Die Stationengottesdienste in der Osterzeit - "Statio" 2: Predigtgespräch mit Rechtsanwalt Dr. Dominik Härtl im Pfarrheim St. Jakob


 

Den Predigttext von Herrn Rechtsanwalt Dr. Dominik Härtl können Sie mit dem Link unten auf dieser Seite erreichen. Hier im Anschluss finden Sie Ausschnitte aus dem Nachgespräch nach der zweiten Statio mit Herrn Dr.  Härtl. Es sind Zitate aus Wortmeldungen der Gottesdienst- und Gesprächsteilnehmer.
 

• Dass Hoffnung immer etwas mit Vertrauen zu tun hat, das hat Herr Dr. Härtl sehr schön herausgestellt.

• Und dass Hoffnung nichts Passives ist, sondern dass man sich dafür auf den Weg machen muss. Dass man mit anpacken muss - sozusagen.

• Mir hat das Bild mit dem Mosaik sehr gut gefallen: also dass Hoffnung etwas sehr Individuelles ist, sehr vielschichtig und vielfarbig. Jeder setzt sich das aus Mosaiken – bei mir waren es drei Mosaiken – selbst zusammen. Dadurch wird natürlich auch klar, dass Hoffnung nichts ist, was sich in eine einfache Definition pressen lässt: es ist dieses aktive Vertrauen, dieses persönliche Aufbauen der Hoffnung und der Mut zur Hoffnung.

Foto v.l.n.r.: Konstantin Bischoff (Moderator), Dr. Dominik Härtl, Pfarrer Wolfgang Borm (Zelebrant)

• Hoffnung zu haben ist nie hoffnungslos.

• Vertrauen zwischen Partnern führt hin zum Sichanvertrauen.

• Durch Vertrauenskrisen hindurch – wie bei einer Ehescheidung – kann dann doch auch immer wieder Hoffnung wachsen.

• Was ich auch wichtig fand, war der Gedanke, dass Leben – auch gesellschaftliches Leben – ohne Vertrauen nicht möglich ist. Wo ich mit einem Grundmisstrauen anderen gegenübertrete, kann ich kaum erwarten, dass man zu vernünftigen Ergebnissen, zu einem vernünftigen Miteinander kommt. Weil dann permanent die Unterstellung da ist: „Eigentlich meinst du ja ohnehin nicht, was du sagst. Eigentlich führst du ja ohnehin schon was ganz Anderes im Schilde.“ Das gilt dem Partner und dem nächsten Menschen gegenüber, aber irgendwo natürlich auch der Gesellschaft gegenüber. Ich muss immer mit dem Risiko leben, dass ich „reinfalle“. Ohne Grundvertrauen gibt es nichts Gutes, das sich entfalten könnte. Und wenn doch, dann nur durch Zufall.
 


• Mir ist aus der Predigt der Satz über den „Wutbürger“ noch gut in Erinnerung. Jemand, der Wut hat, der wird in dem Moment keine Hoffnung haben und nichts aufbauen, sondern eher zerstören. Das hat sehr gut als Kontrast in diesen Gedankengang gepasst.

• Spannend war der Einstieg aus der Sicht des Juristen, der einem Klienten gegenübersitzt, welcher von ihm erwartet, dass der clever genug ist, seine Ansprüche durchzusetzen. Was wäre das für eine tolle Hoffnung, die einfach auf dem Anspruch der Machbarkeit beruht. Wir reden hier aber von der Hoffnung, die nicht auf der Machbarkeit beruht. Wir reden von der Hoffnung, der ein Geschenkcharakter zugrundeliegt. Ich muss mich auf etwas einlassen, das nicht unbedingt in meiner Machbarkeit liegt. Aber vielleicht – wenn wir uns zusammentun – wird etwas draus.
 

• Ich habe gedanklich „das Triptychon“ noch weitergebaut: Okay, es gibt diese drei besprochenen Elemente. Aber hinzu kommt – als viertes – Gott. Der ist zwar vielleicht nicht in jedem Leben so heftig vertreten. Aber zumindest spielt das für manch einen zusätzlich im Hintergrund oder sogar übergeordnet mit, wo man selbst nicht aktiv etwas machen kann — und einfach hoffen muss.
 

• Ich könnte mir vorstellen, dass Sie als Rechtsanwalt gelegentlich den Satz zu hören bekommen: „In dieser Angelegenheit sind Sie meine letzte Hoffnung.“

• [Dr.Härtl] Wenn man so angesprochen wird, dann erschaudert man erst einmal und stellt das natürlich richtig. Ich kann nicht jede Erwartung erfüllen. Der Klient darf zwar erwarten, dass sein Anwalt die bezahlte Dienstleistung ordentlich erbringt. Das Anspruchsdenken, jeglicher Hoffnung den Weg ebnen zu sollen, überlädt einen jedoch gelegentlich. Denn man kann einfach nicht alles machen.

 
• Ich denke, ein Mensch, der mit beiden Beinen im Leben steht und alles selbst managt, der erwartet, der fordert, dass ihm alles gut ausgeht. Und ein Zaghafter, Zögerlicher, der ängstlich ist, der hofft.

• [Dr.Härtl] Ja, das stimmt schon. Es erklärt sich aus diesen verschiedenen Typen von Charakteren.

• Mich würde interessieren, wie Sie zu der Ansicht von der Frau da drüben stehen, …
• [Dr.Härtl] … das ist meine Frau, um konkret zu sein …
• … wie Sie zu der Ansicht stehen, dass Gott über „dem Triptychon“ steht.

• [Dr.Härtl] Also: zunächst einmal ist „das Triptychon“ mein Triptychon. Und jeder wird sein eigenes haben. Aber Gott als der vierte Faktor ist vielleicht noch individueller als es die drei anderen Bestandteile des Bildes sind. Die drei ersten, nämlich ein gewisses Selbstvertrauen, das Vertrauen zum Anderen und das Vertrauen in die Gesellschaft sind gewissermaßen allgemeiner gesellschaftlicher Konsens. Ob dann noch der vierte Aspekt hinzukommt, ist individuell.
 


• Die Frage an Gott, das Hoffen auf Gott steht für mich an erster Stelle.

• Vielleicht steht Gott über den drei Bildern.

• Oder Gott gehört in jedes dieser drei Bilder. Gott hilft mir, mir selbst zu vertrauen. Gott hilft mir, anderen zu trauen. Gott hilft mir, Vertrauen in die Gesellschaft zu setzen.  [...]
 
 
D.R.

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