Heilige unseres Pfarrverbands

Kugeln, Ketten, Muschel, Schiff – was gehört zu wem?

Wolfgang Hartmann am 2. Januar 2013

Zahlreiche interessierte Besucher kamen zu den drei Vorträgen von Wolfgang Hartmann bei der Seniorenrunde St. Jakob. Der Referent hatte sich ein umfangreiches Themengebiet vorgenommen. In seinen ersten beiden Ausführungen stellte er die Hauptkirche St. Jakob und 13 Kirchen vor, die zum Pfarrverband Dachau-St. Jakob gehören. In der Veranstaltung am 2. Januar 2013 widmete er sich den Heiligen, die den Hauptkirchen und ihren Filialen den Namen gaben. Zu jedem Kirchenpatron erzählte er ihre Lebensgeschichte und Legenden, wie sie überliefert sind. Zahlreiche Abbildungen auf der großen Leinwand zeigten die Heiligen mit ihren Attributen, an denen die Träger zu erkennen sind. Aus dem umfangreichen Vortrag seien fünf Heilige ausgewählt.

Die Kirche der Pfarrei Mittendorf ist der Gottesmutter und dem Hl. Nikolaus geweiht. Die Plastik der gekrönten Maria ist als „neue Eva“ zu bezeichnen. Das Jesuskind greift nach dem Apfel, den Maria in der Hand hält. Das erinnert an den Sündenfall im Paradies, doch der von Maria Geborene ist bereit zur Erlösung.

Der Hl. Nikolaus ist keine eindeutige historische Person. Viele Legenden ranken sich um den Heiligen, der eine Verschmelzung zweier Bischöfe ist, die den Namen Nikolaus trugen. Seine Attribute sind drei Goldkugeln, die an die drei beschenkten armen Mädchen erinnern, ein Fass mit den geretteten drei Schülern. Schiff und Anker bedeuten, dass Nikolaus die Bevölkerung von Myra mit Getreide von den im Hafen lagernden Schiffen vor dem Hungertod bewahrte.

St. Ursula ist die Patronin der Pfarrei Pellheim. Eine wunderschöne Plastik an der Wand der Kirche zeigt eine sehr seltene Darstellung der Märtyrerin. Die königlich bekleidete Skulptur der Heiligen trägt in der rechten Hand ein Schwert, ein Symbol für ihr Martyrium. Die Linke hält ein Schiff mit Jungfrauen, die ihre Begleiterinnen auf einer Schiffswallfahrt nach Rom waren. Die Legende erzählt weiter, dass die Königstochter mit ihren Gefährtinnen bei Köln von den Hunnen mit einem Pfeil getötet wurde. Drei Pfeile sind deswegen ein weiteres Attribut. Die Heilige wird auch wie Maria mit einem Schutzmantel dargestellt, darunter Schutzbedürftige Zuflucht finden.

Der Hl. Leonhard ist der Patron der Nebenkirche in Webling. Der Choraltar zeigt den Heiligen mit der Kette in den Händen. Der Legende nach soll Leonhard im heutigen Frankreich sich der Gefangenen angenommen haben und beim Merowingerkönig Chlodwig um die Freilassung gebeten haben. Die Gefangenen hätten dann Fesseln und Ketten in die Kirche gebracht. Diese Ketten wurden später als Viehketten gedeutet. Aus dieser Missdeutung entstand das Patronat für Rinder und Pferde. Herr Hartmann schwärmte von dem großartigen Leonhardiritt am 9. November in dem bedeutenden Wallfahrtsort Inchenhofen im Landkreis Aichach. Man müsste nicht so weit fahren, um ein so bedeutendes Brauchtum erleben zu können.

Die Zuhörer waren sehr beeindruckt von dem umfangreichen Wissen des Referenten, das er sich bei seinen Recherchen aneignete. Sie dankten mit herzlichem Applaus.

Ursula Koch, 04.01.2013