„Sein Grab wird herrlich sein“

 

Nach der Karfreitagsliturgie und auch am Karsamstag nutzten viele Gläubige die Gelegenheit zu einem Besuch des Hl. Grabes. Dieses befindet sich seit vielen Jahren in einem kleinen, kühlen und abgedunkelten Raum unter der mächtigen Treppe, die zum Hauptportal unserer Kirche St. Jakob führt. Pfarrer Johannes Kanzler hatte in seiner Dachauer Zeit die Idee zur Verlegung aus der Kirche an diesen stillen Ort, der durchaus einem Felsengrab ähnelt. Zahlreiche bunte Lichter und Hortensien in den Farben weiß und rosa umrahmen eine Figur des Leichnams Jesu. Der mit 1,60 m fast lebensgroße Grabchristus stammt noch aus dem 18. Jahrhundert und besitzt Inkarnatfassung. d.h. die aufgemalte Haut soll das darunterliegende Fleisch hindurchscheinen lassen.

Was hat es aber mit diesem Brauch auf sich, und warum betreibt man einen derart großen Aufwand für nur zwei Tage? Bereits im 10. Jahrhundert wurden Heilige Gräber in den Kirchen errichtet. Man versuchte, die Grablegung Jesu - also eine Jesusfigur aufgebahrt in einer Höhle - darzustellen, um den Gläubigen eine Möglichkeit für Betrachtung und Gebet zu bieten. In den Kirchen wurden hierzu die Fenster mit schwarzen Tüchern verdunkelt. Im Vordergrund standen und steht die Trauer und Betroffenheit über den Kreuzestod Jesu. Wir Christinnen und Christen aber verbinden den Tod Jesu nicht nur mit Ende und Trauer, sondern auch mit der Hoffnung auf ewiges Leben. Deshalb werden die Gräber mit frischem grünen Buchs, bunten Frühlingsblumen oder einem Meer von Hortensien geschmückt. Die bunten Lichter als einzige Lichtquelle zeigen uns die Verbindung zwischen dem Dunkel des Grabes und dem strahlenden Licht des auferstandenen Heilands.
Text und Fotos: Wolfgang Müller