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Foto: Erwin Kopf
 
 
19. Orgelkonzert
Sonntag, 25. November 2018, 17.00 Uhr
Kirchenmusikdirektor Andreas Schmidt, Nürnberg
Werke von Nicolas de Grigny, Johann Sebastian Bach und Max Reger
Eintritt frei


Nicolas de Grigny, 1672 - 1703
Hymnus «Veni Creator Spiritus»
  • Hymnus en taille á 5
  • Fugue á 5
  • Duo
  • Récit de Cromorne
  • Dialogue sur les grands jeux

Max Reger, 1873 - 1916
Stücke aus op. 65
  • Praeludium d-Moll
  • Fuge D-Dur
  • Canzone Es-Dur
  • Scherzo d-Moll

Johann Sebastian Bach, 1685 – 1750
Orgelchoral „Schmücke dich, o liebe Seele“, BWV 654

Toccata und Fuge in F-Dur, BWV 540


Im Frankreich des 17. und 18. Jahrhunderts hat sich eine bedeutende nationale Orgeltradition herausgebildet, die sich von der Entwicklung in Deutschland bis heute in vielerlei Hinsicht unterscheidet. Bedingt durch die Notwendigkeit, große Kathedralräume klanglich zu füllen, besaßen bereits kleine Instrumente eine beeindruckende Kraft. Das Pedal hatte in der Regel keine Bassfunktion, sondern diente zum Darstellung eines Cantus firmus.

Die charakteristischen Formen dieser klassischen französischen Tradition führt Nicolas de Grigny in seinem Hymnus «Veni Creator» beispielhaft vor. Das einleitende Stück erklingt als Plein jeu im vollen Werk. Der Zusatz „en taille á 5“ im Titel zeigt an, dass die Hymnusmelodie als fünfte Stimme vom Pedal in Tenorlage zu spielen ist. In der Fuge übernehmen beide Hände auf verschiedenen Manualen jeweils zwei Stimmen. Es folgt eine heitere Gigue, darauf ein gesangliches Zungenstimmen-Solo. Den Abschluss bildet ein glänzender Satz, der die Werke der Orgel in einen Dialog treten lässt.

Für eine angemessene Darstellung der Musik de Grignys ist eine bloße Wiedergabe des Notentextes nicht ausreichend. Zusätzlich notwendig ist das Wissen um die zeitgenössischen Interpretationsregeln. So sind aufeinander folgende, gleichlang notierte Töne unter bestimmten Bedingungen ungleich zu nehmen. Erst diese sogenannte «Inégalité» verleiht der Musik ihren Zauber und ihre Leichtigkeit.

Der junge Johann Sebastian Bach hat die Orgelwerke von Nicolas de Grigny eigenhändig abgeschrieben, um die Kompositionsweise des Meisters zu studieren. An diesem Umstand wird eine interessante Querverbindung zwischen der französischen und der deutschen Orgeltradition sichtbar.

Max Reger ist der bedeutendste Komponist von Orgelmusik in Deutschland an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Seine großen Fantasien und Sonaten werden häufig gespielt. Bei allem künstlerischen Rang haben diese Großwerke jedoch eine Tendenz, jedes Maß zu sprengen. Die in diesem Konzert erklingenden Stücke aus op. 65 sind eher unbekannt. Neben Originalität und emotionaler Tiefe zeigen sie das gediegene, an Bach geschulte kontrapunktische Können Regers.

Das Präludium verarbeitet in freier Form zwei kontrastierende Themen und führt sie in einer großen Steigerung zu einem triumphalen Ende. Die Fuge erinnert in ihrer heiteren, kapriziösen Stimmung an die große D-Dur Fuge von Bach. Die Canzone ist ein kontemplativer Sologesang, der durch einen bewegten Mittelteil unterbrochen wird. Am Schluss steht ein Scherzo, das auf engem Raum starke Kontraste bietet und mit unerwarteten, teils skurrilen Wendungen überrascht.

Der Orgelchoral „Schmücke dich, o liebe Seele“ ist ein von eucharistischer Mystik durchzogenes Werk. Der zugrunde liegende Text widmet sich der wundersamen Gegenwart Christi im Sakrament:

Schmücke dich, o liebe Seele, / lass die dunkle Sündenhöhle, / komm ans helle Licht gegangen, / fange herrlich an zu prangen! / Denn der Herr voll Heil und Gnaden / will dich jetzt zu Gaste laden; / der den Himmel kann verwalten, / will jetzt Herberg in dir halten. (Johann Franck 1646)

Bachs Vertonung hat die Form eines höfischen Schreittanzes, einer Sarabande. Vor dem Hintergrund des Liedtextes wird daraus ein Hochzeitstanz von Christus und menschlicher Seele, dargestellt durch die Einzelstimmen des Satzes. Beide umkreisen sich, mal gleichzeitig voranschreitend, mal einander folgend. Über allem schwebt in großen Notenwerten der Cantus firmus.

Bach muss diesen Choral sehr geschätzt haben. Wie eine Unterschrift trägt er seinen Namen verschlüsselt in die Noten ein. Die Melodiestimme besteht aus 196 = 14x14 Tönen. Im Zahlenalphabet ist die Zahl 14 die Summe der Buchstaben BACH. Die Gesamtlänge umfasst 129 oder 3x43 Takte. Dabei ist 43 die Zahlencodierung des Wortes CREDO (lat. „Ich glaube“).

