Das Pfarrfest 2011 der Mitterndorfer


 Pfarrfest in MitterndorfPfarrfest in Mitterndorf

Das Mitterndorfer Pfarrfest fiel heuer auf den 10. Jahrestag der Terroranschläge vom 11.09. in den USA. Dieser Umstand, aber auch die für den 24. Sonntag im Jahreskreis vorgeschriebenen Lesungstexte bestimmten inhaltlich den Gottesdienst um 10 Uhr, den Dekan Wolfgang Borm, Diakon Günter Gerhardinger (Evangelium) und Pastoralreferentin Susanne Deininger (Fürbitten) mit der Festgemeinde feierten. Der Mitterndorfer Kirchenchor gab der Eucharistiefeier mit seinen vierstimmigen Messgesängen einen würdigen, wohltuenden Rahmen. Chorleiter und Organist war Martin Konicsek.
 
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Schon in der Einführung klang das Leitthema an: „ … In den Lesungstexten des heutigen Tages ist von Vergebung die Rede, von Vergebung, die erst einmal eingefordert wird, die gern erwartet wird. Aber ist Vergebung immer so leicht? In diesen Tagen ist immer wieder die Rede vom Jahrestag des Terroranschlags am 11.09.2011 auf das World Trade Center in New York, das durch Flugzeuge, von Terroristen geleitet, zum Einsturz gebracht wurde. Ist das ein Ereignis, bei dem der Gedanke an Vergebung völlig absurd ist? Wir werden auf jeden Fall damit konfrontiert – mit dem einen und mit dem anderen. Wir sind heute hier und feiern Gottesdienst. Bitten wir den Herrn, dass er uns in der rechten Weise führt und ergreift. Bitten wir ihn um sein Erbarmen.“

In der Lesung aus dem Buch Jesus Sirach (Sir 27,30; 28,1-7) heißt es: „Groll und Zorn, auch diese sind abscheulich, nur der Sünder hält daran fest. Wer sich rächt, an dem rächt sich der Herr; dessen Sünden behält er im Gedächtnis. Vergib deinem Nächsten das Unrecht, dann werden dir, wenn du betest, auch deine Sünden vergeben…“
 
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Im Evangelium nach Matthäus (Mt 18,21-35) richtet Petrus an Jesus die Frage: „Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal…“ In seiner Predigt ging Dekan Borm zunächst der Frage nach, was der Einzelne aus dem Matthäustext für sich folgern kann. „Was halte ich eigentlich davon, von dem was da geschehen ist, von dem was da gesagt wurde, von dem, was da gespielt wird? Wo schlägt mein Herz in dieser Frage?“

Dann kam er auf die Ereignisse vor 10 Jahren in den USA zurück, als „die ganze Welt unglaublich erschrocken“ ist. Die Folgen waren verheerend: rund 3000 Tote in den USA. Und die Kriege in Afghanistan und im Irak, in denen seither unzählige Menschen ihr Leben verloren haben, sind auch mit eine Folge davon. War der permanente zehnjährige Antiterrorkampf – so, wie er geführt wurde – richtig? War er falsch? Ist es völlig naiv, wenn die Aussage des heutigen Evangeliums, in dem von Vergebung die Rede ist, auf dieses Ereignis hin betrachtet wird? Zeigt sich nicht gerade hier, dass Vergebung auch ihre Grenzen hat? Wo schlägt mein Herz in dieser Frage?
 
Pfarrfest in Mitterndorf

Borm erinnerte an ein weiteres historisches Ereignis, an den Hirtenbrief der polnischen Bischöfe vor 46 Jahren an ihre deutschen Amtsbrüder im November 1965. Die polnischen Bischöfe rekapitulierten eine Reihe von historischen Ereignissen aus polnischer Sicht und formulierten angesichts der Millionen Toten und Vertriebenen auf beiden Seiten infolge des Zweiten Weltkriegs den berühmten Satz: „Wir gewähren Vergebung und bitten um Vergebung“. Dies war einer der ersten Schritte zur Versöhnung zwischen Deutschen und Polen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Der Brief löste damals auf beiden Seiten neben Begeisterung auch viel Empörung aus. Wie kann man „dem Feind“ vergeben? Wie kann man „den Feind“ um Vergebung bitten? Die deutschen Bischöfe antworteten wenige Tage später: „Mit brüderlicher Ehrfurcht ergreifen wir die dargebotenen Hände. Der Gott des Friedens gewähre uns auf die Fürbitte der ‚regina pacis‘, dass niemals wieder der Ungeist des Hasses unsere Hände trenne!“ An den Schluss der Predigt stellte Pfarrer Borm einen Satz von Martin Luther King: „Vergebung ist keine einmalige Sache, Vergebung ist ein Lebensstil.“
 
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Das anschließende Beisammensein unter freiem Himmel bei herrlichstem Sommerwetter war bestimmt durch heitere Gespräche und wurde begleitet von liebevoll angerichteten Speisen, einem reichhaltigen Angebot an gepflegten Getränken und von fabelhaftem Vergnügen beim Spielen und Kegeln. Die zahlreichen umsichtigen, fleißigen und engagierten Helferinnen und Helfer verdienen großes Lob!
 
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Pfarrfest in Mitterndorf
 
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D.R.