Erstes Konzert zur Einweihung der neuen Kaps-Orgel mit Prof. Karl Maureen, München

 
 

Der Organist des 1. Konzerts an unserer neuen Kaps-Orgel, Karl Maureen (*1938), ist emeritierter Professor für Orgelliteraturspiel. Er war Leiter des Fachbereichs Orgel- und Kirchenmusik an der Augsburger Hochschule für Musik und unterrichtete am Leopold-Mozart-Zentrum in Augsburg.

Bis heute leitet er Meisterkurse und Seminare. Maureen wurde zu zahlreichen bedeutenden Konzertereignissen in ganz Europa und darüber hinaus eingeladen. Er war und ist daneben immer wieder Jurymitglied bei internationalen Orgelwettbewerben.

Durch seine Vertrautheit mit den mannigfachen europäischen Orgelbau-Stilen kann er bis heute der Erzdiözese München und Freising maßgebend als Orgelsachverständiger dienen.

Und als Titularorganist an der Herz-Jesu-Kirche in München-Neuhausen mit ihrer großen Woehl-Orgel hält er die Verbindung mit der liturgischen Praxis.
 

Maureen ist einer der Vielseitigsten unter den Orgelvirtuosen unserer Tage. Ihn reizen die historischen Spielpraktiken bei "Alter Musik" genauso wie die kunstgerechte Interpretation der symphonischen Literatur der Romantik und ebenso die werkgerechte Präsentation von Klangschöpfungen zeitgenössischer Komponisten.

Da er Schüler von Karl Richter war, ist es nicht verwunderlich, dass für ihn die Auseinandersetzung mit dem Orgelwerk J. S. Bachs immer eine ganz wichtige Rolle gespielt hat. Bachs Gesamtwerk hat Maureen wiederholt aufgeführt.

In seinem Repertoire finden sich daneben hunderte Werke seit den Anfängen der Orgelkunst, darunter die Gesamt- bzw. Hauptorgelwerke von Mozart, Mendelssohn Bartholdy, Liszt, Franck, Hindemith, Reger, Messiaen u.a.

Auf seiner Homepage sind für das laufende Jahr rund 30 Konzerte verzeichnet.
 
Karl Maureens Programm am 25.10.2015:

Nicholas Choveaux (1904-1995)
• Marsch, Meditation, Introduction und Toccata
über: „Lasst uns erfreuen herzlich sehr“

Johann Pachelbel (1653-1706)
• Magnificat im 8. Ton (8 Verse)

Arthur Piechler (1896-1974)
• Salve regina

Johann Sebastian Bach (1685-1750)
• Magnificat-Fuge BWV 733
• Choralvorspiel “Schmücke dich, o liebe Seele“
BWV 654

Léon Boëllmann (1862-1897)
• Prière à Notre Dame

Denis Bédard (*1950)
• Variationen über: „Lasst uns erfreuen herzlich sehr“
 

Diese Programmfolge des Konzerts umspannte den Zeitraum vom 17. bis zum 20. Jahrhundert – mit Werken von Johann Pachelbel (1653-1706) bis Denis Bédard (*1950). Mit voller Absicht hat Prof. Maureen dabei aber nicht die chronologisch fortschreitende Reihenfolge eingehalten, sondern Kontrastierendes und Kongruentes ganz bewusst aneinandergereiht bzw. aufeinandertreffen lassen. Brillant konnte er seinem Publikum mit jedem einzelnen Takt seine hohe virtuose Meisterschaft sowie seine stilistische Kompetenz und souveräne Professionalität unter Beweis stellen. Maureen bezauberte die Zuhörer in unserer Pfarrkirche durch faszinierend sensibles Einfühlungsvermögen in seinem Spielvortrag, und er brillierte mit fantasievoller und dabei dennoch stets absolut werkgerechter Registrierkunst.
 
Für jeden Bewunderer der Kunst des Orgelspiels gereichte es bei diesem Konzertereignis zum zusätzlichen Genuss, dass man optisch per Video-Übertragung jede Aktion des Organisten und seiner Assistentin auf der Leinwand beobachten konnte. Oberministrant Andreas Kopf gestaltete die Bildführung wie ein routinierter TV-Profi, der anscheinend sogar die Notenbücher zur Hand hatte. Denn die Einstellungen zeigten immer akkurat das, was gerade beachtenswert war.
 


Die Zuhörer werden die eindrucksvollen Klänge noch lange im Ohr und im Herzen bewahren - na ja, mindestens wohl bis zum folgenden Sonntag, denn an jedem kommenden Sonntag ab sofort wird die neue Kaps-Orgel ihrem Gehör erneut schmeicheln. Die Besucher des Maureenkonzerts dankten dem Organisten dieses 1. Konzerts mit stehenden Ovationen. Und sie "erkämpften" sich damit noch zwei Zugaben des Meisters.

Prof. Karl Maureens Urteil über unsere neue Orgel:
„Als Orgelsachverständiger der Erzdiözese habe ich die große Freude, in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Dachau den Neubau dieser Orgel aus der Werkstätte Kaps begleiten zu können, einer Orgel, die in ihrer klanglichen und technischen Qualität internationale Vergleiche nicht zu scheuen braucht. Dazu gratuliere ich der Pfarrgemeinde ganz herzlich.“
Ihm, dem Organisten, sind neben dem Wohlklang auch handwerkliche Details ein großes Lob wert, und zwar Details, an die der Zuhörer überhaupt nicht denkt. So preist Maureen die Werkstatt Kaps z.B. wegen ihrer kunstvollen Ausführung der Trakturen, also des mechanischen Übertragungsweges von den Tasten zu den Pfeifenventilen. Der Organist kann den Tastenanschlag auf diese Weise sehr kontrolliert betätigen. Er fühlt sich wohl auf den Tasten. Auch bei der Auswahl des Baumaterials spart Maureen nicht mit Anerkennung: Das von Kaps gut ausgesuchte Tierknochenmaterial für die Tastenbeläge beispielsweise garantiert, dass die Finger des Organisten beim Spielen weder "kleben" noch abrutschen.
 
 
Bericht von Dieter Reinke 
mit Fotos von Erwin Kopf