Martin Luther – ein Reformer auch für Katholiken?

 
Das 2. Ökumenische Gartengespräch, veranstaltet vom Pfarrgemeinderat Mariä Himmelfahrt gemeinsam mit dem Dachauer Forum, fand am 16. Juli 2014 ab 19:45 Uhr im Pfarrgarten (hinter dem Pfarrhaus) statt. Dr. Florian Schuppe, Fachreferent für Ökumene im Erzbischöflichen Ordinariat, referierte über “Was Katholiken und Protestanten heute an Martin Luther faszinieren kann.“ Er beschrieb den Weg des von 20 Jahren monastischer Spiritualität geprägten Augustinermönchs Martin zu dem brillanten Theologen und talentierten Sprachengenie Luther, der sich stets durch ehrliches Ringen auf seinem Weg mühte. Luther pendelte dabei immer wieder zwischen dem Anspruch, hochgeachtet im Mittelpunkt zu stehen und sich alternativ in Demut zurückzunehmen. In seinen Schriften erwies er sich außerdem als guter Seelsorger und spiritueller Lehrer, wenn auch manches, was er sagte, heute mit Recht beanstandet wird. Martin Luther war ein Mann mit vielen Gesichtern und hatte darunter zu leiden, dass er in seiner eigenen Kirchenheimat nicht voll anerkannt war.

Es lag überhaupt nicht in Luthers Absicht, die Kirche zu spalten. Seine Thesenpapiere wurden jedoch zu Selbstläufern. Und 100 Jahre nach der Reformation war auch die katholische Kirche jener bewegten Zeit in gewissem Sinne so weit wieder „gesundet“, dass sie fast schon ein bisschen „reformiert“ war, dass sie jedenfalls nicht mehr so extrem jenseits von Luthers Vorstellungen gelegen hätte.

Dr. Luther wollte Irrwege seiner Kirche korrigieren, er wollte vor allem dem Irrglauben ein Ende bereiten, dass der Sünder durch die Zahlung von Geld zum Heil gelangen könne. Er ist der Urheber oder der Wiederentdecker der heute auch von der katholischen Kirche im Großen und Ganzen anerkannten, auf Paulus (z.B. Röm 1,17) zurückgehenden „Rechtfertigungslehre“: Die Rechtfertigungslehre zeigt auf, was geschehen muss, damit das durch Sünden belastete Verhältnis zwischen Mensch und Gott wieder geheilt werden kann. Die heilvolle Wirkung wird allein durch Christus geschenkt und ist von den Gläubigen nicht durch irgendwelches auf Gott gerichtete Tun zu erlangen. Allein die Gnade, der Glaube, die Heilige Schrift und Christus (sola gratia, sola fide, sola scriptura, solus Christus) sind der Schlüssel.

Der Meinungsaustausch zwischen den katholischen und evangelischen Teilnehmern – moderiert von Pastoralreferent Peter Heimann und Pfarrer Gerhard Last – folgte dem Prinzip, die Stärken der jeweils anderen Seite in den Blick zu bekommen, nicht die Schwächen. Auf beiden Seiten hat sich dabei längst die Erkenntnis durchgesetzt, dass "selbstverliebte Identitätsfindung im eigenen Kreis" überhaupt nichts voranbringt. Divergenzen wurden dennoch nicht untergebügelt. Für Schuppe ist die Schmerzgrenze zum Beispiel dort überschritten, wo in einer EKD-Schrift die Heiligen der katholischen Kirche als „Marionetten“ diffamiert werden.

Die Erzdiözese München und Freising hat bereits zugesagt, sie werde das Gedenkjahr 2017 mitfeiern. Das Fachreferat Ökumene möchte den evangelischen Theologen Prof. Dr. Volker Leppin (Lehrstuhlinhaber in Tübingen) schon 2016 zur Mitarbeit gewinnen. Dr. Schuppe will wichtige Dokumente evangelischer Theologen auf die Interseiten der Erzdiözese stellen, sobald die Copyrightfrage geklärt worden ist. Auf mehreren Internetseiten, z.B. http://www.2017gemeinsam.de/, findet bereits ein reger Gedankenaustausch statt.
Dieter Reinke
 
 

 „Die Fortschritte, die wir erzielt haben, machen mir Hoffnung, dass es uns gelingt, das Gedenkjahr 2017 gemeinsam als ein Christusfest zu begehen. Wenn wir Jesus Christus und seine Botschaft in die Mitte stellen, dann kommen wir nicht nur ihm, sondern auch einander näher.“

Reinhard Kardinal Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, im Juni 2014