für die Inhalte ihrer Gedichte große Zustimmung, und sie erhielt langen Beifall. Sie schreibt fein, nie plump, ist nicht auf billigen Effekt aus. Ihre Gedichte sprechen die Menschen an, weil sie deren Erfahrungen widerspiegeln.
Die Referentin hatte Gedichtausgaben dabei. Wer ein Büchlein mit schön ausgesuchten schwarz-weißen Fotos erstand, dem signierte die Verfasserin es mit einem ihrer Wahlsprüche.

Ursula Koch