Franziskus-Reformator der Kirche

"Baue meine Kirche wieder auf!"

Pfarrvikar Mieczyslaw Studzienny sprach am 2. April 2014 über Franziskus, den Reformator der Kirche.

1988 durfte der angehende Priester Mieczyslaw Studzienny zum ersten Mal sein Heimatland Polen verlassen. Mit seinen damaligen sechs Studienkurskollegen unternahm er mit dem Fahrrad eine Pilgerreise von Krakau nach dem Sehnsuchtsland Italien, um die Zentren des Glaubens, Assisi und Rom, zu besuchen. Wie tief beeindruckt und bewegt er von diesem großen Erlebnis war, spürten die konzentrierten Zuhörer bei seinem Vortrag über Franziskus. Dessen Kultstätte und berühmtestes Denkmal ist die Stadt Assisi in Umbrien, die unterhalb vom Monte Subasio erbaut wurde. Der Referent bezeichnete diesen Ort als „Hafen der Seele, wo man vor jedem Sturm geschützt sei“. Und von dort gehe eine „unsterbliche“ Botschaft aus.

   

Pfarrvikar Studzienny zeichnete ein vielschichtiges, packendes Portrait des Heiligen. Er legte dar, warum dieser ein Reformator der Kirche zu der damaligen Zeit war und heute noch als Vorbild dient, wie der jetzige Papst Franziskus dies ausdrücklich betont.
1181 kam Franziskus im Sommer oder im Herbst in Assisi zur Welt und bekam den Taufnamen Giovanni. Sein Vater, ein wohlhabender Geschäftsmann, nannte ihn aber Francesco. Der Junge erhielt eine für die damalige Zeitgehobene Ausbildung. Als junger, begüterter Mann führte Francesco ein liederliches Leben. Wie es damals so üblich war, vergnügte er sich mit seinen Saufkumpanen aus der Oberschicht allabendlich in den Kneipen seiner Stadt.
1201 kam es zum ersten Bruch in seinem vergnügungssüchtigen Leben. Während des Städtekrieges zwischen Assisi und Perugia, an dem er teilnahm, landete er für ein Jahr im Kerker. Dort erkrankte er an Tuberkulose, und sein Vater musste ihn freikaufen. Danach war Francesco innerlich erschüttert, und er zog sich zurück. Der Legende nach soll er als Bettler gelebt haben.

Aber das prägendste Ereignis für die radikale Wende seines Lebens war die Begegnung mit der Kreuzikone in der Kirche San Damiano: Dort hörte er eine Stimme, die vom Kreuz herkam, und diese forderte ihn auf: „Franziskus, geh und baue mein Haus wieder auf, das, wie du siehst, ganz und gar in Verfall gerät.“ Franziskus renovierte zunächst das romanische Kirchlein, danach San Pietro della Spina und die kleine Kapelle Portiuncula. Die Kosten dafür beglich er mit dem Geld aus dem Vermögen seines Vaters. Dieser aber war mit der Handlungsweise seines Sohnes nicht einverstanden und ging vor Gericht. Franziskus verzichtete öffentlich auf sein Erbe und lebte anschließend außerhalb der Stadt in einer Einsiedelei, um Gott zu dienen. Das verstand er als ein Leben nach dem Evangelium im Dienst an den Nächsten: den Blinden und Leprakranken. Denn in diesen sah er das Ebenbild Gottes.
Seinen bisher oberflächlichen Lebensstil veränderte er völlig in das Gegenteil. Er trachtete nicht mehr nach Geld und kam ohne Vorratstasche und aufwendige Kleidung aus. Er lebte in asketischer Armut und streng nach dem Evangelium, das „ohne Waffen“ verkündet werden sollte.
Diesen hohen Anspruch an sich stellte er ebenso an die Kirche und setzte eine Reform der Kirche in Gang.
 

