Weltgebetstag der Frauen 2014

am 7. März 2014  in  St. Jakob, Dachau


Ökumene im Gebet für die Frauen in Ägypten

 Christinnen aus der Stadt Dachau setzten ein Zeichen in unserer säkularen Gesellschaft. Engagierte Frauen aus den Pfarreien von St. Jakob, Mariä Himmelfahrt, Hl. Kreuz, St. Peter und Mitterndorf versammelten sich mit Frauen der kroatischen Gemeinde, der Friedenskirche, der Gnadenkirche und der griechisch-orthodoxen Gemeinde in der Kirche St. Jakob, um Gottesdienst zu feiern aus Solidarität mit den Frauen in Ägypten. Dazu kamen Frauen aus Prittlbach und einige Männer, denen der Abend mit diesem Aspekt ein Anliegen war.
Wasser mit seiner vielschichtigen Bedeutung als Lebensgrundlage war das Thema der Lesungen, Fürbitten, Spielszenen und Lieder. Frauen des ägyptischen Weltgebetstagskomitees hatten die eindrucksvollen Texte zusammengestellt. Eine muslimische Künstlerin hatte das Logo gestaltet, das auf der Leinwand vor dem Altar sichtbar wurde und sofort das Existentielle für Ägypten vermittelte: Es sind die Wasserströme des Nils und sein fruchtbarer Schlamm. Von ihnen hängt das Leben der Menschen, Tiere und Pflanzen ab in einem Land, das zu 90 % aus Wüste besteht. Wie kostbar dieses Gut ist, zeigt die künstlerische Deutung des Nildeltas als wunderschöne Lotusblume.
 
   Nil mit Delta als Lotusblume

Dies erinnert daran, dass in der Antike der Nil als Gottheit verehrt wurde. Über den Altarstufen lagen grüne und blaue Tücher, dazu waren kleine, feine Figuren aus Stoff aufgestellt. Dieses Arrangement veranschaulichte ebenso eindrucksvoll den Nil in seiner Bedeutung.
Gemeindereferentin Gudrun Beck hatte als pastorale Leiterin des ökumenischen Projekts mit den mitwirkenden Sprecherinnen den Ablauf der Feier einstudiert. Für die musikalische Gestaltung hatte sich eine Gruppe Sangesfreudiger zusammengetan. Marianne Meier mit ihrer Gitarre übte die anspruchsvollen Lieder ein, die teilweise orientalisch klangen, und deswegen gut zum Thema des Gottesdienstes passten. Drei weitere Musikerinnen unterstützten mit dem warmen Ton von Bratsche und Flöte sowie mit Gitarrenbegleitung die stimmungsvolle musikalische Gestaltung.

 

Die Texte waren dem Alten und Neuen Testament entnommen. Der Prophet Jesaja lässt Gott die Verheißung sprechen: „Gesegnet sei Ägypten, mein Volk. Die Wüste und das trockene Land sollen sich freuen, die Steppe soll jubeln und blühen. In der Wüste brechen Quellen hervor und Bäche fließen in der Steppe.“ Vordergründig vermitteln diese Worte die Hoffnung auf fruchtbares Land durch das verheißene Wasser. Die wichtigere andere Bedeutung der Prophezeiung aber ist die Ankündigung des Messias, des Friedensfürsten, des Erlösers. Der Evangelist Johannes berichtet, wie Jesus einer Samariterin an einem Brunnen begegnet. Jesus spricht von sich als „lebendiges Wasser, als Quelle für das ewige Leben“. Er offenbart sich der Frau als der erhoffte Messias. Die Dorfbewohner bestätigen kurz darauf: „Wir wissen: Dieser ist der Erlöser der Welt.“
Für die Ägypterinnen, die 2011 zum ersten Mal auf dem Tahrir-Platz in Kairo demonstrierten, besitzt „Wasser“ die heute noch geltende aktuelle Bedeutung: Freiheit, besonders die bedrohte Religionsfreiheit, soziale Gerechtigkeit und menschliche Würde. Christliche und muslimische Frauen sehen die Bewältigung der großen wirtschaftlichen Probleme als dringende Aufgabe der führenden Eliten des Landes an. Denn hohe Arbeitslosigkeit, Korruption und mangelndes Bildungs- und Gesundheitswesen lassen die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinanderdriften. Die Gewaltbereitschaft wächst und fundamentalistische Muslime bekommen immer mehr Einfluss.
Gegen die Spaltung und Radikalisierung der Gesellschaft richten sich die Gebete der Frauen. Sie beten dafür, dass sich Frieden und Gerechtigkeit Bahn brechen „wie Wasserströme in der Wüste“.
Die Kollekte im Gottesdienst erbrachte 831 € und wird zwei Projekte unterstützen: außerschulische Bildung für Mädchen und junge Frauen und dazu deren Vernetzung. Strukturelle Barrieren sollen aufgebrochen werden, damit sich die Lebensbedingungen von Frauen verbessern.
   

Nach dem Gottesdienst trafen sich die Anwesenden im Pfarrsaal von St. Jakob. Dort hatte das bewährte Küchenteam vom katholischen Frauenbund eine festliche Tafel mit erlesenen Leckereien gedeckt. Jung und Alt genossen arabische Köstlichkeiten und führten angeregte Gespräche mit Mitgliedern aus den verschiedenen Pfarreien. Gudrun Beck lud zu einem ergänzenden Vortrag über Ägypten ein. Sie gab einen Überblick über dessen Geschichte, Kultur, Landwirtschaft und Religionen. Dabei ging sie noch einmal auf die großen Probleme des Landes ein.
Trotz jener bedrückenden Tatsachen bleibt dieser Weltgebetstag in bester Erinnerung. Alle Teilnehmerinnen verabschiedeten sich fröhlich bis zum nächsten Jahr.
„As-salāmu ʿalaikum!“ — „Wa-ʿalaikum us-salām!“
Ursula Koch