Frankenfahrt

21. - 23. September 2018

Über Speinshart (Opf.) nach Königsberg in Bayern und Ebrach im Steigerwald

Ein Ausflug über ein ‚verlängertes‘ Wochenende stärkt den Zusammenhalt eines Chores. Darüber sind sich Chormitglieder, die dabei sind, immer einig. Man sitzt zusammen, ratscht, diskutiert, tauscht sich aus, lacht, und ist fröhlich. So gut gelaunt genießt man ein anspruchsvolles Besichtigungsprogramm mit Zielen, die den meisten fast immer neu sind.

Kirche Speinshart Klosterdorf

Zwei Klöster mit ganz unterschiedlichen Dimensionen hatten die Organisatoren dieses Mal ausgewählt. Auf der Hinfahrt machte man Halt in dem abgelegenen Klosterdorf Speinshart mit der reich im italienischen Barock- und Rokokostil ausgestalteten Marienkirche. Der überbordende Stuck, eine wunderschöne Madonna, umgeben von drei Rosenkränzen, und das originelle, in ‚bäuerlichem‘ Stil geschnitzte Chorgestühl fallen sofort auf. Die Klosteranlage wurde 1145 gestiftet. Prämonstratenser Chorherren aus dem Stift Wilten bei Innsbruck ließen sich dort nieder und übernahmen die Seelsorge für diese Region. Kriege, Brände, Wirren der Reformation und die Säkularisation bestimmten das traurige Schicksal des Klosters. Die Anlage verkam schließlich völlig. 1921 zogen böhmische Prämonstratenser Chorherren ein. In den renovierten Häusern mit kleinen Gärten davor wohnen Einheimische, und es gibt einen guten Gasthof. Chorherren halten Gottesdienste, und in der Abtei, einer internationalen Begegnungsstätte, finden das Jahr über Konzerte statt.

Salzmarkt in Königsberg Geburtshaus des Regiomontanus

In Königsberg in Bayern, einem kleinen Städtchen im unterfränkischen Landkreis Haßberge (zwischen Coburg und Schweinfurt) bezogen die Ausflügler komfortable Zimmer im stattlichen Hotel „Goldener Stern“ in der beschaulichen Altstadt. Schaute man aus dem Zimmer auf die wunderschönen Fachwerkhäuser, käme man sich vor wie in einem Bilderbuch, meinte eine Chorsängerin. Tags darauf erzählte unsere Gästeführerin, eine temperamentvolle Schulleiterin, Königsberger Geschichten zu den teils noch barocken, romantischen Gebäuden, in denen sich kleine Cafés und Künstlerateliers befinden. Sie stellte vor allem den berühmtesten Sohn des Ortes vor, den Mathematiker und Astronomen Regiomontanus. Dieser war so begabt gewesen, dass der Vater den erst 12 Jährigen an die Universität in Leipzig schickte. Nach einem leckeren Mittagessen mit regionalen Gerichten in der gemütlichen Herrenschänke gab es die Möglichkeit zu einer kleinen Rundfahrt in die Umgebung. Später spazierten alle in das Winzerdorf Unfinden mit seinen herrschaftlichen Fachwerkhäusern, die Ensembleschutz genießen. In einer der dortigen Häckerwirtschaften wurde es besonders lustig. Denn der Silvaner des Winzers fand großen Zuspruch, und das nicht nur wegen des günstigen Preises.

Stadtführung Im Schwarzen Adler in Unfinden


 
Im ehemaligen Zisterzienzer-Kloster Ebrach ist eine Justizvollzugsanstalt untergebracht. Aber trotzdem kann man die prächtigen barocken Gebäude der Klosteranlage und die im gotischen Stil errichtete Kirche bestaunen. Der Anlass für dieses Ziel ist eine kirchengeschichtliche Verbindung zu Dachau und Prittlbach. Die Gründung in Ebrach erfolgte 1127 vom heute nicht mehr existierenden Kloster Morimond in Frankreich. Otto, ein Abt in jener Zeit, wurde bedeutender Bischof von Freising, und er war der berühmteste Geschichtsschreiber des Mittelalters. Die neuen Volksaltäre in Mariä Himmelfahrt Dachau und in Prittlbach erhielten 2014 Reliquien dieses großen Mannes mit europäischer Bedeutung. Die Klostergebäude gleichen in der Anlage dem Schloss Pommersfelden und der Würzburger Residenz. Man erkennt sofort den Baumeister: Balthasar Neumann. Der Hauptbau besitzt ein prächtiges Treppenhaus und einen hohen, beeindruckenden Kaisersaal. Beide zeigen die Selbstüberschätzung der barocken Äbte, betonte der äußerst geschichtskundige Führer. Denn die Zisterzienser hätten wie Fürsten ihren Reichtum präsentiert und so ihr Gelübde der Armut missachtet. Auch im Inneren der Kirche sieht man das. Die ursprünglich schmucklosen Wände erhielten in der späten Barockzeit viel Stuck, der verschwenderisch mit Gold überzogen wurde.

 Prachttreppe  Kaisersaal  Kirche

Für den Kirchenchor ist der Besuch des sonntäglichen Gottesdienstes eine Selbstverständlichkeit. Und dieses Mal konnten alle eine außergewöhnliche Feier erleben, die ganz im Zeichen der Ökumene stand. Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. Denn Katholische und evangelische Christen aus 15 Gemeinden beteten und sangen aus vollem Herzen, ein Posaunenchor und eine Musikgruppe unterstützten sie mit festlichem Klang. Der evangelische Pfarrer appellierte in seiner Predigt leidenschaftlich, dass Christen in dieser, besonders für die Kirchen schwierigen Zeit, zusammenhalten müssten. Die Samen, die symbolisch ausgestreut wurden, sollten keimen, grünen und wachsen als Zeichen der Hoffnung auf ein Zusammenwachsen in der Ökumene. Nach dem Gottesdienst zogen die Besucher, geleitet von der örtlichen Blaskapelle, zum Mittagessen in ein großes Festzelt. Wir Dachauer und auch alle die Gäste waren tief beeindruckt und dankbar, dass wir bei der morgendlichen Feier dabei sein konnten. Es war der geistliche Höhepunkt der Chorreise.
Nach dem Mittagessen im Klostergasthof ging es zügig nach Hause. Zum Glück waren wir dem späteren schweren Unwetter entkommen.

Ursula Koch