Das Fest "Maria Königin"

Maria KöniginDer Festinhalt des gebotenen Gedenktags eine Woche nach „Mariä Himmelfahrt“, nämlich „Maria Königin“ am 22. August, ist die Krönung Mariens.

Mit der Vorstellung von der Krönung Marias verbindet sich seit dem 11. bzw. 12. Jahrhundert ihre Anrufung als "Königin", "Himmelskönigin" oder "Königin der Engel" – siehe in:

> Sei gegrüßt, o Königin (Salve Regina, 11. Jh., GL 570/571)
> Freu dich, du Himmelskönigin (Regina coeli, 12. Jh., GL 576)
> Maria, Himmelskönigin (Ave Regina caelorum, um 1100, GL 579)

Nicht wenige Theologen unserer Zeit aber verstehen Maria nach wie vor ganz wesentlich als das Urbild für den glaubenden Menschen generell. Demzufolge wird die Vorstellung von der Krönung Marias durch Christus bzw. durch den dreifaltigen Gott heute nicht mehr so sehr als eine exklusive Aussage über die Person Maria interpretiert, sondern als Hinweis darauf gesehen, dass alle wahrhaft Gläubigen vor Gott eine königliche Würde besitzen und daher in der kommenden Welt in "Throngemeinschaft" mit Gott leben dürfen.

Kirchenlehrer vermeiden seit einiger Zeit sogar die Benennung „Himmelskönigin“ für Maria und führten an dessen Stelle den Begriff „Königin des Alls“ ein: „Die unbefleckte Jungfrau … wurde mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen und als Königin des Alls vom Herrn erhöht, um vollkommener ihrem Sohn gleichgestaltet zu sein, dem Herrn der Herren und dem Sieger über Sünde und Tod.“ (Lumen Gentium, November 1964)

Dahinter stehen wohl zu einem gewissen Teil folgende zwei Überlegungen: Die Gläubigen sollten stets eingedenk sein, dass ihre Andacht nicht in romantische Schwärmerei entgleiten darf (wozu ein Teil der Menschheit schon seit vorchristlichen Urzeiten neigt), sondern dass aufrichtige Andacht nur aus wahrhaftem Glauben hervorgeht. Die Bezeichnung „Himmelskönigin“ ist außerdem negativ belastet seit einem Vorfall der Abwendung von Gott und der Hinwendung zu einem heidnischen Fruchtbarkeits- bzw. Feminismuskult, der im Alten Testament belegt ist (Jer7,17-20 und Jer44,16-18):

„Wir werden der Himmelskönigin Rauchopfer und Trankopfer darbringen, wie wir, unsere Väter, unsere Könige und unsere Großen in den Städten Judas und in den Straßen Jerusalems es getan haben. Damals hatten wir Brot genug; es ging uns gut und wir litten keine Not. Seit wir aber aufgehört haben, der Himmelskönigin Rauchopfer und Trankopfer darzubringen, fehlt es uns an allem und wir kommen durch Schwert und Hunger um.“

Der Begriff „Himmelskönigin“ kommt in der gesamten „Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift“ überhaupt nur in diesen beiden Jeremiakapiteln vor.
D.R.