„Eine Tür zwischen dir und mir - und ich ahne dich dahinter.“ - Fotoausstellung von Cornelia Michels bis 15.06.2014 in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt

 
Am 29. Mai hat Peter Heimann, theologischer Mitarbeiter beim Dachauer Forum, eine ergreifende Ausstellung in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt eröffnet. Pastoralreferent Heimann schilderte hierbei die Vorgeschichte:
 
 
Familie M. hat die einzige Tochter, 23 Jahre alt, durch Suizid verloren. Unter der Mutter tut sich ein Abgrund auf: Schmerz, Trauer, Verzweiflung bestimmen seither ihr Leben. Oft hat sie auch körperliche Symptome. Dann kam vor ein paar Monaten dieser Traum:

Frau M. ist unterwegs mit ihrer Tochter. Es ist ein schöner Tag. Sie haben kein besonderes Ziel. Und dann, ganz plötzlich, verschwindet die Tochter hinter einer Tür. Die Tür fällt zu, die Tochter ist nicht mehr zu sehen. Frau M. versucht, die Tür zu öffnen, schafft es aber nicht. Die Kraft reicht nicht. Kein Trommeln, kein Schreien hilft. Die Tür bleibt verschlossen – lange, sehr lange Zeit. Jahre wartet die Mutter im Traum vor der Tür, dass diese sich öffnet...
 
 
Irgendwann dämmert ihr: Meine Tochter ist in ihrer eigenen Welt und in diese Anderwelt kommt sie, die Mama, nicht hinein. Dann löst sie sich aus ihrer Warteposition und setzt im realen Leben diese Traum-Einsicht um: Sie lichtet Türen ab, die meist fest verschlossen sind. Fast immer kodiert sie auf dem Foto noch etwas wie die Andeutung einer persönlichen Botschaft ihrer Tochter.

Die Fotografien spiegeln Momentaufnahmen aus dem persönlichen Trauerprozess der Mutter. „Jetzt ist alles anders. Nach dem Tod meiner Tochter ist nichts mehr, wie es vorher war, obwohl äußerlich alles so weiter läuft. Türen stehen in meinem Erleben ohne Halt in der Landschaft. Seit ihrem Tod stehe ich innerlich und äußerlich vor verschlossenen Türen. Selbst in Kapellen und Kirchen komme ich nicht hinein, auch Gottes Haus ist verschlossen wie die Häuser der Menschen. Ich bin abgetrennt, ausgesperrt von allem.“ Das Motiv »Tür« wird Chiffre für Verlust, Sehnsucht, Hoffnung, Schmerz.
 

Die letzten Fotografien lassen Tröstung ahnen. Eine der Türen ist einen Spalt breit geöffnet. Und hinter dem Spalt strahlt endlich zaghaft ein Licht, Ein Licht, das Zuversicht verheißt. Frau M. hat sich verändert. Wieder einmal. Sie geht zuversichtlicher, ermutigt und etwas getrösteter in die Zukunft, die zuvor.keine mehr war...

Die Intensität der Sprache der Bilder von Cornelia Michels kann auch anderen in der Trauer helfen. Texte von Pablo Neruda liefern den Augen die Worte.

(Auszüge aus der Ansprache von Peter Heimann bei der Ausstellungseröffnung)