Die Stationengottesdienste in der Osterzeit - "Statio" 3: Nachgespräch mit Sr. M. Bernadette Neumann

Wir schauen auf zu Jesus Christ, zu ihm, der unsre Hoffnung ist.
Wir sind die Glieder, er das Haupt; erlöst ist, wer an Christus glaubt.
(Gotteslob 220)

Sr. M. Bernadette Neumann, Franziskanerin von Schönbrunn, predigte am 27.04. im 3. Stationengottesdienst unseres Pfarrverbands. Schwester Bernadette hatte zunächst als Bankkauffrau gearbeitet, dann aber erkannt, dass ihr Leben so keinen tieferen Sinn gewann. Sie entdeckte den Sinn in der Begegnung mit dem liebevollen DU Gottes. Eine Beziehung zu Gott lässt sich ihrer Erfahrung nach nicht „en passant“ und auch nur in Gemeinschaft mit Gleichgesinnten leben. Durch positive Gemeinschaftserfahrungen mit anderen Gläubigen verfestigte sich der Wunsch, Ordensfrau zu werden.
 

Die Predigttexte von allen vier Stationengottesdiensten finden Sie, wenn Sie dem Link in diesem Satz folgen. Hier - auf dieser Seite - finden Sie Ausschnitte aus dem Nachgespräch nach der dritten Statio mit Sr. M. Bernadette Neumann. Es sind Zitate aus Wortmeldungen der Gottesdienst- und Gesprächsteilnehmer.

• Was ich wirklich beeindruckend fand, das war das strahlende Lächeln der Predigerin …

• Da wird die Hoffnung gleich sichtbar.

• Ja, ich hab‘ wirklich zu viele Prediger erlebt, die die tollsten Dinge vorgetragen haben, aber mit todernster Miene und mit Leichenbittergesicht.

• Das war so ansteckend, dass man gleich selber in den Orden eintreten würde, wenn es da nicht diese starren, uralten Regeln gäbe.

• Es gäbe eigentlich sooo viele Gründe, nicht in den Orden einzutreten. Warum dann doch? Dass Sie diese Kurve gebracht haben, das fand ich gut.

• So begeistert zu sein.

• Das ist das Begeisternde, dass trotz der vielen Schwierigkeiten, die die Kirche von Anfang an bis heute hat, Gott sie erhalten hat.

• Wenn ich den ersten Teil der Predigt hernehme: da hat man schon den Eindruck, dass der Heilige Geist öfter mal auf Urlaub ist. Nicht dass es IHN nicht gibt, aber man vermisst IHN von Zeit zu Zeit.
 

• Dass der Heilige Geist unsere Hoffnung ist, das habe ich vorher eigentlich noch nie so gesehen. Das macht mich auch froh jetzt eigentlich. ER ist immer ein bisschen „zu kurz gekommen“.

• ER droht immer ein bisschen „hinten runterzufallen“, bei dem, was wir tun. Aber nicht, weil ER nicht so wichtig wäre, sondern weil die beiden anderen – salopp gesagt – ein bisschen davor stehen. Eine spannende Frage ist: Was ist jetzt dieser Heilige Geist, der diese Kraft gibt? Und das ist für mich eine nicht so ganz einfache Frage. Da musste ich ganz unwillkürlich an unsere Firmlinge denken, mit denen wir vorige Woche zusammengesessen sind und händeringend versucht haben zu erklären, wer denn dieser Heilige Geist ist. ER ist sozusagen immer „doppelt beheimatet“: ER ist gleichzeitig Teil Gottes und nimmt da – wie wir im Evangelium gehört haben – ganz klar seinen Ursprung, und ist / aber ist auch irgendwie Teil von uns, steckt in uns und ermöglicht also all das. Vielleicht kann ER uns deswegen diese Kraft geben.

• Mich stört es immer ein bisschen, wenn der Heilige Geist so als schwebendes Irgendwie … oder noch schlimmer, wenn ER als Taube dargestellt wird. Das steht überhaupt nirgends. ER schwebt runter wie eine Taube, nicht  als Taube. Das ist ein alter Fehler. Und es ist ein Riesenunterschied. Aber wenn man es konkret macht, wenn ich sage: dieser Heilige Geist ist meine Gottesbeziehung (nicht nur meine, aber auch meine), dann wird das Ganze sehr konkret fassbar, und dann kann man das sehr gut da hineinlegen. Und das stimmt ja. Das ist die Beziehung von oben nach unten, wenn man es so will. Und von unten nach oben.

• Der Heilige Geist ist das Bindeglied zwischen Gott und Mensch.

• Der Heilige Geist kann eigentlich dort nur wirken, wo auch die Menschen wollen.

