Geschichten um Dachauer Persönlichkeiten

Anni Härtl am 12. September 2018

In und an der Kirche St. Jakob in Dachau lässt sich an prächtigen Grabplatten und Gedenksteinen der herausgehobene Stand ehemaliger, hoch angesehener Bürger der Stadt ablesen. Von drei Bürgern und über eine bedeutende Künstlerfamilie erzählte die Referentin Anni Härtl in ihrem lebendigen Vortrag.


Zunächst ging sie auf den Bierbrauer und Weinwirt Josef Benedikt Schmetterer (1730-1801) ein. Sein auffallender Gedenkstein neben dem Seitenaltar des hl. Josef ist mit einer Büste gestaltet. Der Vater war als Braugeselle nach Dachau zum Bierbräu Freitag gekommen. Als sein Dienstherr gestorben war, heiratete er die Witwe nach der damals üblichen Trauerzeit. Damit wurde er selbständiger Bierbrauer, und er bekam das Bürgerrecht der Stadt. Er hatte gelobt, eine Kapelle zu bauen, die dem Hl. Johann Nepomuk geweiht werden sollte. Erst als seine Frau und die zwei Kinder starben, ließ er jene Kapelle an der Amperbrücke bauen. Nach dem Tod seiner zweiten Frau stattete er die Kapelle mit einer Stiftung aus, mit der Auflage, dass täglich der Rosenkranz zu beten sei. Dazu sollten Wachskerzen an der Statue des Hl. Nepomuk aufgestellt werden. Die Kapelle wurde im Zuge der Säkularisation abgebrochen. Die Heiligenfigur ist heute in der Gottesackerkapelle angebracht. Schmetterers Sohn Joseph Benedikt durfte Papst Pius VI, Kurfürst Karl Theodor und den Freisinger Bischof auf ihrer Durchreise auf dem Kirchplatz bewirten. Dies war eine besondere Ehre, denn damals hielt man mit der Postkutsche gewöhnlich in Schwabhausen.

Die imposante Grabplatte des Georg Schwanckhler (um 1535-1606) zeigt, welch bedeutender Bürger er gewesen war. Auf dem Relief knien er und seine Familie unter einem Kreuz, im Hintergrund ist der gotische Marktplatz zu sehen. Georgs Vater Hans Schwanckhler war bereits durch Kauf von einem Grundstück, Ackerland und zwei Häusern ein wohlhabender Bürger gewesen. Als Kastner von Dachau hatte er das Kastenamt mit einer Gaststätte errichten lassen. Er war also herzoglicher Finanzbeamter und Gastwirt gewesen. Sein Sohn Georg wurde ebenfalls Kastner, Gastwirt und Verwalter des Klosters Altomünster sowie des Schlosses in Dachau. Als vermögender Mann stiftete er ein Kapital, dessen Zinsen neun armen, bürgerlichen Kindern eine gute Schulbildung ermöglichten. 1909 wurde eine Straße nach ihm benannt.

Die bedeutendste Grabplatte von allen ist die von Dr. Wilhelm Jocher (1565-1636). Das Epitaph ist sehr opulent aus rotem Marmor gemeißelt. Darauf sind die Namen Guilielm Jocher, Maximiliano und Anne Mitterspacherin (Jochers Ehefrau) eingraviert. Maximilian war zu der Zeit Herzog von Bayern und Kurfürst. Daraus ersieht man schon, welche Bedeutung Wilhelm Jocher hatte. Dieser stammte aus einer wohlhabenden Familie im Salzburger Land. Er studierte in Ingolstadt Jura, promovierte und begegnete Maximilian, der ebenfalls dort studierte. Dr. Jocher machte eine bemerkenswerte Karriere. Nach seiner Zeit am Reichskammergericht in Speyer berief ihn Maximilian an seinen Hof. Jocher wurde Geheimer Rat und Pfleger, somit wichtigster politischer Mitarbeiter des Herzogs, und dazu noch ein Spitzenverdiener. Das Pflegeramt in Dachau war für ihn nur eine Nebenstelle. Außer einer Wohnung in München besaß er ein Haus in Dachau, wo er gerne verweilte. Er setzte sich dafür ein, dass die für den wachsenden Ort zu klein gewordene Kirche St. Jakob erweitert werden konnte. Dazu nutzte er seine Verbindungen zum Hof und spendete reichlich Geld. Jocher stiftete eine Grabkapelle an der Südseite der Kirche und eine Kapelle Heilig Kreuz auf dem neuen Friedhof. Er machte sich mit einer Almosenstiftung für die Armenfürsorge verdient. In seinem Testament verfügte er den Bau eines Spitals. So wurde er ein wahrer Wohltäter für Dachau. Für den Bau der Friedhofskapelle gewann er den Vater der damals berühmten Künstlerfamilie Krumpper.

Die Familie Krumpper hatte eine Werkstatt in Weilheim. Sie war für Kirchen und Klöster im Pfaffenwinkel tätig. Adam Krumpper (1542/43-1624/25) machte eine Lehre als Bildhauer, Bossierer, Ton- und Stuckplastiker in München. Als 20-Jähriger schnitzte er eine Kreuzigungsgruppe für die Dachauer Schlosskapelle. Nach dem Teilabbruch des Schlosses war dieses künstlerisch wertvolle Werk jahrelang auf „Wanderschaft“. Zunächst kam es in die Friedhofskapelle, dann in die Kirche St. Jakob, später in das Alte Rathaus. 17 Jahre befand sich die Kreuzigungsgruppe im Bezirksmuseum, und nun hat sie endgültig einen angemessenen Platz in der Kirche St. Jakob. Adam Krumpper arbeitete als Kistler für Herzog Wilhelm V., und er brachte seinen begabten Sohn Hans am Hofe unter. Dieser heiratete die Tochter des Hofbaumeisters Sustris und hatte so eine bedeutende Stellung inne. Hans Krumpper wurde der Architekt und Stuckateur des Neubaus der Kirche St. Jakob. In der Friedhofskapelle, ebenso einem Bau von ihm, hing die Kreuzigungsgruppe seines Vaters Adam. So kann sich Dachau rühmen, dass in der Stadt die berühmte Künstlerfamilie Krumpper tätig war. Nach dem interessanten Vortrag meinten einige der Zuhörer, dass sie sich die Grabsteine bei Gelegenheit genau anschauen wollten.
Ursula Koch