Die Stationengottesdienste in der Osterzeit - "Statio" 4: Predigtgespräch mit Pastoralreferent Ludwig Schmidinger in St. Ursula - Pellheim



 In dir ist Freude in allem Leide,
o du süßer Jesu Christ!
Durch dich wir haben himmlische Gaben,
du der wahre Heiland bist;
hilfest von Schanden, rettest von Banden.             
Wer dir vertrauet, hat wohl gebauet,
wird ewig bleiben. Halleluja.
Zu deiner Güte steht unser G'müte,
an dir wir kleben im Tod und Leben;
nichts kann uns scheiden. Halleluja
 Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden
Teufel, Welt, Sünd oder Tod;
du hast's in Händen, kannst alles wenden,
wie nur heißen mag die Not.
Drum wir dich ehren, dein Lob vermehren
mit hellem Schalle, freuen uns alle
zu dieser Stunde. Halleluja.
Wir jubilieren und triumphieren,
lieben und loben dein Macht dort droben
mit Herz und Munde. Halleluja
Text: Cyriacus Schneegaß, vor 1598
Melodie: Giovanni Giacomo Gastoldi, 1591
Hrsg.: Johann Lindemann, 1598
 

Ludwig Schmidinger, Pastoralreferent, ist Bischöflicher Beauftragter für KZ-Gedenkstättenarbeit in der Erzdiözese München und Freising. Die Katholische Seelsorge befindet sich auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau und ist im Internet zu finden unter http://www.gedenkstaettenseelsorge.de/

Hier - auf dieser Seite - finden Sie Ausschnitte aus dem Nachgespräch nach der vierten Statio mit Ludwig Schmidinger. Es sind Zitate aus Wortmeldungen der Gottesdienst- und Gesprächsteilnehmer in Pellheim. Zelebrant der Eucharistiefeier war Pater Klaus Spiegel OSB, als Gesprächsmoderatorin wirkte Gemeinde-
referentin Gudrun Beck. Zum Predigttext gelangen Sie mit dem Link unten (oberhalb des Notenblattes).
 

• Was hat Sie angesprochen oder überrascht oder erschreckt?

• Sie haben angefangen mit der Losung „Gott mit uns“ auf den Koppelschlössern der Soldaten in fast allen Kriegen. Für mich persönlich ist der Spruch „Gott mit uns“ schon ein Hoffnungszeichen. Aber in diesem Zusammenhang mit dem Krieg ist es für mich ein unverantwortliches „Benutzen“.

• Genau. Deswegen habe ich auch damit angefangen. Das war eine der ersten Assoziationen, die ich hatte, als ich den Predigttext gelesen habe. Ich kann’s auch nicht anders sehen. Schon vor dem Kaiserreich wurde der Satz missbraucht für – wenn man so will – nationale Eigenideologien. Das fand seine Fortführung ja bis hin in die Segnungen der Waffen.

• Jedenfalls kann das nicht das sein, was der Paulus gemeint hat. Paulus ruft ja nicht auf: „Zieht in den Kampf. Gott ist mit euch.“ Nein, er sagt: „Wenn ihr in Not seid, wenn ihr alles Mögliche erleiden müsst, dann ist das kein Beweis dafür, dass Gott nicht mit euch ist. Im Gegenteil – gerade dann ist Gott besonders bei euch.“


 

• Mich macht bei dem Ganzen die Konsequenz stutzig: Wär‘ das fein gewesen, wenn beide Parteien, die so zu Gott gebetet haben, erhört worden wären. Dann hätte es ja nur Frieden geben können.

• Das ist die Frage, ob das geht: Gott nur mit uns sein zu lassen und nicht auch mit den anderen.

• Man überlegt sich immer, wie die Hoffnungshaltung schon seit Jahrhunderten immer wieder benutzt wird – in jeder Richtung. Ob das in der Kriegsrichtung war, in der Propaganda, ob das christliche Feste sind, die ja genauso hoffnungsfroh sind. Dass es auch immer wieder Leute gibt, die das einsetzen.

