Krankengottesdienste


Am 21. April 2018 feierte unser Pfarrverband im Pfarrheim an der Gröbenrieder Straße den möglicherweise allerletzten Kranken- und Seniorengottesdienst. Zelebranten waren Herr Kaplan Zoryan Augustin Atamanyuk, Herr Diakon Günter Gerhardinger und Frau Gemeindereferentin Ursula Binsack. Die Familie Thaumüller gestaltete mit ihren Saiteninstrumenten den gefälligen musikalischen Rahmen.
 


 

Das Evangelium des Tages (Joh 10,11-18) beschreibt Jesus als den ‚guten Hirten‘. Im Glanz des Osterereignisses sendet das die Zusicherung an uns Christen: Der gute Hirt würde nicht nur sein Leben hingeben für die Seinen. Hirte sein heißt seither vor allem auch: für andere zu leben, zu arbeiten, zu leiden. Zur konkreten Auslegung dieser Verheißung verwies Frau Gemeindereferentin Binsack auf das Apostolische Schreiben ‚Gaudete et exsultate‘ ('Freut euch und jubelt') von Papst Franziskus (vom 19. März 2018, veröffentlicht am 9. April 2018). Es nimmt u.a. Bezug auf die Situation der Älteren und der Kranken, aber auch auf die Rolle derer, die den Alten und Kranken beistehen. Dieses Schreiben bietet allerdings keine „leichte Kost“.
 

Der Heilige Vater erklärt darin nämlich: Der weltlich Gesinnte sucht in erster Linie Unterhaltung, Genuss, Zerstreuung, Vergnügen. Er schaut weg, wenn es in der Familie oder in seiner Umgebung Probleme durch Krankheit oder Leid gibt. Die Mitwelt will nicht trauern. Sie zieht es vor, leidvolle Situationen zu ignorieren, zu verdecken oder zu verstecken. Man verschwendet viel Energie darauf, den Umständen zu entkommen, in denen das Leiden gegenwärtig ist, und glaubt dabei, dass es möglich ist, die Wirklichkeit zu verschleiern, in der nie ganz das Kreuz fehlen wird.

Der Papst führt dann weiter aus, dass der Mensch, der die Dinge sieht, wie sie wirklich sind, der sich vom Schmerz durchdringen lässt und in seinem Herzen weint, fähig sei, die Tiefen des Lebens zu berühren und wahrhaft glücklich zu sein: Dieser Mensch wird getröstet, aber mit dem Trost Jesu und nicht mit dem der Welt. So kann er sich trauen, fremdes Leid zu teilen, und hört auf, vor den schmerzvollen Situationen zu fliehen. Auf diese Weise findet er, dass das Leben Sinn hat, wenn man dem anderen in seinem Schmerz beisteht, wenn man die fremde Angst versteht, wenn man den anderen Erleichterung verschafft, schreibt Papst Franziskus. Dem Bischof von Rom geht es demnach keinesfalls darum, das Leid zu glorifizieren (wie es manche besonders "fromme" Mitmenschen gerne tun). Für ihn gibt es eben das Leid, und damit gilt es liebevoll umzugehen.

Frau Binsack berichtete von ihren Erfahrungen als Seelsorgerin: Sogar ein Sterbender kann seinen Sterbebegleiter beschenken. Das Tor in die ‚andere Welt‘ geht im vertrauten Gespräch zeitweise einen Spalt weit auf. Der Sterbende kann dem Begleiter einen Hauch von der himmlischen Herrlichkeit, eine leise Ahnung hiervon vermitteln.

 
Vor dem Dankeslied am Schluss des Gottesdienstes sprach Herr Diakon Gerhardinger die Befürchtung aus, dass dieser Gottesdienst vielleicht der letzte seiner Art gewesen ist. Ein Aufruf der Schwester Kathi Lechner (Foto links) von der Caritas-Sozialstation hatte die Nachbarschaftshilfe (http://mh-dachau.de/index.php?page=564), die jene Feiern für Kranke und Senioren von Anfang an organisiert hat, im Jahr 1980 ins Leben gerufen. Zum ersten Treffen am 29. April 1980 sind 15 Frauen gekommen. Etwa 12 Frauen sind dann dabeigeblieben, davon einige evangelische. Aber zum einen sind diese Damen mittlerweile hochaltrige Seniorinnen, die nun zum Teil selber auf Hilfe angewiesen sind. Zum andern sind in den Pfarreien die Kontakte loser geworden. Es fällt nicht sofort auf, wenn jemand wegen Krankheit oder Alter nicht mehr in der Lage ist, zum Gottesdienst zu kommen.

Für jene, die in ein Altenheim wechseln, gibt es die Seniorenseelsorge. Aber was ist jetzt ‚dazwischen‘, also mit denen, die sich immobil zu Hause eingesperrt empfinden? „Wir sind auf der Suche nach einer Lösung, denn die Idee ist ja weiterhin ganz aktuell. Bisher hat die Nachbarschaftshilfe auf diesem Gebiet eine tragende Rolle gespielt. Aber auch dieser Arbeitskreis ist im Lauf der Jahre von einer „Helfergruppe“ zu einer „Zielgruppe“ geworden.“
 
Die Ursprungsidee, diese wichtige Idee, kann daher eigentlich nicht aufrecht erhalten werden, obwohl ein Bedarf vorhanden ist. So Gott will, kommt irgendwoher ein ‚Gedankensamen‘, und daraus erwächst dann vielleicht etwas Neues, Lebendiges und Hilfreiches. Herr Gerhardinger überreichte allen, die (noch) mitarbeiten und helfen, zum Dank ein Gebinde mit Sommerblumensamen. Immerhin könnte ja dieser Samen quasi als Gedankensamen bewusst machen, dass in den Pfarreien Seelsorger auf Ideen warten, wie sie denen, die sich allein gelassen fühlen, Zuwendung schenken können. So wurde aus dem Stegreif eine spontane Kehrtwende vollzogen: aus der als Abschiedsrede geplanten Argumentation wurde schließlich eine Motivationsrede. Nun werden also doch Ideen gesucht und Leute, die künftig an der Gestaltung von Kranken- und Seniorengottesdiensten mitarbeiten möchten.
 
 
Herr Atamanyuk ergänzte nachdrücklich als Angebot: Wer Kontakt mit Seelsorgern wünscht, darf sich gerne auch selbst telefonisch im Pfarramt melden. Telefon 08131 73 59 40 oder 08131 36 38 0. Und damit sollen sich nicht nur Gemeindeangehörige angesprochen fühlen! Selbstverständlich wird auch der Anrufbeantworter regelmäßig abgehört. Anrufer erhalten baldmöglichst einen Rückruf. Die Besucher des Gottesdienstes am 21.04.2018 wurden ausdrücklich aufgefordert, beispielsweise auffällig Kranke und Gehbehinderte unterwegs in diesem Sinn anzusprechen und für Interessierte einen Kontakt zu den Seelsorgern zu vermitteln.

Wenn wir alle wieder mehr aufeinander schauen und uns umeinander kümmern, bauen wir mit am Reich Gottes. Und dazu hat uns Jesus, unser guter Hirte, beauftragt.

Dieter Reinke  
 
Kontakt: Diakon Günter Gerhardinger, Telefon 0 81 31 36 38 15;
Gemeindereferentin Ursula Binsack, Telefon 0175 57 89 86 0.