Bald schon schlossen sich ihm drei Gefährten an, und nach einem Aufenthalt in Rivotorto bezogen sie einfache Hütten nahe dem Kirchlein Portiuncula. Bald schlossen sich ihnen weitere Gefährten an.
1209 pilgerte Franziskus nach Rom, um sich von Papst Innozenz III. seine Lebensweise und die seiner Anhänger bestätigen zu lassen. Franziskus bezeichnete sich und seine Gefährten als Wanderprediger. Das Leben in Armut, Keuschheit, Gehorsam und ohne Eigentum betrachtete er nicht im Sinne einer Selbsterlösung, wie die von der Kurie bekämpften Waldenser und Albigenser. Er wollte auch keinen Orden gründen. Trotzdem war der Papst skeptisch, und erst sein Nachfolger erkannte die Gemeinschaft an.
1219 nahm er am Kreuzzug in Palästina teil mit dem Ziel, die heiligen Stätten in Jerusalem von den Muslimen zu befreien. Aber sein Gesundheitszustand verschlechterte sich, und er kam geschwächt zurück.
Nun suchte Franziskus die absolute Einsamkeit in völliger Stille. Diese fand er in der toskanischen Einsiedelei „La Verna“. Diese lag abgeschieden in einer Felsnische im Sasso Pico, einem riesigen Felsbrocken. Dort wollte er leiden wie Jesus Christus. Er versenkte sich in die Kreuzwegstationen und sah den Felsen als Garten Gethsemane.
Er verinnerlichte den Gekreuzigten so stark, dass er stigmatisiert wurde. Das war die konsequente Folge der Kreuzesbegegnung in San Damiano, und er sah das als Zeichen der Liebe Gottes an. Aber er verheimlichte die empfangenen Wundmale Christi. Als Franziskus seinen Tod ahnte, ließ er sich nach Portiuncula tragen. Er starb dort am 3. Oktober 1226. Schon zwei Jahre später wurde er heiliggesprochen. Sein Grab befindet sich in der Basilica di San Francesco.

Warum fasziniert Franziskus uns heutige Menschen?

Er war ein heiterer, lebensfroher Mensch, der radikal aus seinem oberflächlichen Leben ausstieg, aber von vielen seiner Zeitgenossen abgelehnt wurde. Seine Umkehr zu Jesus Christus äußerte sich in seiner selbstlosen Nächstenliebe. Er beschäftigte sich mit den Grundfragen der Existenz und hielt Zwiesprache mit der Natur und mit Gott. Die Achtung und Lobpreisung der Schöpfung Gottes fand Ausdruck in seiner Vogelpredigt und im Sonnengesang, der als Weltliteratur gilt und auf Altitalienisch geschrieben ist.
Franziskus sah den Menschen als Ebenbild Gottes mit Leib und Seele. So achtete er das Sinnliche im Menschen und sprach die Sinne an. Er sah sich mit seinen Gefährten als Spielleute des Herrn. Das Spiel war der Mittelpunkt der Verkündigung.
Selbst die Bußpredigt unterstützte er mit Gebärden. Das Weihnachtsgeheimnis der Geburt Jesu ließ er mit Menschen und Tieren in einem Stall nachspielen.
Die damaligen Menschen sollten sich mit den Brüdern freuen, dass Jesus als Kind den Menschen nahe kam als Bruder. Unsere Krippenspiele und Krippendarstellungen gehen auf dieses Ereignis in dem Ort Greccio zurück.
 

„Baue meine Kirche wieder auf!“ Diese Aufforderung sei heute besonders aktuell, bekräftigte Pfarrvikar Studzienny eindrücklich. Das geschehe durch Glaube und Tun, persönliche Umkehr und Zulassen von Visionen. Da der Referent vor allem als Seesorger wirkt, erteilte er allen Anwesenden den Segen. Diese verabschiedeten sich dann mit dem Wiedersehenslied voneinander.

Vorankündigung:

Am Samstag, 26. Juli 2014 findet die Aufführung eines Franziskus- Musicals für Kinder in der Kirche von St. Jakob statt. Pfarrvikar Studzienny und Kirchenmusiker Baumgartner proben dafür mit 20 Kindern.

Ursula Koch