Auch Felix Mendelssohn Bartholdy empfand eine besondere Wertschätzung für dieses Werk. Und Robert Schumann schreibt:

„Um den Cantus firmus hingen vergoldete Blättergewinde, und eine Seligkeit war dareingegossen, dass Du (gemeint ist Mendelssohn, Anm. d. Verf.) mir selbst gestandest, wenn das Leben Dir Hoffnung und Glaube genommen, so würde Dir dieser einzige Choral alles von neuem bringen.“

Im Rahmen der Bach-Renaissance des 19. Jahrhunderts erlangte das Stück Bedeutung, als Mendelssohn es im August 1840 anlässlich seines Benefizkonzerts zugunsten eines Bach-Denkmals in der Leipziger Thomaskirche spielte.

Toccata und Fuge F-Dur gehören zu Bachs brillantesten Werken. Eine klassische Beschreibung der Toccata, in der zugleich die Begeisterung über dieses Werk zum Ausdruck kommt, stammt von dem Organologen Hermann Keller:

„Welche Fülle des Reichtums breitet dieses königliche Werk vor uns aus: die weitgespannten Linienzüge der beiden kanonisch geführten Stimmen zu Anfang, die stolze Ruhe der Pedalsoli, die scharfen Akkordschläge, der feurige Aufschwung des zweiten Themas, die kühnen modulatorischen Rückungen, die Innerlichkeit der drei Mollsätze, die Großartigkeit des Schlusses mit dem berühmten Sekundakkord auf Ces, wen sollte das nicht begeistern?“

Die Fuge ist eines der seltenen Beispiele einer echten Doppelfuge. Die beiden Themen werden in eigenen Abschnitten einzeln vorgestellt und verarbeitet, ehe sie in unterschiedlichen Kombinationen gleichzeitig erscheinen. Das zweite Fugenthema weist eine Verwandtschaft mit dem Beginn der Toccata auf. Auf diese Weise entsteht eine inhaltliche Klammer zwischen den beiden Teilen des Werks.
Andreas Schmidt  

Andreas Schmidt, geboren in Niedersachsen, hat Kirchenmusik in Bayreuth studiert. Zu seinen Lehrern zählen Torsten Laux und Thomas Rothert. Seine Ausbildung als Organist vervollständigte er auf Meisterkursen und durch Privatstudien bei Günter Kaunzinger und Edgar Krapp. Er ist Referent für Kirchenmusik beim Gottesdienst-Institut Nürnberg. Daneben ist er als Kantor und Dozent an der Augustana (Theologische Hochschule der Evangelisch-Lutherischen Kirche Bayern) in Neuendettelsau tätig.
 
 

20. Orgelkonzert bei Kerzenschein

Sonntag, 16. Dezember 2018, 17.00 Uhr
Christoph Hauser, Fürstenfeldbruck
Eintritt frei
 
 
 Foto: Dieter Reinke
 
Weihnachtskonzert
Samstag, 29. Dezember 2018, 19.00 Uhr
Dachauer Kammerchor
Bläserensemble „Consorzio Brassivo“

Eintritt frei
 

 
 
Das „Requiem in d-Moll“ (KV 626) für Soli, Chor und Orchester
zählt zu den großartigsten, mystischsten und ergreifendsten Werken von Wolfgang Amadeus Mozart. Der sterbenskranke Mozart hatte die legendäre Totenmesse 1791 zwar nicht für sich, aber wohl schon in Todesahnung geschrieben.
   

   
Wann immer seit seiner Kindheit er die Musik Mozarts höre, nehme er im Herzen wahr, dass ihn ein Strahl der Schönheit des Himmels berühre. Und diesen Eindruck habe er auch empfunden, als er soeben dieser großen, dramatischen aber auch heiteren Betrachtung über den Tod zuhörte. Mit diesen Worten bedankte sich der vormalige Papst Benedikt XVI. unlängst bei den Musikern, die ihm zu Ehren in Castel Gandolfo das d-Moll-Requiem aufgeführt hatten. Und weiter: Das Werk verschweige die tragischen Aspekte des menschlichen Daseins nicht, bestärke aber das Bewusstsein, dass das ganze Leben des Menschen von der Liebe Gottes erleuchtet werde.
Am 10. November 2018 wurde das Meisterwerk nun in unserer Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt erstklassig dargeboten. Der grandiose Dachauer Kammerchor und das Ensemble Stross traten hier gemeinsam mit den Solisten Monika Klamm (Sopran), Jutta Neumann (Alt), Bernhard Schneider (Tenor), Matthias Lika (Bass) und Angela Metzger (an der Orgel) auf. Die zugleich feinfühlige wie souveräne Leitung lag in den Händen - und im Herzen - von Christiane Höft. Das merklich beeindruckte Publikum dankte den hervorragenden Künstlern mit lang anhaltendem, begeisterten Applaus.
 
 
Bei allen Konzerten außer am 20.10. und 10.11.2018 ist der Eintritt frei - Spenden sind willkommen.
Vorverkauf: Marienapotheke Dachau-Süd, Frühlingsapotheke am Bahnhof, Trachtenmode Schiela (Altstadt)
 
Rückblick auf das 1. Orgelkonzert von Prof. Karl Maureen, München, vom 25. Oktober 2015  
 
Rückblick auf das 4. Orgelkonzert von Peter Kofler, München, vom 30. Januar 2016  
 
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