Hans Göttlers Schwimmbadbibliothek

Dr. Hans Göttler am 11. September 2013

Altes und Neues


Wer der Meinung war, die Lesung von Dr. Hans Göttler hätte etwas mit dem niederbayerischen Bäderdreieck zu tun, der irrte. Der Referent hatte seine umfangreiche Büchersammlung in den zu teuer gewordenen Swimmingpool in seinem Bungalow verlegen müssen. Deswegen bekam sein Vortrag diesen originellen Titel, und die zahlreichen Besucher genossen einen vergnüglichen Nachmittag. Etliche Mitglieder des Frauenbundes hatten den akademischen Direktor im Fachbereich Germanistik an der Universität Passau bei einem Ausflug schon als witzigen Erzähler kennengelernt. So war die Wiedersehensfreude bei den „ehrbaren Jungfrauen“ am vorderen Tisch besonders groß.
Der Sammler und Herausgeber von Werken niederbairischer Literatur ist ein Liebhaber der vokalreichen Mundart in der Landschaft zwischen Donau und Inn, und er erzählt und liest begeistert in dieser Sprache. Er machte die von ihm besonders geschätzte Bayerwalddichterin Emerenz Meier bekannt. Die Wirtstochter verfasste schon früh Verse für Geburtstage, Hochzeiten, Namenstage und Zeitungsbeiträge. Dafür bekam sie ein kleines Honorar, und so ermunterte sie der Vater zum Schreiben. Als die Familie in Konkurs ging, wanderte „des freien Waldes freies Kind“ nach Amerika aus, wo sie auch starb. Der Referent wählte aus ihrem von ihm gesammelten Werk das seiner Meinung nach eindrucksvollste, schwerblütige Gedicht mit dem Titel „Gewitterschwüle“ aus: Ein junger Bauer plagt sich beim Pflügen eines harten Bodens, und er leidet an Liebeskummer wegen seiner „schwarzen Dirn“(schwarzhaariges Mädchen). In der letzten Zeile jeder Strophe ergehen Kommandos an die beiden Ochsen, und diese klingen wie archaische Zaubersprüche.
Auf Anregung einer Studentin übertrug Dr. Göttler die lustigen Streiche von Max und Moritz in den niederbairischen Dialekt, und das Publikum amüsierte sich über „die Tratzerei“ bei der Witwe Bolte.
Wie der Papst emeritus zu seinem Namen kam, verriet der Gastredner verschmitzt. Das war kurz gefasst so: 1997 übernachtete Kardinal Ratzinger im familieneigenen Hotel der Göttlers in Simbach am Inn. Er bekam natürlich das schönste Zimmer, so lobte es Ratzinger, das hatte die Nummer 16. Vom Fenster aus blickte der kirchliche Würdenträger auf ein Uhrengeschäft, dessen Besitzer den Vornamen Benedikt führte. Die Mutter Irma Göttler prophezeite nun, ihr Gast werde der künftige Papst Benedikt XVI. sein. Das Hotel kann jetzt mit einem Papstbett in einem exklusiven Zimmer werben.
Dr. Hans Göttler gehört seit 2005 zu den acht Münchner Turmschreibern, deren Ziel es ist, die bairische Kultur literarisch zu vertreten. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen gehört „der Orden wider die beleidigte Leberwurst“.
So ist es nicht verwunderlich, dass die Zuhörer erheitert und vergnügt nach Hause gingen.
Ursula Koch