Das Fest "Maria Königin"

Maria KöniginDer Festinhalt des gebotenen Gedenktags eine Woche nach „Mariä Himmelfahrt“, nämlich „Maria Königin“ am 22. August, ist die Krönung Mariens.

Mit der Vorstellung von der Krönung Marias verbindet sich seit dem 11. bzw. 12. Jahrhundert ihre Anrufung als "Königin", "Himmelskönigin" oder "Königin der Engel" – siehe z.B. in:

> Sei gegrüßt, o Königin (Salve Regina, 11. Jh.)
> Freu dich, du Himmelskönigin (Regina coeli, 12. Jh.)
> Maria, Himmelskönigin (Ave Regina caelorum, um 1100)
> O himmlische Frau Königin (Gotteslob 827)
> Ave, du Himmelskönigin (GL 666.2)
> O Himmelskönigin (GL 666.3)
> Salve! Maria Königin (GL 820)

Nicht wenige Theologen unserer Zeit aber verstehen Maria nach wie vor ganz wesentlich als das Urbild für den glaubenden Menschen generell. Demzufolge wird die Vorstellung von der Krönung Marias durch Christus bzw. durch den dreifaltigen Gott heute nicht mehr so sehr als eine exklusive Aussage über die Person Maria interpretiert, sondern als Hinweis darauf gesehen, dass alle wahrhaft Gläubigen vor Gott eine königliche Würde besitzen und daher in der kommenden Welt in "Throngemeinschaft" mit Gott leben dürfen.

Kirchenlehrer vermeiden seit einiger Zeit sogar die Benennung „Himmelskönigin“ für Maria und führten an dessen Stelle den Begriff „Königin des Alls“ ein: „Die unbefleckte Jungfrau … wurde mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen und als Königin des Alls vom Herrn erhöht, um vollkommener ihrem Sohn gleichgestaltet zu sein, dem Herrn der Herren und dem Sieger über Sünde und Tod.“ (Lumen Gentium, November 1964)

Dahinter stehen wohl zu einem gewissen Teil folgende zwei Überlegungen: Die Gläubigen sollten stets eingedenk sein, dass ihre Andacht nicht in romantische Schwärmerei entgleiten darf (wozu ein Teil der Menschheit schon seit vorchristlichen Urzeiten neigt), sondern dass aufrichtige Andacht nur aus wahrhaftem Glauben hervorgeht. Die Bezeichnung „Himmelskönigin“ ist außerdem negativ belastet seit einem Vorfall der Abwendung von Gott und der Hinwendung zu einem heidnischen Fruchtbarkeits- bzw. Feminismuskult, der im Alten Testament belegt ist (Jeremia 7,17-20 und Jeremia 44,15-19):

„Da antworteten alle Männer, die wussten, dass ihre Frauen anderen Göttern Räucheropfer darbrachten, und alle Frauen, die dabeistanden, eine große Schar, sowie alle, die im Land Ägypten und in Patros wohnten, dem Jeremia: Was das Wort betrifft, das du im Namen des HERRN zu uns gesprochen hast, so hören wir nicht auf dich. Vielmehr werden wir jedes Wort ausführen, das aus unserem Mund hervorgegangen ist: Wir werden der Himmelskönigin Räucheropfer darbringen, und ihr werden wir Trankopfer ausgießen, wie wir, unsere Väter, unsere Könige und unsere Großen in den Städten Judas und in den Straßen Jerusalems es getan haben. Damals hatten wir Brot genug; es ging uns gut, und wir haben kein Unheil gesehen. Seit wir aber aufgehört haben, der Himmelskönigin Räucheropfer darzubringen und ihr Trankopfer auszugießen, fehlt es uns an allem, und wir kommen durch Schwert und Hunger um. Wenn wir der Himmelskönigin Räucheropfer darbringen und ihr Trankopfer ausgießen: Geschieht es denn ohne unsere Männer, dass wir für sie Opferkuchen mit ihrem Bild zubereiten und ihr Trankopfer ausgießen?“

Der Begriff „Himmelskönigin“ kommt in der gesamten „Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift“ überhaupt nur in den beiden Jeremiakapiteln vor.
D.R.