Gesunder Schlaf

Andreas Eger am 4.März 2015

Diplom-Biologe Andreas Eger leitet das Schlaflabor im HELIOS Amperklinikum Dachau. Er hielt bei der Seniorenrunde von St. Jakob, Dachau, einen wissenschaftlich fundierten und interessanten Vortrag über die Ursachen von Schlafproblemen und die Voraussetzungen für einen gesunden Schlaf.

Zunächst erläuterte er, dass menschliches und tierisches Leben von Rhythmen bestimmt wird, die in gleichmäßiger Wiederkehr auftreten. Herzschläge, der Atem, der Wechsel von Hell und Dunkel, Tag und Nacht und die Jahreszeiten bestimmen den natürlichen Rhythmus. Aber der Mensch beeinflusst diesen auch selbst, indem er seinen Rhythmus von externen Taktgebern steuern lässt: Das sind Uhren, Kalender, das Metronom oder zum Beispiel beim Rudersport der Steuermann, der die Schlagzahl angibt. Die Intensität der Schwingungen nimmt deshalb zu, und Erholungsphasen durch Schlaf werden notwendig.
 


Ein gesunder Schlaf wird definiert durch den Tiefschlaf nach dem Einschlafen, durch Traumphasen und Aufwachphasen. Herr Eger räumte mit falschen Vorstellungen vom gesunden Schlaf auf und schilderte einige Beispiele, die besonders für Senioren relevant sind.

Schlafmythen
Falsch: Die ganze Nacht muss aus Tiefschlaf bestehen.
Richtig: Nur 15 -20 % der gesamten Nacht machen den Tiefschlaf aus. Mehrmaliges Aufwachen gehört zum gesunden Schlaf.

Falsch: Nach einer „schlechten Nacht“ muss der Schlaf nachgeholt werden.
Richtig: Verpasster Schlaf ist unschädlich.

Falsch: Der Schlaf vor Mitternacht ist der beste.
Richtig: Der Tiefschlaf ist unabhängig von der Einschlafzeit.

Falsch: Acht Stunden Schlaf sind notwendig, um erholt zu sein.
Richtig: Die Schlafdauer ist individuell verschieden.



Kurzschläfer benötigen 6 Stunden, Mittellangschläfer 6 – 9 Stunden, Langschläfer mehr. Ältere Menschen liegen länger und benötigen (theoretisch) wegen geringerer Tagesaktivität weniger Schlaf als Menschen im Arbeitsprozess. Über diese Erkenntnisse staunten viele der 60 Zuhörer. Dann waren sie gespannt, welche Tipps Herr Eger für einen gesunden Schlaf geben konnte.

Als Beispiele nannte er folgende

Regeln zur Schlafhygiene
• Behagliches Schlafzimmer
• Immer zur gleichen Zeit ins Bett gehen
• Nach 21 Uhr nichts Schweres, Fettes oder Scharfes essen
• Alkohol meiden, er vermindert den Tiefschlaf
• Kein Mittagsschlaf – oder wenn doch, dann höchstens 20 Minuten
• Ein guter Schlummertrunk ist Milch
• Den Ausklang des Tages harmonisch gestalten
• Der Geschmacksverstärker Glutamat kann schlafstörend wirken
• Mangel an Vitamin B3 und B6 kann Schlaflosigkeit auslösen

Therapie im Schlaflabor
Patienten mit Schlafstörungen werden gründlich untersucht, und danach wird ein Therapieplan aufgestellt. Eine Videopräsentation zeigte dieses Beispiel: Ein Patient leidet unter Atembeschwerden in der Nacht, d.h. er atmet unregelmäßig, und sein Atem setzt immer wieder aus (dies nennt man in der Schlafmedizin ein Schlafapnoesyndrom). Deswegen schläft er unruhig bzw. erwacht immer wieder für Augenblicke. Er bekommt nun für die Schlafenszeiteine Atemmaske, die mit leichtem Überdruck den Atemfluss regelt, und der Patient schläft ruhiger und wacht erholt auf.

Zum Schluss verteilte der Referent ein ausführliches Merkblatt mit Wissenswertem zum Schlaf und gab den rege mitdiskutierenden Besuchern diesen Vorschlag als nette Anregung:
„Nehmen Sie sich für den nächsten Morgen etwas Schönes vor! Schlafen Sie mit einem schönen Gedanken ein!“

Ursula Koch