• Es ist ein Unterschied, ob ein Staat, ob eine Institution das für sich vereinnahmt oder aber ob ein Einzelner, ob eine Gruppe von Soldaten diesen Ruf für sich als echten Hilferuf sieht. Jedem, der mit heiler Haut davonkommt und das als persönliche Gebetserhörung ansieht, muss man das lassen. [ … ]

• Das alles macht besonders deutlich, wie notwendig religiöse Erziehung ist. Wie wichtig es ist, einen kritischen Geist zu vermitteln. Das haben wir zu viele Jahrhunderte nicht gelernt. Weil man immer Angst hatte, dass dann die Leute vielleicht zu selbständig werden, zu freimütig und auf eigene Ideen kommen.
 


 

• Was ich bei dem Paulustext so tröstlich finde, ist: Wenn am Ende alles nach Verlust, nach Scheitern, nach Tod aussieht, trotzdem oder gerade dann sind wir eigentlich verbunden mit Gott. Unser vordergründiges Empfinden ist schon anders. Wir fühlen uns nämlich eher wohl und gut und sicher und mit Gott verbunden, wenn alles gut läuft, wenn wir glücklich sind. Aber Leute, die lange krank waren oder ein schweres Schicksal hinter sich haben, machen oft eine gegenteilige Erfahrung. Das ist auch das, was man aus Berichten von Überlebenden der Konzentrationslager – und nicht nur von Überlebenden – erahnen kann. Deswegen habe ich den Alfred Delp angesprochen. Und auch bei Bonhoeffer kann man das lesen oder sehen. Die bringen ein Vertrauen und eine Zuversicht zusammen, die einen eigentlich fast nur sprachlos machen können. Es lässt auch die Angst verschwinden, die uns unser Leben lang begleitet, ob wir wollen oder nicht. Mal mehr, mal weniger. Eugen Biser hat immer gesagt: „Das Gegenteil von Glaube ist nicht Unglaube sondern Angst. Der Glaube ist dazu da, die Angst zu überwinden.“ Deswegen feiern wir ja miteinander Gottesdienst und beten miteinander, dass wir uns gegenseitig bestärken, die Angst zu überwinden und die Freude am Leben zu finden – auch in den und über die schwierigen Situationen im Leben hinweg.

• Wie konnten Häftlinge in den Konzentrationslagern der Nazis den naheliegenden Gedanken an Suizid überwinden? Auch ihre Haltung können wir mit „Hoffnung“ bezeichnen oder mit „Kraft zum Sinn“ bzw. mit dem „Willen zum Sinn“, dem „Willen zum Sein“ auch. Das ist es, was dem Menschen innewohnt. Der Wille zum Dasein ist eigentlich da, so die Erkenntnis von Viktor Frankl. Und es geht nur immer um die Frage: Wie bin ich im Kontakt damit? Das hat auch Frankl das Leben gerettet.


 

• Der Anlass dieser Reihe von Stationengottesdiensten war ja auch die Zusammenlegung der Pfarreien zum Pfarrverband, dass wir was Neues miteinander anfangen mussten, wo vielleicht bisher nicht die Notwendigkeit war. Das schafft ja auch erst einmal Unsicherheit. Und es stellt uns die Frage: Wie wird das alles? Lassen sie uns unsere Kirche noch? Auch hierin offen zu sein und die anderen Menschen mitzunehmen und davon auszugehen, dass die anderen Menschen auch was Gutes wollen. Das sind Haltungen, die durch Texte wie die der heutigen Lesungen bestärkt werden. Man rechnet mit dem Schlimmsten aber hofft das Beste. Das sollte den Christen ausmachen. Sich nicht der Verzweiflung und der Resignation zu überlassen. Wir packen’s trotzdem immer wieder neu. Bis hinein ins Privatleben und in die Familie. [ … ]
D.R.

Den Text der Predigt können Sie hier herunterladen:          pdf-Datei

Zu den anderen drei Stationengottesdiensten kommen Sie mit  diesem Link.

 

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