»Das Wort ist dir nahe« – Bericht zur Aussendungsfeier von Pastoralassistent Konstantin Bischoff

 









 
 
Getreu dem Bibelwort „Wohin ich dich auch sende, dahin sollst du gehen, und was ich dir auftrage, das sollst du verkünden“ (Jeremia 1,7) werden seit wenig mehr als 40 Jahren Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten als Seelsorger im Erzbistum München und Freising ausgesendet. Erst 1965 hatte das Zweite Vatikanische Konzil die Möglichkeit für die hauptberufliche Mitwirkung dieser Laien in Pfarreien und Einrichtungen geschaffen. Gegenwärtig gibt es in der Erzdiözese um die 325 Pastoralreferenten / Pastoralreferentinnen. Bis zum Abschluss ihrer zweiten Dienstprüfung tragen die Laientheologen in der Seelsorge den Titel Pastoralassistent/-in.


Weihbischof Wolfgang Bischof hat am 23. Juni 2012 in der Klosterkirche Fürstenfeld vier Frauen und vier Männer in ihren Dienst als Pastoralassistenten in der Erzdiözese ausgesendet. »Das Wort ist dir nahe, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen« – diesen Text aus dem Römerbrief haben sich die acht angehenden Seelsorger als Leitwort für ihre Aussendungsfeier und als ihren künftigen Wegweiser gewünscht. Einer unter ihnen war Konstantin Bischoff (26), der damit nach den zwei Jahren „Pastoralkurs“ unseren »Pfarrverband Dachau-St. Jakob« verlassen muss und ab Anfang September im »Pfarrverband St. Clemens und St. Vinzenz« in München-Neuhausen eingesetzt wird.
 
 
Der Weihbischof erklärte in der Homilie, das Zeugnis der Ausgesendeten muss auf zwei wesentlichen Säulen beruhen. Es gilt klarzumachen, wer es ist, der beruft und aussendet: nämlich der HERR selbst, nicht die abgeleisteten Kurse, nicht das Studium, nicht eine Urkunde.

Prinzipiell seien alle Getauften und Gefirmten berufen und gesendet. Gemäß dem Gedankengang des Konzils werden die als Pastoralreferenten ausgesendeten aber gebraucht, um die Getauften und Gefirmten zu bestärken und zu befähigen, Zeugen Christi zu sein.

Der Prediger ging von Mk 16 aus: „Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.

Er bezog hierzu - leicht abgewandelt - auch den Gedanken aus Ez 3 mit ein: „Menschensohn, gib deinem Bauch zu essen, fülle dein Inneres mit diesem Wort, das ich dir gebe. Ich aß es und es wurde in meinem Mund süß wie Honig.

Und er schlug den Bogen zu Offb 10: „Da nahm ich das kleine Buch aus der Hand des Engels und aß es. In meinem Mund war es süß wie Honig. Als ich es aber gegessen hatte, wurde mein Magen bitter.


Die Ausgesendeten sollen die Lehre zur Nahrung werden lassen, sie genießbar machen. Die Botschaft darf jedoch nicht dem Zeitgeist angepasst, sie muss nur für die Zeitgenossen verständlich übermittelt werden.

"Der Beruf Pastoralreferent/in ist für den Bestand der Kirche sicher nicht notwendig - aber dennoch unverzichtbar."
 

Jedem dem acht  Anwärter wurde persönlich der Auftrag mit den Worten erteilt: „Empfange die Heilige Schrift. Verkünde und lebe das Evangelium Christi, damit Glaube, Hoffnung und Liebe in den Menschen geweckt und gestärkt werden.“

Die acht  bekannten vor der Gemeinde und im Wechsel mit der Gemeinde ihren Glauben und erhielten neben ihrer Aussendungsurkunde, die ihnen auch die Vorläufige "Missio Canonica" zuerkannte, traditionsgemäß eine Bibel als Zeichen für ihren Auftrag in der Verkündigung. Jede Bibel enthält handgeschrieben den Widmungsspruch und die Unterschrift des Erzbischofs Kardinal Marx.


Auch diese acht frischgebackenen Pastoralassistenten hatten als erstes ein komplettes Theologiestudium, studienbegleitende Kurse und ein paar gewichtige Praktika absolvieren müssen. Die letzten zwei Jahre arbeiteten die „Pastoralkursler“ unter Anleitung von erfahrenen Pastoralreferenten oder Pastoralreferentinnen in Pfarrgemeinden mit. Diese Berufseinführungsphase erlebten sie zum großen Teil gemeinsam mit den zukünftigen Priestern und Diakonen. Sie arbeiteten sich ein in die Jugendpastoral, waren zuständig für die Vorbereitung auf Erstkommunion und Firmung, hielten Religionsunterricht in Grund- und Hauptschulen, leiteten Wort-Gottes-Feiern, sammelten Erfahrungen in Gremien und Gruppen und standen auch immer wieder für einzelne Gläubige als aufmerksamer und verständiger Gesprächspartner bereit.


 
Die Neuausgesendeten starten ab September in die letzte, dreijährige Phase der Berufseinführung. Nun werden die Pastoralassistenten und -assistentinnen zusammen mit Priestern, Diakonen und Gemeindereferenten in einem Pfarrverband arbeiten und ihre Ausbildung erweitern und abrunden. Zu ihren künftigen Aufgabenfeldern gehören vorzugsweise die kirchliche Jugendarbeit, die Vorbereitung auf die Feier der Sakramente (Taufe, Erstkommunion, Firmung, Trauung), die Leitung von Begräbnisfeiern, die Trauerpastoral, Religionsunterricht an Volksschulen, die Leitung von Wort-Gottes-Feiern sowie die Mitarbeit in Gruppen und Gremien der Pfarrgemeinden oder Verbände. Auch in der kategorialen Seelsorge, also z.B. in Altenheimen, Krankenhäusern oder in der Erwachsenenbildung, dürfen sie demnächst als Pastoralreferenten und -innen tätig sein. Sie erfüllen ihre Aufgaben in Absprache mit dem zuständigen Pfarrer jetzt eigenverantwortlich.


Als Laien mit fundierter theologischer und pastoraler Ausbildung können sie „Brücke zwischen Kirche und Welt“ sein. Mit ihrem Universitätsstudium plus Pastoralkurs verfügen sie über denselben notwendigen „Background“, den auch jeder Priester hat. Und gleichzeitig ist durch ihre verschiedenen individuellen Lebensformen ihr Erfahrungshorizont noch einmal unendlich vielfältiger als der der zölibatär lebenden Priester. So können sie nicht selten  – mit den unterschiedlichsten persönlichen Schattierungen – reichere Vielfalt in die Seelsorge und ins Gemeindeleben einbringen als manch ein Kleriker.

 

Die Gemeinden des Pfarrverbands Dachau–St. Jakob lassen Konstantin Bischoff nur ungern aus ihrer Mitte fortgehen. Er hat hier wertvolle, unvergessliche Impulse gesetzt und war ein mitreißender, authentischer Vermittler der christlichen Frohbotschaft. Vergelt's Gott. Möge Gott ihm und seiner Familie reichen Segen auf seinem weiteren Lebens- und Berufsweg schenken.
 
D.R.