Die Geschichte des Kaffees

Wolfgang Hartmann am 6. März 2019



Von der Plantage bis zur Kaffeehaus-Kultur
Nach Erdöl ist Kaffee heute das zweitwichtigste Handelsprodukt der Welt. Gut 8 Millionen
Tonnen im Wert von 14 Milliarden US-Dollar werden jedes Jahr weltweit produziert. Dieser
Kaffee wächst auf 15 Milliarden Bäumen auf 10 Millionen Hektar Anbaufläche in Afrika, Mittel- und Südamerika.
Kaffeebäume können bis zu 15 Meter hoch werden. Meist schneidet man sie aber auf ca. 2
Meter Höhe zur leichteren Pflege und Ernte. Von ca. 124 bekannte Kaffeepflanzen sind
aber nur Arabica und Robusta für den Anbau bedeutend.

Jede Frucht, die Kaffeekirsche, enthält zwei Kaffeebohnen. Diese werden nach der Lese, überwiegend per Hand, aus den Früchten entfernt, gewaschen und getrocknet. Der so gewonnene Rohkaffee kommt in Jute- oder Sisalsäcken zu uns. Vor dem Verkauf wird er geröstet, und erst dann erhält er seinen typischen aromatischen Geschmack.
Wie ist das Getränk Kaffee entstanden? Eine erste Antwort geben ein paar wild gewordene
Ziegen einer Legende nach, die vor dem 9. Jahrhundert in Athiopien aufkam:
Dem Ziegenhirten Kaldi aus der Region Kaffa war seine Herde entlaufen. Als er die Tiere
endlich in einem abgelegenen Wald wiederfand, benahmen sie sich seltsam. Sie tanzten und
vollführten tollkühne Sprünge, nachdem sie von grünen Sträuchern mit kirschenähnlichen,
roten Früchten gefressen hatten. Tags darauf brachte Kaldi ein paar Zweige der Pflanze ins
nahe gelegene Kloster. Die Geistlichen hielten sie für Teufelszeug, und sie warfen die Früchte
ins Feuer. Ein betörender Duft stieg aus den Flammen. Schnell bedeckten die Mönche
die halbverbrannten Kerne mit Wasser, damit deren böser Geist nicht entfliehen konnte. Ein
paar Neugierige probierten das Gebräu und verbrachten die ganze Nacht in einem angeregten Zustand. Der Kaffee war geboren!

Der Genuss und die Zubereitung von Kaffee sind Geschmacksache. Wer sich etwas Gutes tun will, sollte auf 100 % Arabica Hochland Kaffee aus Äthiopien zurückgreifen. Abzuraten sei von Kaffee-Kapseln, Coffee-Pads und Coffee to go, um Geldbeutel und Umwelt zu schonen. .Bei der Beurteilung des Kaffeepreises sollte man den großen Arbeitsaufwand, die Frachtkosten und die zweimaligen Steuern berücksichtigen.
Der Referent ging auch auf die Wirkung von Kaffee auf die Gesundheit ein, und er räumte mit einigen weit verbreiteten Vorurteilen auf.

Kulturgeschichte des Kaffees und Kaffeehauskultur speziell in Wien
Historisch belegt ist, dass der Kaffee im 14. Jahrhundert zunächst in Athiopien bekannt war. Mitte des 15. Jahrhunderts gelangte er in den Jemen und wurde dort gepflanzt. In Aleppo in Syrien lernte der Augsburger Arzt und Botaniker Leonhard Rauwolf das bisher in Europa unbekannte Getränk kennen und erzählte davon 1582in seinem Reisebericht. 1637 wurde die erste Rohkaffeesendung in Amsterdam gelöscht. Der Kaffee verbreitete sich in Europa. Der große Durchbruch gelang dann 1683 nach der zweiten Belagerung Wiens durch die Türken. Nach der Befreiung Wiens ließen die Türken Säcke voll Kaffeebohnen auf ihrer Flucht zurück. Der Sage nach hatte Georg Franz Kolschitzky wichtige Informationen aus der Stadt zum kaiserlichen Entsatzheer geschmuggelt hat und so zum Gelingen der Befreiung beigetragen. Dafür erhielt er neben 200 Dukaten auch das Bürgerrecht, die Gewerbefreiheit und alle zurückgelassenen Säcke mit Kaffeebohnen. Jahrhunderte lang galt Kolschitzky deshalb als erster Kaffeesieder der Stadt. Das Wiener Kaffeehaus war geboren. 1784 gab es bereits 64 Kaffeehäuser in Wien.
Einige dieser Traditions-Kaffeehäuser existieren noch heute, und sie halten die alte Tradition mit besonderen Wiener Kaffeespezialitäten am Leben. Beim Herrn Ober bestellt man nicht einfach einen Kaffee, sondern einen kleinen oder großen Braunen, eine Melange, mehr licht oder dunkel, eine Schale Braun, oder Gold, oder einen Mokka. Soweit ist alles noch verständlich. Spezialwissen ist aber erforderlich bei den Spezialitäten wie: Kapuziner, Franziskaner, Einspänner, Fiaker, Konsul, Obermayer, Mariloman, Mazagran oder gar einem Maria Theresia.



Nach dem reichlich bebilderten Vortrag konnten sich die Besucher noch in einer kleinen Ausstellung weiter informieren. Es gab Bilder und Exponate von der Kaffee-Erzeugung und –Verarbeitung und von Wiener Kaffeespezialitäten , dazu original Kaffeesäcke, verschiedene Kaffeesorten und Rohkaffee zu sehen. Das nutzten einige Besucher auch zu interessanten Gesprächen.
Wolfgang Hartmann