Wie ein Osterfest mitten im Sommer

 

  
Der Begriff „Maria Himmelfahrt“, der in der Umgangssprache gebräuchlich ist, drückt nur unvollständig und auch etwas missverständlich aus, was wir an diesem Tag feiern. Das „Hochfest Mariae Aufnahme in den Himmel“ – wie es offiziell heißt – ist ein Osterfest mitten im Sommer, eine direkte und konkrete Auswirkung von Ostern auf Maria und damit auf uns alle.
   
Gott hat am gekreuzigten und auferstandenen Heiland gezeigt, dass er größer ist als der Tod. Unser Sterben ist wie eine Metamorphose – eine Umgestaltung – in ein neues Leben. Deshalb schauen wir voller Hoffnung auf Maria, die in dieser Fülle des Lebens bei Gott angekommen ist.
   
Im Festgottesdienst am Hochfest Mariä Himmelfahrt in St. Jakob segnete Pfarrvikar Dr. Kellner die zahlreichen Kräuterbüschel, die vom mittlerweile bewährten Team zuvor liebevoll gebunden worden waren.
   

Dieser alte Brauch, der Kräutern und Gewürzen eine besondere Kraft verleihen soll, ist seit rund 1000 Jahren überliefert. Bei der Kräutersegnung werden die schützenden und heilenden Kräfte der Natur besonders hervorgehoben. Mit Hilfe der Gottesmutter sollen die Kräfte der Natur ganz besonders zugunsten der Menschen und Tiere wirken.
   
(Foto von der Nordseite der Empore unserer Pfarrkirche St. Jakob: Die Madonna "von der Sonne umkleidet, den Mond zu ihren Füßen" (Offb.12,1) in besonders ausgeprägtem Strahlenkranz. Das Werk entstand um 1920.)


Die gesegneten Kräuter dienen in den Häusern später auch als Zeichen, dass Gott den Gläubigen vieles schenkt und dass die Menschen unter seinem ganz besonderen Schutz stehen.

 
Meditation zu Mariae Himmelfahrt
von Pfarrer Reinhard Röhrner

In den offenen Fragen,
in den angefangenen Dingen,
in den angedachten Erkenntnissen,
in den vielen Brüchen des Lebens
sehne ich mich nach Ganzheit.

In der Vorläufigkeit der Entscheidungen,
in der Unsicherheit menschlichen Tuns,
in der Beliebigkeit des Willens,
in der Vergänglichkeit der Welt
sehne ich mich nach Endgültigkeit.

In der Hilflosigkeit des Alltags,
in der Gehässigkeit von Beziehungen,
in der Schnelligkeit des Lebens,
in der eigenen Ohnmacht,
sehne ich mich nach Vollendung.

Du schenkst Ganzheit,
endgültig und vollendet,
dem, der dir vertraut,
in deiner liebenden Ewigkeit.
 
 
Text und Fotos von Wolfgang Müller