Integrativer Gottesdienst mit Gebärdensprache

 
Am 2. Advent hat der gesamte Pfarrverband einen gemeinsamen Gottesdienst in Gebärdensprache in seiner Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt gefeiert. Ähnliche Feiern fanden und finden in diesen Tagen auch in München (St. Elisabeth), Bad Reichenhall (St. Ägidius), Rosenheim (Christkönig), Bad Tölz (Mühlfeldkirche), Altenerding (Mariä Himmelfahrt) und München (Hl. Blut) statt.


 
Neben Pfarrer Wolfgang Borm, Diakon Günter Gerhardinger und Pastoralreferentin Karin Heimann waren bei unserer Eucharistiefeier die beiden Gemeindereferentinnen von der Behindertenseelsorge, nämlich Elfriede Müller und Angelika Sterr, wichtige „Akteure“. Frau Sterr dolmetschte alle gesprochenen Texte synchron in Gebärdensprache. Und Frau Müller verwandelte die Kirche in eine Wüstenlandschaft mit Jordanfluss sowie den Text des Evangeliums in eine Spielszene für eine großartige Schauspieltruppe.



Hörgeschädigte fühlen sich nicht als „Behinderte“. Sie sind zwar benachteiligt, weil ihnen ein wichtiges Mittel zur Kommunikation nicht zur Verfügung steht. Aber es liegt an uns, es liegt an allen Mitmenschen, denen sämtliche Kommunikationswege geschenkt sind und offen stehen, Rücksicht zu nehmen. Dann nämlich brauchen sich Hörgeschädigte nicht als ausgegrenzt, nicht als „behindert“ und schon gar nicht als „ausgeschlossen“ zu fühlen.
 

Der Gebärdenchor „Regenbogen“ gestaltete alle Lieder in diesem Gottesdienst mit. Gemeindereferentin Angelika Sterr leitet die Gruppe, in der fünf Frauen ohne Stimme „singen“. Die Texte der Lieder werden von den Frauen selbst für die Gebärdensprache umformuliert, denn die Sätze in Gebärdensprache folgen einer eigenen Grammatik. Das sieht dann im Ergebnis so aus:
 
Originaltext:
Macht hoch die Tür, die Tor macht weit;
es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich,
ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Leben mit sich bringt;
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Schöpfer reich von Rat.

Gebärden dazu:
Macht hoch Tür – Tor macht weit.
Bald kommt Jesus, unser Erlöser,
König aller Königreiche,
Herr aller Welt.
Heil und Leben bringt von oben.
Darum jauchzen – Freude geben.
Gelobt mein Gott,
Mein Schöpfer immer helfen.
 

Natürlich wirken die Worte für uns im direkten Vergleich armselig gegenüber dem Dichtertext aus dem 17. Jahrhundert. Aber mit den Händen, mit der Mimik und mit der Gestik des Chors entfalten sie doch für die Augen eine ganz eigentümliche, ganz reizvolle Gebärdenpoesie. Und wir müssen die Chormitglieder gar nicht bedauern, weil sie etwa den poetischen Stil des Originals nicht genießen können. Ihre Welt beschränkt sich ja gar nicht auf den Horizont dieser dürftigen Übersetzung, denn sie haben den Originaltext schließlich zuerst selbst vor Augen gehabt und nachgelesen.
 
 

Bilder von der Probe zu den Spielszenen finden Sie mit einem Klick   h i e r .
 
 
 

D.R.