Caritas.Nah.Am Nächsten

Irmgard Hass am 07.Januar 2015

Den ersten Seniorennachmittag im neuen Jahr gestaltete Irmgard Haas vom Caritas-Zentrum, Dachau.
 


Und so stellte sie sich vor:
Hauptberuflich sei sie Ansprechpartnerin für ehrenamtliches Engagement in der Gemeindecaritas, und sie berate dabei Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten. Sie kümmere sich um Fortbildung von ehrenamtlich Tätigen in der Seniorenarbeit, organisiere regelmäßige Treffen von Seniorenclubleiterinnen und lade zu Dankeschön-und Oasentagen ein. Ehrenamtlich betätige sie sich als Hospizbegleiterin und Notfallseelsorgerin.
Irmgard Haas referierte frei, mit angenehmem bairischen Akzent, und gewann sofort die Aufmerksamkeit aller Besucher.
Was bedeutet „Kirche“? Mit dieser Fragestellung begann sie ihren Vortrag, und die Antwort gab sie gleich selbst: Kirche ist auf vier Säulen gegründet und das ist auch ihr Auftrag: Verkündigung, Liturgie, Gemeinschaft und Diakonia, das meint tätige Nächstenliebe.

 

In evangelisch geprägten Gegenden ist diese tätige Nächstenliebe in Diakonieeinrichtungen organisiert, in katholischen Gegenden wie Oberbayern, mehr bei der Caritas. Ehrenamtliche übernehmen verschiedene soziale Aufgaben, wie Nachbarschaftshilfe, Besuchsdienste in Altenheimen oder Organisation von Seniorennachmittagen. Neue Aufgaben sind dazugekommen, die Ehrenamtliche nicht mehr professionell leisten können. Für die vielfältigen komplexen Probleme in der gegenwärtigen Gesellschaft braucht es gut ausgebildete Fachleute. Sie arbeiten wie Irmgard Haas in einer sozialen Einrichtung wie dem hiesigen Caritas-Zentrum, das zuständig ist für die Stadt Dachau und den Landkreis Dachau.

 


Die Referentin erzählte anschaulich von den Anfängen der kirchlichen Einrichtung in unserer Stadt. Diese begann 1945 als erste organisierte Caritasstelle in Oberbayern. 12.000 Flüchtlinge, darunter 3.300 Kinder unter 12 Jahren, litten nach dem Krieg in den Baracken des ehemaligen Konzentrationslagers unter Kälte, Heimatverlust, Hunger und Wohnungsnot. Die erste Fürsorgerin, die sich um diese armen Menschen kümmerte, war Frau Margarete Franze. Zu Fuß erbettelte sie Lebensmittel in der Stadt und auf dem Land. Im Rucksack schleppte sie die gehamsterten Waren in das Lager. Erst 1950 konnte sie mit einem Fahrrad unterwegs sein. Die Krypta unter der Kirche St. Jakob diente damals als Sammellager und war die erste offizielle Stelle. Von hier aus wurden die Spenden verteilt. In den ersten 14 Jahren nach Kriegsende wurden deutschlandweit pro Minute ein Zentner Lebensmittel gespendet.

1952 kamen zwei Ordensschwestern der Caritas socialis aus Wien zur Fürsorge. Diakon Fritz Koeniger war der erste Geschäftsführer der Caritasstelle in der Augsburger-Straße. Dort wurde zunächst eine allgemeine soziale Beratung angeboten. Diese finanzierte sich durch Sammlungen. Dann kam die Eltern- und Jugendberatung dazu. 1974 wurde die Sozialstation eingerichtet. Mit drei Schwestern konnte ein ambulanter Pflegedienst angeboten werden. 1977 wurden die Angebote mit „Essen auf Rädern“ erweitert. Zuerst wurden täglich 170 Essen ausgefahren. Gegenwärtig ist die Anzahl wegen verschiedener weiterer Anbieter geringer.

Die erste Kurzzeitpflegeeinrichtung Deutschlands entstand im Pfarrheim Mariä Himmelfahrt, das auf Veranlassung von Stadtpfarrer Josef Kölbl während der Sommerferien für diesen Zweck umgebaut wurde. Professionelle Pflegekräfte der Sozialstation und Ehrenamtliche der Pfarrei Mariä Himmelfahrt versorgten hier zweimal hintereinander für drei Wochen je 18 Pflegebedürftige rund um die Uhr, und die pflegenden Angehörigen konnten endlich einmal entlastet Urlaub nehmen. Diesen Dienst gibt es seit längerem nicht mehr. 1964 wurde das Altenheim „Marienstift“ eingeweiht.



Welche Hilfen bieten die hauptamtlichen Mitarbeiter im Caritas-Zentrum Dachau heute an?
Das sind:
Beratung für psychische Gesundheit
• Gerontopsychiatrische Beratung (Beratung für psychisch kranke, alte Menschen)
• Arbeitsprojekte für Menschen ohne Arbeit (großer Bereich)
• Suchtberatung
• Beratung für Asylbewerber und Flüchtlinge (seit 1993, inzwischen einer der größten Bereiche)
• Beratung von Menschen mit Behinderung (vernetzt mit der zuständigen Stelle im Landratsamt)
• Schuldner- und Insolvenzberatung
• Die Caritas unterhält Kindergärten und Kinderkrippen, eine Frühförderstelle und eine heilpädagogische Tagesstätte. Sie fördert die Inklusion von Kindern mit Behinderungen, damit diese eine Regelschule besuchen können. Dazu unterhält die Einrichtung einen Fahrdienst.
• Sie hat einen Hospizverein gegründet und schult ehrenamtliche Hospizbegleiter/innen.


Wie finanziert sich das Caritas-Zentrum?
Bei einigen Diensten läuft die Finanzierung über den Landkreis Dachau oder den Bezirk Oberbayern. In der Regel ist das keine 100%ige Refinanzierung, Dienste wie die allgemeine soziale Beratung werden überhaupt nicht bezuschusst. Von den Geldern aus den Haussammlung und der Kirchenkollekte, bei denen immer weniger Leute für die Caritas spenden, gehen 60% der Einnahmen an das Caritas-Zentrum und 40% an die Pfarrei St. Jakob. Diese Beträge reichen in keiner Weise für die vielfältigen sozialen Hilfsangebote. Deswegen wird die Caritaseinrichtung zusätzlich finanziert durch die Kirchensteuer und mit Zuschüssen von der Erzdiözese München und Freising.

 


Nach dem lebendigen Vortrag gab es aus dem Publikum noch einige Fragen zur Pflege von Familienangehörigen und zur Versicherung bei privaten Fahrdiensten. Die Referentin stellte Exemplare des Caritasmagazins „Sozialcourage“ zur Verfügung. Darin kann man über das Caritas-Zentrum Dachau nochmals nachlesen. Über spezielle Angebote für ältere Menschen informiert die Broschüre „Treffpunkt 50+“.

Ursula Koch