Sommerausflug

Kirchliche Pracht im Dekanat Dachau

Inhausen, Amperpettenbach und Haimhausen am 1. August 2018

Zwei kirchliche Kleinode im Landkreis Dachau waren wieder einmal die Attraktion des jährlichen Sommerausfluges der Senioren/innen von St. Jakob. Trotz des heißen Augusttages kamen alle angemeldeten 32 Teilnehmer zuverlässig, gut gelaunt, in bester Stimmung, und das freute die Organisatoren.


Das wunderschöne Kirchlein Maria Himmelfahrt im Weiler Inhausen bei Haimhausen war fast allen unbekannt. Von weitem schon beeindruckt der 45 m hohe schlanke, gotische Turm mit Spitzhelm. Die Kirche ist immer verschlossen, nicht, weil man Diebstahl, sondern weil man Vandalismus befürchtet. So lautet die Begründung der Verantwortlichen. Also holt man im Bauernhof nebenan, wie vereinbart, den großen Schlüssel, und schließt auf. Betritt der Besucher nun den gotischen Bau durch die alte Kirchentüre, so überrascht ihn der prachtvolle Innenraum. Und es stellt sich sofort die Frage: Warum ist diese kleine Landkirche so kostbar im Barock- und Rokoko-Stil ausgestattet?
Ihre Geschichte erklärt einiges: Der Bau wurde um 1450 begonnen, im 30-jährigen Krieg aber zerstört und im 17. Jh. neu ausgestattet. Im 15. Jh. begann eine Marienwallfahrt. Die Haimhausener Grafenfamilie Viehpeckh sorgte für die reiche Ausstattung der Pilgerkirche. Ihr Wappen mit dem Habsburger Doppeladler ist in der Kirche zweimal aufgehängt, weil ihr der Habsburger Kaiser den Titel „Reichsgrafen“ verliehen hatte. Der Kirche kam ein weiteres Privileg zugute. Sie ist ein „Benefizium“, eine Stiftung des bayerischen Herzogs Albrecht III. Dieser hatte eine tägliche Messe in der Kirche „auf ewige Zeiten für seine Vorfahren und Nachkommen“ veranlasst. Dazu stiftete er ein reichliches Vermögen, eine Wohltat, die bis heute besteht.
Was sind die wichtigsten Besonderheiten?


Das Wertvollste in der Kirche ist das großartige Deckenfresko im feinsten Rokoko-Stil. Georg Dieffenbrunner malte die Aufnahme Mariens in den Himmel. Maria kniet auf der Erdkugel, sie ist von Engeln umgeben, ein Engel schüttet aus einer Schale Rosenkränze und Medaillen als Gaben. In den Ecken des Freskos kann man phantasievoll bekleidete Menschen betrachten. Sie symbolisieren die damals bekannten Erdteile, also Europa, Asien, Amerika und Afrika.
Der Hochaltar ist besonders kostbar zu Ehren Marias gestaltet. Ein Relief aus 15 Silbertafeln mit Rosenkranzgeheimnissen umgibt eine feine Muttergottesstatue mit dem Jesuskind.
Großen Eindruck macht ein Gemälde der Hl. Familie am linken Seitenaltar. Wohl selten ist ein so junger, kraftvoller Josef dargestellt, der als Zimmermann sein wuchtiges Beil schwingt und energisch dreinschaut. So wird man ihm als Beschützer und Ernährer seiner Familie gerecht, ganz anders als die üblichen Darstellungen als alter oder nur frommer Mann. Da war sich die Besuchergruppe einig. Nachdem alle die schönen Heiligenfiguren, die Rokoko-Kanzel und die Rokoko-Orgel bewundert hatten, wurde gebetet und ein Marienlied gesungen.


Mittags speiste man im schattigen Garten der Tafernwirtschaft der Familie Hörger in Hohenbercha bei Fahrenzhausen. Vier Gerichte standen zur Auswahl, und diese schmeckten nach aller Auskunft köstlich. Da wird einfach gut gekocht. Nach der Mittagspause ging die Fahrt weiter zum Fair Handelshaus in Amperpettenbach. In dessen Filiale in der Dachauer Altstadt wird für die Veranstaltungen des Seniorennachmittags fair gehandelter Kaffee und Tee eingekauft. Dr. Markus Raschke, Chef des Handelshauses, hatte bei einer der Veranstaltungen bereits über das Prinzip des fairen Handels gesprochen. Er nahm sich die Zeit, die Besuchergruppe zu begrüßen. Man schaute sich um und kaufte tüchtig von den praktischen und schönen Dingen ein, die dort auf Lager sind.


Kirchenführerin Gabriele Kunz hatte es möglich gemacht, dass die Ausflügler die Schlosskapelle St. Salvator in Haimhausen besichtigen konnten. Denn gegenwärtig nutzt die Bavarian International School das von François de Cuvilliés für die Reichsgrafen von Haimhausen errichtete Rokokoschloss, und es ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Frau Kunz empfing unsere Gruppe am Schlosstor und führte uns in den Ostteil der Anlage mit der Kapelle. Sie erzählte die Geschichte des großartigen Baus und erklärte den stilvoll ausgestalteten hohen Kirchenraum. Zu erwähnen ist vor allem das künstlerisch bedeutende Deckenfresko des berühmten Augsburger Malers Johann Georg Bergmüller, der in diesem Gemälde das Erlösungswerk Christi verherrlicht. Christus, der St. Salvator mit dem Kreuz, errettet die Welt nach dem Sündenfall von Adam und Eva und deren Vertreibung aus dem Paradies. Er ist zurückgekehrt in den Himmel, in die Einheit der Trinität. Bemerkenswert ist die für die damalige Zeit verpönte Darstellung des Hl. Geistes als geflügelter junger Mann, und nicht wie üblich wie eine Taube. Im Hochaltar ist in der Nische eine barocke, überlebensgroße Figur des Geißelchristus aufgestellt. Sie wird als Hinweis auf die berühmte Wallfahrt in der Wies bei Steingaden gesehen. Das lichte Bauwerk gefällt auf Anhieb, aber noch mehr hatte die Besucher zuvor das Inhausener Dorfkirchlein beeindruckt.
Zur Kaffeestunde saß man in der idyllischen Schlossklause und ratschte noch einmal ausgiebig. Dann ging es zurück nach Dachau, im Simperl-Bus, der sicher von dem umsichtigen Busfahrer Armin gesteuert wurde. Allen gefiel der Ausflug mit dem Ziel, wieder einmal Unbekanntes in unserer Region zu entdecken. Und die Organisatoren waren froh, dass die Hitze niemandem zu sehr zugesetzt hatte.
Ursula Koch