Festgottesdienst zur feierlichen Segnung der neuen Kaps-Orgel durch Weihbischof Dr. Bernhard Haßlberger am Sonntag, 25. Oktober 2015, um 10.00 Uhr


 
„Die Freude über die Fertigstellung der neuen Orgel und ihre Segnung in einem festlichen Gottesdienst ist überall zu spüren. Es sind so viele Jahre vergangen, seit der Gedanke an eine neue Orgel geboren war. Manchmal schien es fast, als ob ihre Fertigstellung nur ein Ereignis in sehr ferner Zukunft sein würde. Aber nun ist der Tag da, und allenthalben besteht der Eindruck: Es ist ein sehr gelungenes Werk."  Treffender als mit diesen Worten von Pfarrer Borm kann man wohl nicht beschreiben, was die Pfarrangehörigen von Mariä Himmelfahrt an jenem Sonntag im Oktober empfunden haben.
 
Die Orgelbau-Firma Christoph und Matthias Kaps in Eichenau bei München hat mit einem Arbeitsaufwand von ca. 15.000 Stunden in zweieinhalb Jahren ein 500.000 Euro teures Meisterstück geschaffen. Die Orgel besitzt 3 Manuale (plus Pedal) mit 41 Registern. Mittels einer elektronischen Setzeranlage können viele tausend Klangfärbungen für verschiedene Spieler gespeichert und von diesen ohne Unterbrechung des Spielflusses per Knopfdruck oder Fußtaster abgerufen werden.  Insgesamt 2.530 Pfeifen stehen zum Klingen bereit. Die größte ist 5,30 m lang und wiegt 85 kg; die kleinste mit einer Länge von 5 mm bringt es gerade mal auf 10 g. Orgelbauer Matthias Kaps erklärte: „Es ist jetzt schon für uns das größte Projekt überhaupt! Wer weiß, ob wir jemals so etwas Großes wieder bauen können.“

Karl Maureen, Professor für Orgelliteraturspiel und Orgelsachverständiger, beurteilt das Resultat als: „eine Orgel, die in ihrer klanglichen und technischen Qualität internationale Vergleiche nicht zu scheuen braucht." Ihm, dem Organisten, sind neben dem Wohlklang auch handwerkliche Details ein großes Lob wert, und zwar Details, an die der Zuhörer überhaupt nicht denkt. So preist Maureen die Werkstatt Kaps z.B. wegen ihrer kunstvollen Ausführung der Trakturen, also des mechanischen Übertragungsweges von den Tasten zu den Pfeifenventilen. Der Organist kann den Tastenanschlag auf diese Weise sehr kontrolliert betätigen. Er fühlt sich wohl auf den Tasten. Auch bei der Auswahl des Baumaterials spart Maureen nicht mit Anerkennung: Das von Kaps gut ausgesuchte Tierknochenmaterial für die Tastenbeläge beispielsweise garantiert, dass die Finger des Organisten beim Spielen weder "kleben" noch abrutschen.

Und ein erstes Resümee des Musikkritikers Adolf Karl Gottwald in der „Süddeutschen Zeitung“ vom 21.10.2015 lautet:
„Alle Erwartungen, selbst außerordentlich hoch gespannte, dürften erfüllt oder übertroffen werden… Klang und Volumen versprechen einzigartige Konzerte… Sie wird wohl bald den Ruf als eine der bemerkenswertesten Orgeln zumindest in ganz Südbayern genießen.“
 
Am 25. Oktober 2015 im Festgottesdienst um 10.00 Uhr wurde das Instrument zum ersten Mal öffentlich vorgestellt und von der Gemeinde mit staunender Begeisterung in Besitz genommen. Der Ablauf dieses Gottesdienstes mit der Segnung und Einweihung war - ganz dem großen Ereignis entsprechend - prachtvoll gestaltet:
 
Auftakt beim Einzug, Chor – noch ohne Orgel  
Friedrich Silcher (1789-1860) • „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn“
 

