Das Oster- und das Himmelfahrtsoratorium von J. S. Bach in Mariä Himmelfahrt


Worum geht es in diesen beiden bedeutenden Werken (BWV 249 und BWV 11) der Kirchenmusik?

Als Petrus und Johannes von der Begegnung der trauernden Frauen mit dem Engel am leeren Grab Jesu hören, starten sie lachend zum Wettlauf hin ans Felsengrab. Mit jenem Tenor-Bass-Duett samt Chor im 3. Satz beginnt die Osterhandlung: „Kommt, eilet und laufet, ihr flüchtigen Füße, / Erreichet die Höhle, die Jesum bedeckt. / Lachen und Scherzen / Begleitet die Herzen, / denn unser Heil ist auferweckt.“ In elf „Sätzen“ für vier Soli, nämlich Maria Jacobi (Sopran), Maria Magdalena (Alt), Petrus (Tenor), Johannes (Bass), vierstimmigen Chor und Orchester wird in einer Dreiviertelstunde das Ostergeschehen, wird die Freude über die Auferstehung nachgestellt.
 

In knapp 30 Minuten und ebenfalls 11 Teilen beschreibt das Himmelfahrtsoratorium voller Wehmut und Schmerz den Abschied der Jünger von Jesus. Es verheißt den Männern aber auch: „Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren.“
 

Das Oster- und das Himmelfahrtsoratorium von J. S. Bach, beide Werke wurden am 20. April abends nacheinander in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt aufgeführt. Dieses „Paar“ verbindet eines uneingeschränkt: die zwei sind bei weitem nicht so populär wie Bachs Weihnachtsoratorium. Und das ist kein Wunder. Aufbau und Durchführung sind nicht so eingängig, verlangen den Musikern wie auch den Zuhörern einiges ab an Konzentration und Hinneigung zum Detail.
 

Haben die Ausführenden diese Herausforderung angenommen und bestanden?

Glücklicherweise besteht das Münchner Orchesterensemble LODRON nicht aus einem ausgelutschten Trupp von müden Tarifangestellten an einem Provinztheater. Es setzt sich zusammen aus einem guten Dutzend erstklassiger Virtuosen unter ihrem brillanten Konzertmeister Ulrich König. Sie meistern ihre Solopassagen mit bewundernswerter Bravour, harmonieren aber auch — jede und jeder mit seinem Part, mit seiner Stimme — im Ensemble perfekt. Man merkt den Vollblutmusikern die Begeisterung und die Freude an, ihren Teil zu hehren Glanzleistungen beizutragen.
 

Auch die vier Gesangssolisten bewältigten ihre anspruchsvollen Partien souverän – tonsicher und glockenklar wohlklingend. Leider hat Bach den Chorgesang in beiden Werken nur ziemlich stiefmütterlich bedacht. Der Dachauer Kammerchor konnte seine Meisterschaft nur in fünf von den insgesamt 22 Sätzen beweisen; die aber gelangen so grandios, dass sie dem dankbaren Publikum noch lange Zeit in Erinnerung bleiben werden. Christiane Höft dirigierte die Künstlerinnen und Künstler konzentriert und konsequent mit ruhiger Hand und führte sie gemeinsam zu einer homogenen Spitzenleistung. Der gewaltige Beifall bestätigte es.
 
 

Mit dem Dachauer Kammerchor, dem Ensemble LODRON, München, und den Solisten:
Marie-Sophie Pollak (Sopran), Florence Losseau (Alt), Gerhard Werlitz (Tenor), Wolfgang Wirsching (Bass)
Leitung Christiane Höft


Dieter Reinke