Was wird aus mir, wenn ich gestorben bin?

Michael Raz am 9. November 2016

Das anspruchsvolle Thema der Veranstaltung fand großes Interesse. Pastoralreferent Michael Raz setzte sich mit dieser Frage zum ersten Mal bei einem Vortrag vor älteren Menschen auseinander. Er konnte mit seinen gut verständlichen und lebensnahen Ausführungen Ängste, Zweifel und Fragen ansprechen. Von Anfang an betonte er, dass er Antworten darauf nicht geben könne. Auf Grund seines Glaubens habe er in der Bibel nach Stellen gesucht, die Aufschlüsse geben könnten.


Ausgangspunkt seiner Überlegungen war die Frage: „Warum werde ich alt und muss sterben?“ Am Anfang der biblischen Schöpfungsgeschichte vom Menschen wird erzählt, wie Adam und Eva paradiesisch leben. Mit dem Sündenfall und der Vertreibung aus dem Paradies werden ihnen und ihren Nachkommen Mühsal, Alterung und Sterben auferlegt. Auslöser ist die Schlange, die Adam und Eva verführt. Die Schlange war im antiken Ägypten sinnbildliche Gestalt für die Göttin der Weisheit. Durch die Heirat König Salomons mit einer ägyptischen Prinzessin kam ein neuer Götterglaube zum Volk Israel. Die Erzählung von der Schlange im Buch Genesis mahnt das Volk Israel, sich nicht vom Glauben an seinen Gott abzuwenden und die Gesetze zu beachten. Aus Ägypten übernahmen die Israeliten die Vorstellung von einem Totenreich oder Schattenreich. Ganz allmählich entwickelte sich der Glaube, dass Gutes tun belohnt und Schlechtes tun bestraft wird.
Die Urkirche erwartete eine nahe Wiederkunft von Jesus. Da diese aber nicht eintraf, entwickelte sich die Vorstellung vom Jüngsten Tag, an dem alle Menschen gerichtet werden, auch jene, die vor Jesus Wiederkunft gestorben sind.
Hauptfragen der Menschen waren über Jahrhunderte folgende: „Wie finde ich einen gnädigen Gott?“ und „Was geschieht mit den bösen Menschen?“ Schreckliche Vorstellungen von Hölle und Fegefeuer jagten den Menschen Angst vor dem Sterben ein. Grausame Strafen drohen nach heutiger Lehrmeinung der Kirche den Menschen nicht, denn verkündigt werde ein barmherziger Gott. Nach den theologischen Auslegungen von Papst Benedikt XVI. reflektiert der Mensch nach dem Tod in einer kurzen Zeitspanne über sein vergangenes Leben. Das ist die Phase seiner Läuterung. So tritt er ein in das ewige Leben bei Gott, in dem es keine Zeit mehr gibt.


Der Referent gab den sehr interessierten Zuhörern einige Texte in die Hand, in dem Bibelstellen aus dem Alten und Neuen Testament zitiert waren, die aussagen, was nach dem Tod sein wird. In der Alttestamentlichen Phase 1 wird dem Menschen verkündet, dass er sich mit seinen Vorfahren vereinigen wird. In Phase 2 wird ein ewiges Leben bei Gott verkündet. In Phase 3 wird von einer leiblichen Auferstehung berichtet. In Phase 4 wird den Guten das ewige Leben verheißen und den Bösen ewige Schmach und Schande.
Im Neuen Testament berichten die Evangelien, wie Tote von Jesus auferweckt wurden. Sie lassen Jesus vom Reich Gottes sprechen, in das derjenige komme, der von „neuem geboren wird“. Der Evangelist Johannes zitiert eine Stimme, die vom Himmel her ruft. Sie offenbart, wie der Himmel aussehen werde, und sie verkündet, dass dort Gott unter den Menschen wohnen werde. „Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal.“

In den Diskussionen untereinander und mit dem Referenten kam heraus, dass die heutigen älteren Menschen noch mit der Androhung von Hölle und Fegefeuer aufgewachsen waren. Die Angst vor dem Strafgericht und die Frage, ob eine Feuerbestattung von kirchlicher Seite aus zulässig sei, beschäftigt viele.
Michael Raz äußerte die Hoffnung, dass er seine Zuhörer mit seinen Ausführungen habe beruhigen können. Zum Abschluss las er ein Gedicht von Marie Luise Kaschnitz, die im Leben nach dem Tode „die freigewordene Liebe“ erwartet.

Ursula Koch