Begrüßung durch den Weihbischof
"Man nennt die Orgel die "Königin der Instrumente". Ja, sie ist in vielerlei Hinsicht eine Königin. Einmal vom Klang her, von der Musik, aber auch vom Bauwerk her. Es ist ein kompliziertes Instrument. Und natürlich auch von den Kosten. Eine Orgel kostet viel. Und so möchte ich mich dem Herrn Pfarrer anschließen und mein Dankeschön sagen. Ich danke denen, die sich um diese Orgel gekümmert haben, die immer wieder angeschoben haben, die Überzeugungsarbeit geleistet haben. Ich danke denen, die die Orgel gebaut haben. Und ich danke vor allem auch denjenigen, die durch ihre Spenden beigetragen haben, dass dieses Werk überhaupt entstehen konnte, und dass jetzt die neue Orgel heute hier zum ersten Mal erklingt. Die Orgel hat für uns keinen Selbstzweck, sondern sie steht in der Kirche, damit sie uns immer wieder ermuntert und unterstützt im Lobpreis unseres Gottes."



Feierliche Segnung durch den Weihbischof

 
„Gütiger Gott, segne diese Orgel, damit sie zu deiner Ehre ertöne und unsere Herzen emporhebe zu dir. Wie die vielen Pfeifen sich in einem Klang vereinen, so lass' uns als Glieder deiner Kirche in gegenseitiger Liebe und Geschwisterlichkeit verbunden sein, damit wir mit allen Engeln und Heiligen in den ewigen Lobgesang deiner Herrlichkeit einstimmen.“
 
 
 
Erstes Orgelspiel
J. S. Bach (1685-1750) • Präludium in G-Dur BWV 568

Gloria
  
aus Louis Vierne (1870-1937) • "Messe solennelle“ ("Festliche Messe") für Orgel und Chor

1. Lesung  
Jeremia 31, 7-9

Antwortgesang  
Singt dem Herrn ein neues Lied - GL 409, 1-4

2. Lesung  
Hebräerbrief 5, 1-6

Halleluja  
GL 174, 3

Evangelium  
Markus 10, 46-52
 
Ansprache
Der Weihbischof spannte in seiner Predigt einen interessanten Bogen. Er begann mit dem aktuellen Ereignis, mit der Orgeleinweihung und den kritischen Stimmen hierzu: „Ein so teures Instrument! Kostet so viel Geld! Muss das denn sein? Was könnte man mit diesem Geld nicht alles anfangen? Tut’s nicht auch für den Gottesdienst ein einfacheres Instrument, nur zum Liederbegleiten? Ich denke mir, das heutige Evangelium gibt uns einen Fingerzeig auf das, was eine Orgel bedeutet und bedeuten könnte. Jesus begegnet dem blinden Bettler Bartimäus auf Augenhöhe: mit Aufmerksamkeit, mit Zartheit, mit Sensibilität. Wie ein Mensch zum Menschen, so geht Gott auf uns zu. Der Blinde darf selbst sagen, was ihm fehlt und was er haben möchte. Gott mag uns. Er, der große Gott, liebt uns Menschen, alle Menschen – auch und gerade die Kleinen und die, die ganz unten sind. Diese Botschaft seiner Liebe unter die Menschen zu bringen, ist unsere Aufgabe.

Im Gottesdienst feiern wir seine Liebe. Und zu seinem Lobpreis ist die Orgel das richtige Instrument. Die Orgel kann uns dabei mitnehmen, kann uns unterstützen. Die Orgel bringt etwas Festliches in den Gottesdienst hinein. Aber die Orgel steht uns auch dann bei, wenn wir trauern, wenn wir in Leid sind. Da fehlt uns nämlich oft die Stimme. Die Orgel kann dann unsere Trauer zu Gott tragen.“

Im Segensgebet für die Orgel heißt es: „Wie die vielen Pfeifen dieser Orgel sich in einem Klang vereinen, so lass' uns als Glieder deiner Kirche in gegenseitiger Liebe und Geschwisterlichkeit verbunden sein.“ Wir dürfen uns an der Harmonie der Orgelpfeifen ein Beispiel nehmen: Orgelpfeifentöne könnten nämlich auch zu einem Missklang verschmelzen. Aber wenn man sich in der Gemeinde um Harmonie bemüht, wenn man die Unterschiedlichkeit der Mitchristen nicht als etwas Negatives sondern als Chance wertet, dann erreichen wir Harmonie.

