Orgelkonzert Gudrun Forstner

 
Das Dachauer Josef-Effner-Gymnasium bot im Schuljahr 2015/2016 eine bemerkenswerte Veranstaltungsreihe an. Derzeitige und ehemalige Lehrkräfte des JEG sowie externe Referenten präsentierten nicht nur allgemein verständliche Vorträge zu ihren Spezialgebieten, sondern es waren auch verschiedene Musik- und Kulturdarbietungen im Programm. Alle diese Veranstaltungen waren öffentlich, der Eintritt war immer frei. Und der Erlös aus den freiwilligen Spenden der Besucher kam der wissenschaftlichen Reihe der Schule zugute.

Als Schlusspunkt in diesem Kontext hatten Oberstudiendirektor Dr. Kurt Stecher und unser Kirchenmusiker Rainer Dietz zu einem Orgelkonzert mit der Musiklehrerin und Konzertorganistin Gudrun Forstner am 23. April 2016 in unsere Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt eingeladen. Und unsere Pfarrei besitzt ja bekanntlich seit Oktober 2015 eine nagelneue, hochkarätige Orgel aus der Orgelbauwerkstatt Kaps in Eichenau.

Gudrun Forstner wollte bei dieser Gelegenheit ihren Schülerinnen und Schülern und natürlich auch den Pfarrangehörigen die vielfältigen Möglichkeiten unseres wunderbaren Vorzeigeinstruments vorstellen. Sie wollte die grandiosen Trümpfe, die volle Bandbreite seiner unterschiedlichen Klangfarben vorführen. Und das gelang ihr auch brillant. Sie hatte dafür Kompositionen von Dieterich Buxtehude, Johann Sebastian Bach, Placidus Metsch, Felix Mendelssohn Bartholdy und Franz Liszt ausgewählt.

Äußerst eindrucksvoll zeigte sich die Virtuosität der Künstlerin bereits in ihrer höllisch flinken und gelenkigen Fingerfertigkeit - gepaart mit souveräner Sicherheit - einerseits. Andererseits faszinierte der Einfallsreichtum und der blitzschnelle Wechsel bei der Registrierung, und das ganz besonders in Liszts B-A-C-H-Fuge. Für diese unheimlich raschen Veränderungen der Registerkombinationen benötigte sie - dank der Elektronik - nicht einmal die Hilfe eines Registranten. Bei aller technischen Perfektion durften die Zuhörer aber obendrein vor allem einer Sternstunde geistlicher Musik beiwohnen.

Gudrun Forstner folgte im Übrigen einige Male nicht blindlings einfach der Vorgabe des Komponisten. Beispielsweise wandelte sie die Triolenzwischenspiele in dem wunderschönen Bachchoral „Jesus bleibet meine Freude“ verschiedentlich rhythmisch interessant ab. Sie spielte die Achtelnoten in den 9/8-Takten keineswegs starr in jedem Fall gleich lang durch. Stattdessen betonte und verlängerte sie hin und wieder das erste Achtel und verkürzte dafür das zweite und dritte. Frau Forstner bezauberte eben auch durch ihre autonome Interpretation.

Sehr lang anhaltender, kräftiger Applaus dankte der erstklassigen Künstlerin. Und sie schenkte den Zuhörern im Gegenzug den Hochgenuss von zwei Zugaben, nämlich vortrefflichen Improvisationen zur Bayernhymne und zu einem volkstümlichen Abendlied.
 Dieter Reinke   




  Das vollständige Programm von Gudrun Forstners Orgelkonzert am 23.04.2016 


Detaillierte Beschreibung der neuen Kaps-Orgel