Luther für Einsteiger

Katharina Huss am 06. Juni 2018



Dieser Vortrag war gestaltet wie ein unterhaltsames und informatives Theater mit dem Stück „über Luther und um Luther herum“. Frau Huss nutzte alle Möglichkeiten, um dieses komplexe Thema möglichst anschaulich aufzubereiten. Und dies waren ihre Medien: Ein Comic führte im Schnelldurchgang Luthers Lebensweg vor, der in die Konfrontation zur damaligen Kirche und ihrer Vertreter führte. Ein Gemälde zeigte ein Portrait Luthers mit Bibel und Schwan, anstatt der Heiligenbilder, die damals verehrt wurden. Die Stationen seines Lebens hatte die Referentin in einem Panoptikum sichtbar gemacht. Dramatisch spielte sie im Habit eines Mönches den Thesenanschlag mit Hammer und Thesenpapier an der Wittenberger Schlosskirche. Sie wies aber darauf hin, dass diese Begebenheit historisch nicht haltbar oder umstritten sei. Einer Zuhörerin flüsterte sie ein, was der armen Seele eines Angehörigen drohe, wenn man nicht für den Ablass seiner zeitigen Sündenstrafe bezahle. Das flößte wahrlich Furcht ein. Mit schöner Stimme sang sie ein Lied aus dieser Zeit, das – im Gegensatz zu den damals üblichen lateinischen Texten – in der deutschen Sprache verfasst worden war.



Im Reformationsjubiläumsjahr 2017 wurde Luther regelrecht vermarktet, und das nutzte die Luther-Expertin. Das Leben des tiefgläubigen Mönches erzählte sie auch an Hand von käuflichen Dingen, die mit ihren Aufschriften einen Bezug zur Person Luther herstellen sollten. Auf Tischen hatte sie Stifte, Getränkeflaschen (Luther-Bier), Socken, Lutschpastillen, ein Buch mit Kochrezepten („Futtern wie bei Luthern“) CDs, Kaffee, eine Playmobilfigur und eine Reihe anderer Objekte so ausgebreitet, dass diese ihr als zeitliche Stütze dienten.
Luder (der sich später Luther nannte) war entgegen den Wünschen seiner begüterten Eltern in den Orden der Augustiner-Eremiten in Erfurt eingetreten und hatte eine steile Karriere an der neu gegründeten Universität in Wittenberg vor sich. Gründe dafür seien u.a. diese gewesen: Bereits der kleine Martin war hochbegabt, deswegen bekam er eine gute schulische Ausbildung. Der Erwachsene beherrschte neben Latein die griechische und hebräische Sprache, die er zu seiner Neufassung der Bibel in deutscher Sprache benötigte. Als Mensch des Mittelalters fühlte er sich ständig als Sünder und rang um einen gnädigen Gott. Er sah es als eine Strafe Gottes an, dass der Blitz bei einem schweren Gewitter neben ihm einschlug. Deswegen gelobte er, das asketische Leben eines Mönches zu führen.
Frau Huss beschrieb die damalige Umbruchszeit, die von der Entdeckung Amerikas und der Erfindung des Buchdrucks so nachhaltig geprägt wurde. Ohne die Druckwerkstatt Gutenbergs hätten sich die Publikationen Luthers nie in einer so rasanten Schnelligkeit verbreiten können. Die Religionspädagogin schilderte drastisch das verkommene Papsttum, dessen Umfeld in Rom und die Geldgier, die durch den Ablasshandel gestillt werden sollte. Es gab keine Religionsfreiheit, deswegen wurden Andersgläubige mundtot gemacht. Und das sollte auch Luther widerfahren. Denn er lehnte den Papst und seinen alleinigen Anspruch als Glaubensverkünder und Glaubenshüter ab. Er berief sich auf die Bibel als einzige Grundlage des wahren Glaubens. Da er seine theologischen Aussagen nicht widerrief, wurde er exkommuniziert, und das bedeutete Lebensgefahr. Dieser konnte er sich nur entziehen, weil ihm sein Landesherr den rettenden Aufenthalt auf der heute so berühmten Wartburg gewährte. Eine besonders interessante Facette seines widersprüchlichen Lebens ist die Heirat mit der einem Kloster entflohenen Nonne Katharina von Bora.



Eine Besucherin schlüpfte in die nachgeschneiderte Bekleidung der Frauen der damaligen Zeit. Und Frau Huss brachte das Kunststück fertig, auch diese spektakuläre Episode in Luthers Leben noch am Ende ihres großen Vortrags kurz, aber eindringlich, zu schildern.

Die Referentin bekam begeisterten Beifall für ihren faszinierenden Beitrag. Einige der Besucher(innen) bekannten, sie hätten von Luther noch nichts gewusst. Nun seien sie froh, dass sie einem so interessanten Vortrag zugehört hätten.

Ursula Koch