• Und vielleicht kann er nur deswegen Kraft geben, weil er es den Menschen freilässt. Eine Kraft, die mich zwingt, von der Kraft habe ich nichts.
 

• Wenn wir so vieles gehört und gesehen haben, wo der Heilige Geist nicht da ist oder „auf Urlaub“ ist, dann sollten wir nicht nur auf das ausbleibende Gute schauen, sondern fragen: Wo ist ER denn? Denn man sucht IHN vielleicht grad an der falschen Stelle. Wo wirkt ER denn? Auch in der Kirche wirkt ER ja. Vielleicht wirkt ER ja nicht gerade so, wie wir es uns vorstellen. Aber irgendwie letztlich doch.

• Das grenzt an einen ganz gefährlichen Aspekt. Wenn wir mal schauen, wie oft wir Gaben oder Begabungen nicht aufgreifen, weil sie nicht ins bestehende Konzept passen. Das ist die Frage, ob wir uns nicht manchmal am Heiligen Geist versündigen. Dass wir einerseits um IHN beten, aber wenn ER uns was sagt, dann passt es uns nicht in den Kram. Und dann sollen wir so lange beten, bis IHM endlich einfällt, was uns in den Kram passt? Muss es erst einen Krieg geben, das heißt erst den Zusammenbruch von allem, weil erst dann wieder die Leute in der allerletzten Verzweiflung nach jedem Strohhalm greifen?

• Ich warne vor der Vereinfachung, das kam so ein bisschen durch: „Gott schreibt auch auf krummen Zeilen gerade.“ Das ist ein ganz beliebtes Wort. Ich tu mich damit schwer. Wenn ich in der Zeitung lese, da sind irgendwo kleine Kinder verhungert oder etwas dergleichen — so etwas schreibt sich nicht „gerade“. Sondern da passiert etwas, was einfach nicht gut ist. Ich würde dann auf der Linie konsequent weiterdenken. Wenn dieser Geist tatsächlich vom guten Willen auch des betreffenden Menschen abhängt, dann geht’s auch mal richtig daneben. Und dann muss man auch dazu stehen, dass es mal richtig daneben ist, und sich nicht in die Ausfluchtecke verdrücken. Es kann daneben-gehen, und es geht auch daneben.
 

• Die Wahrheit tut manchmal weh. Es ist nicht alles gut. Und es passiert auch was, was nicht sein darf. Sie haben gesagt: wenn ein Kind verhungert zum Beispiel. Wenn ich an die Kinder und Jugendlichen denke, die letztes Jahr durch die Schlagzeilen gegangen sind nach Übergriffen durch Priester und Ordensleute, die eine ganz andere Zukunft haben, als sie sich das früher gedacht hatten… Das ist nicht gut. Und dann zu sagen: „Da schreibt Gott auf krummen Zeilen gerade“ – nein. Das ist eine Beschönigung der Situation, die man nicht haben kann. Das unterschreibe ich Ihnen sofort. Aber es menschelt. Das ist das Wirken von Menschen, nicht von Gott. Auch nicht vom Heiligen Geist. Doch auch aus diesen kaputten Jugendlichen und auch aus diesen kranken Tätern bzw. verbrecherischen Menschen kann Gott dann trotz dieser Katastrophe, wenn der Mensch es zulässt, wieder etwas Positives draus machen. Er kann immer noch Zukunft schenken demjenigen, dem es passiert ist, und dem, der es bewirkt hat. […]

• Ich möchte noch einen Aspekt einbringen: es gibt ja auch diese Metapher von der Flamme für den Heiligen Geist. Und es gibt das berühmte Pfingstwunder. Über den Heiligen Geist kommt Verständnis in die Welt. Das ist eigentlich das Gegenwunder zu Babylon, wo sich die Menschen dann nicht mehr verstehen. Ich glaube, das wäre auch so ein Hoffnungsträger. Wenn ich den Heiligen Geist zulasse, er gibt mir Mut, er gibt mir Kraft; aber er führt auch zu einem Gesamtverständnis unter den Menschen. Es geht nicht einfach um die Sprachen. Sondern über die Sprache zum Verständnis. Das Nichtverstehen – zwischen Eltern und ihren Kindern oder zwischen Partnern – reicht ja viel weiter als das reine sprachliche Element. […]
 

Der Geist des Herrn erweckt den Geist in Sehern und Propheten,
der das Erbarmen Gottes weist und Heil in tiefsten Nöten.
Seht, aus der Nacht Verheißung blüht;
die Hoffnung hebt sich wie ein Lied
und jubelt: Halleluja.
(Gotteslob 249,2)
D.R.

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