Kirchenführung mit Ludwig Grain in Etzenhausen

 

Im Jahr 1315 wird die Kirche in der Konradinischen Matrikel als Filialkirche von St. Jakob in Dachau geführt. Es ist aber lt. einer Urkunde des damaligen Freisinger Bischofs gut möglich, dass Etzenhausen schon im Jahr 804 eine kleine Kirche besaß und sogar die „Urpfarrei“ von Dachau gewesen ist. Eine neue Kirche wurde in gotischer Zeit (ca. 1500) erbaut. Davon sind noch der Sattelturm und der Chor vorhanden. Das Patrozinium 'St. Laurentius' ist in einer Matrikel von 1524 beurkundet.
 

Ludwig Grain, als Kirchenpfleger seit 10 Jahren mit allen wichtigen Details des Bauwerks und seiner Kunst-gegenstände bestens vertraut, hielt einen wunderbar lebendigen, anschaulichen Vortrag. Dessen waren sich die Besucher offenbar auch schon vorweg völlig sicher, denn in der Reihe der Kirchenführungen im jungen Pfarr-verband Dachau-St.Jakob war dies die am besten besuchte bisher. Viele Interessierte mussten sich hier am 15. April 2012 mit Stehplätzen zufrieden geben.
 

Herr Grain beschrieb nicht nur die Kunstwerke, er konnte auch über die Dachauer Handwerker und Künstler kundig Auskunft geben - besonders hierbei natürlich über den legendären Huber-Clan. Und er wusste über zeitgeschichtliche Hintergründe manches Anekdotische zu berichten. Sogar über das Schicksal der Glocken wusste er gut Bescheid (sie wurden immer wieder zu Kriegszeiten zu Kanonen eingeschmolzen), und er konnte alte Fotos dazu vorlegen. Die abgerissene Kanzel, auf die der Priester nur über eine vom Mesner gehaltene Leiter gelangen konnte, und das mittlerweile übertünchte Fresko, das auf der Wand dahinter zum Vorschein kam, schilderte er ebenfalls ganz detailliert.
 

Wer hinter den Hochaltar schaute - einen Volksaltar gibt es bis heute zur Freude der alten Etzenhausener nicht - konnte die hier dargestellte Tafel mit der aufschlussreichen Inschrift entdecken:
 

Er musste aber desillusioniert auch zur Kenntnis nehmen, dass ein Kunstwerk manchmal nur "von vorne" perfekt ausschaut (siehe Foto unten links), während die Rückseite aus praktischen Gründen recht prosaisch wirkt (Foto unten rechts).  Es handelt sich selbstverständlich in beiden Fällen um die Darstellung der Hl. Katharina von Alexandria, Märtyrerin und Nothelferin.
 

Im Rahmen des Vortrags war reichlich Gelegenheit, die Figuren, welche man ja meistens nur aus einiger Entfernung erblickt, einmal hautnah "unter die Lupe" zu nehmen. Zum Beispiel auf dem linken Seitenaltar die Figurengruppe "Anna selbdritt": Anna, Mutter der Gottesmutter Maria, hält sowohl Maria (von uns aus: rechts) als auch das Jesuskind (für uns: links) auf ihrem Schoß.
 

Selbst über die Register der Orgel, über die Anzahl der Pfeifen und über Christian Maria Hubers Gestaltung des Orgelprospekts und der Emporenbrüstung blieb Herr Grain keine einzige Antwort schuldig.


 
 
Eine ganze Reihe von Besuchern konnten sich noch lange nach Ende der Führung nicht zum Aufbruch entschlie-
ßen. Die Etzenhausener lieben ihr Kleinod, ihre Filialkirche St. Laurentius, einfach zu sehr.
 

Bildbericht: Dieter Reinke