Annett Graubners "Bilder der Stille" - diese Ausstellung kam in der Adventszeit 2012 in unsere Kirche


Annett Graubner zeigte in der Adventszeit 2012 in unserer Pfarrkirche Bilder der Stille, der Einsamkeit, der Trauer, aber auch Bilder der Hoffnung und des Neuanfangs. Die Hobby-Fotografin aus dem Dachauer Land hatte in unserer Kirche schon einmal ausgestellt: 2008 hat sie die „Lebenskreuze“ vorgestellt, ihre Kreuzwegfotografien (siehe unseren damaligen Bericht).

Zwar präsentierte Frau Graubner auch jetzt abermals analoge Lichtbilder. Und wiederum lagen den Bildschöpfungen mannigfache persönliche Lebenserfahrungen zugrunde. Aber sie gab den Betrachtern jetzt einen Wegweiser für höchsteigene Gedankenbahnen an die Hand, indem sie neben ihre Fotos nun Texte christlicher Autorinnen und Autoren stellte.

Annett Graubners Bildnisse bieten Inspiration für eine tiefe Stille. Sie eröffnen die Chance, alles Geschehen in unserem Leben in der Stille vor Gott zu bedenken und uns dann von vielleicht erstaunlichen Nachwirkungen beschenken zu lassen. Laut Ernst-Peter Weldin (Ruhestandsgeistlicher, *1940) ist jedes Gedicht wie auch jedes Bild als Einladung zu verstehen, über Selbsterlebtes nachzudenken, das Erlebte als Geschenk Gottes und als Impuls zu begreifen, daraus hilfreiche Fingerzeige für die Zukunft zu erspüren. Unser Leben wird bestimmt von mehr oder minder folgenschweren Erlebnissen und Erfahrungen, die eigentlich nur ein Ziel haben: unsere Seelenreife. Stille und Innehalten sind Bedingungen des Reifungswegs.
 
Annett Graubners Bildmotive sind vielgestaltig. Die Präsentation in unserer Pfarrkirche konnte davon nur eine beschränkte Auswahl darbieten. Vom 1. bis 16. Dezember 2012 gehörten die „Bilder der Stille“ dank Peter Heimann zwei Wochen lang den „Himmelfahrtlern“ und all ihren Besuchern – täglich von 8:30 bis 17:00 Uhr.

Gleich eingangs konnten sie den Anblick einer zweisitzigen weißen Parkbank in sich aufnehmen (unten links). Sie wartet in der eher grellen als milden Herbstsonne unter prächtigen Bäumen voller buntem Laub. Aber auf wen? Obwohl jene Parkbank geradewegs zum Verweilen und Ausruhen in der Stille einzuladen scheint, wird auf ihr wohl so bald niemand mehr Platz nehmen. Wir spüren, wie sich ein Hauch von Kälte - einer geheimen Barriere gleich - bald schon eisig über die rotgoldene Färbung legen wird. Und der Betrachter fühlt sich jetzt berührt und angezogen durch die Übergangsstimmung vom lieblichen Idyll zur Hinfälligkeit und Vergänglichkeit in dieser Szenerie. Er oder sie bleibt hier eine Weile mit dem Blick und mit dem Herzen hängen. Wohl niemand eilt sofort gleichgültig zum nächsten Bild.














 
 
Oben rechts: Wir betrachten das Antlitz einer Pietà, mit Ihrem leidensreichen Blick. Kann unfassbares Seelenweh in der Erinnerung doch noch erträglich werden? Die gotische Plastik, geschnitzt aus Lindenholz im 14. Jahrhundert, war lange Zeit verschwunden und verloren geglaubt. Im Jahr 2010 ist sie aber unter ungeklärten Umständen wieder aufgetaucht und heute im Museum in Altomünster zu sehen.

Ein paar Schritte weiter konnten wir mitfühlend eine trauernde junge Frau aus Marmor mit geschlossenen Augen auf dem Friedhof erleben - nach dem letzten Schneefall im Vorfrühling. Oder war es etwa ein Engelsgesicht?

 
Die Wahrnehmungen, die Eindrücke prasselten hernach vielfältig auf uns ein. Irgendwo entdeckten wir Kerzen, gespiegelt im Fensterglas. Oder eine Anzahl Teelichte, von denen wohl jedes für ein herzbewegendes Schicksal steht.

Wir rochen und schmeckten ahnungsvoll den Wintermorgen mit seinen wirbelnden Schneeflocken vor einer frostig grauen Wand aus Nadelbäumen. Wie können wir die kleinen Geschenke des Lebens wieder genießen? Sollten wir nicht stets dankbar sein für so vielerlei?


Aus dem Gemäuer eines Klosterfensters irgendwo in Burgund (links) späht eine verlassene, seelenwunde Frau. Wem gelten die bekümmerten Blicke dieser einsamen, dieser nur recht grob aus Holz geschnitzten Mutter?

Sind Mütter Schutz und Schild ihrer Kinder, von Gott den Engeln gleichgestellt?

Gedanken über Gedanken. Ausgelöst von ein paar Fotografien in unserer Kirche im Advent. Angestoßen auch von diesen daneben angehefteten Papierbögen mit den zum Nachdenken anregenden Dichterworten.

Einige Anblicke und Betrachtungen verführten vielleicht anfangs zu trüben und niederdrückenden Grübeleien. Letztlich aber, und zu Ende gedacht, wohnte allen etwas Tröstliches und Aufrichtendes inne:

„Falte den Schleier lähmender Trauer zusammen und schenke ihn Gott… Zünde ein Licht an und öffne die Tür.“


Dieter Reinke