Credo
  
GL 122

Gabenbereitung  
William Wolstenholme (1865-1931) • Allegretto

Sanctus/Benedictus  
aus Louis Vierne „Messe solennelle“



Agnus Dei  
aus Louis Vierne „Messe solennelle“

Zur Kommunion  
Margaretha de Jong (*1961) • Berceuse

Danklied  
Nun danket alle Gott - GL 405, 1-3
 
Zum Auszug  
Nicolas J. Lemmens (1823-1881) • Triumphmarsch
 
Zelebranten: Weihbischof Dr. Bernhard Haßlberger, Pfarrer Wolfgang Borm, Diakon Günter Gerhardinger
Lektoren: Karl Mayrhofer, Barbara Knöpfle
An der Orgel: Prof. Karl Maureen, München
Es sangen: der Chor Mariä Himmelfahrt und der Dachauer Kammerchor
Die Musikalische Leitung hatte Rainer Dietz
 
Nach dem Auszug des Altardienstes nahm die Gemeinde wieder Platz, damit alle der abschließenden Orgelmusik aufmerksam zuhören konnten. Zum Auszug der Gemeinde läuteten dann sogar die Glocken.
 
 
Anschließend an den Gottesdienst fand ein Festempfang im Kirchensaal statt.
Ab 14.30 Uhr war zur Orgelführung eingeladen – mit Orgelbaumeister Christoph Kaps und Kirchenmusiker Rainer Dietz.
Das Tagesprogramm zur Orgelweihe endete mit dem 1. Orgelkonzert von Prof. Karl Maureen, München,
das um 19 Uhr begann.
 
 

 
Liebe Schwestern und Brüder in der Pfarrgemeinde Dachau - Mariä Himmelfahrt!

Zunächst einmal gratuliere ich Ihnen ganz herzlich zu Ihrer neuen Orgel. Für eine Pfarrgemeinde ist es immer eine große Anstrengung, sich eine neue Orgel anzuschaffen; denn sie ist nicht nur ein kompliziertes, sondern auch ein sehr teures Instrument. Aus Ihrer Mitte haben viele Frauen und Männer geplant und tatkräftig geholfen, dass dieses neue Werk verwirklicht werden konnte. Nicht zuletzt haben viele von Ihnen großzügig gespendet. Ohne diese Spenden wäre jede Mühe umsonst gewesen. Ihnen allen ein herzliches „Vergelt’s Gott!“ dafür!


Dr. Bernhard Haßlberger
Bischofsvikar für die Seelsorgsregion Nord
 

Dieter Reinke (Text)  
Erwin Kopf (Fotos)  

 
 
Jetzt als Video auf YouTube: "Eine Orgel wird gebaut –
Neue Kirchenorgel für Mariä Himmelfahrt Dachau"
Das Münchner Kirchenfernsehen (Sankt Michaelsbund) hat die Entstehung der Kaps-Orgel von Mariä Himmelfahrt begleitet und sämtliche Bauphasen dokumentiert. Die Sendung wurde am 31.10.2015 im Landesfenster von RTL Bayern ausgestrahlt. Das Video (18 Minuten) bleibt dauerhaft für jedermann unter folgenden Linkadressen erreichbar: https://www.youtube.com/watch?v=e38NIJm1oNg oder
https://www.youtube.com/watch?v=-sdNOSJGTOA

 
 
 
Festschrift zur Orgelweihe am 25. Oktober 2015
„Die Kaps-Orgel der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt Dachau“

Das Kirchenmusikbüro der Pfarrei Mariä Himmelfahrt hat zu dem erfreulichen Anlass ein Heft mit 28+4 Seiten herausgegeben. Es kann gegen eine Schutzgebühr von 2 EUR erworben werden, solange der Vorrat reicht.
Aus dem Inhalt: Grußworte. Programm des Festgottesdienstes. Beschreibung des Arbeitsablaufs und des Innenlebens des Instruments (mit zahlreichen Abbildungen) durch die Orgelbauer Christoph und Matthias Kaps. Disposition und Technische Daten der neuen Kaps-Orgel. Programmfolge des 1. Konzerts zur Einweihung der neuen Kaps-Orgel. Die Vorgängerinstrumente in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt seit 1956. Die nächsten Konzerte. Die Mitglieder des Orgelbauförderkreises und die Pfeifenpatenschaften.
 
 
♦  Beschreibung der Orgel in allen Details durch Christoph und Matthias Kaps  ♦