"Miawachsnzamm" Teil 2 - Dachauer Vorüberlegungen und die Reaktionen auf die Strukturreformpläne


Die Mitglieder der Pfarrgemeinderäte und der Kirchen-
verwaltungen aus den Pfarreien des künftigen Pfarr-
verbands und die Seelsorger und Seelsorgerinnen der künftigen Seelsorgseinheit trafen sich zu einem Meinungs-
austausch am 15.07.2009 im Pfarrheim von Dachau - St. Jakob.

Dekan Pfarrer Borm bat die Anwesenden, sich nicht von den neuen Strukturen irritieren zu lassen. Das Pfarreileben solle in seiner Lebendigkeit erhalten bleiben. Jede Pfarrei könne auch in Zukunft ihre eigenen Feste (z.B. Pfarrfest, Patrozinium) feiern. Zusätzlich werde es aber auch Anlässe zum gemeinsamen Feiern geben. Das Ziel dieses ersten Treffens sei es, dass man sich gegenseitig kennenlernt, Gemeinsamkeiten entdeckt und unterscheidet zwischen Hoffnungen und Ängsten, Verzichtbarem und Unver-
zichtbarem. Alle hätten doch letztendlich das gleiche Ziel: geistliche Heimat zu finden und zu bewahren. Der Mensch stehe im Mittelpunkt. Wenn es uns gelinge, lebendige Gemeinden und Lust am Glaubensleben zu wecken und zu stärken, werde auch dieser neue gemeinschaftliche Weg glücken. Alle Betroffenen sollten die Chancen sehen und sich nicht von Ängsten lähmen lassen.

Die gewählten Gremien und Seelsorgsteams haben z. B. bei folgenden Aufgaben ein Gestaltungs- und Beschluss-
hoheitsrecht:
- Aushandeln und Abstimmen der pastoralen Ziele und Schwerpunkte
- Treffen von Vereinbarungen bezüglich Gottesdienstplan und Sakramentenpastoral
- Festlegen von gemeinsamen und eigenständigen Bereichen der Seelsorge.

In mehreren Gruppen wurden Impulsfragen diskutiert und die Ergebnisse auf Kärtchen festgehalten.

1.  Welche Befürchtungen und Ängste lösen die Pläne zum Zusammenschluss bei mir / in meiner
     Gemeinde aus?
- Wir wollen unseren Pfarrer nicht verlieren
- Sorge, dass der Pfarrer sich „aufarbeitet“
- Noch größere Belastung für die Hauptamtlichen
- Verlust persönlicher Seelsorge
- Verlust der „Heimat“ wegen wechselnder Priester beim Gottesdienst
- Verlust von (regelmäßigen) Gottesdienstangeboten
- Verwaltungsproblem (wegen Erreichbarkeit; zentrales Pfarrbüro)
- Abnahme von Qualität, da vieles zerstört wird
- Benachteiligung der Senioren
- Persönlicher Kontakt nimmt ab / schlechte Erreichbarkeit des Pfarrers
- „Auflösung der Gemeinde“ in den kleinen Filialkirchen

2.  Was sollte in meiner Gemeinde unbedingt eigenständig erhalten werden? Was ist besonders
     wertvoll bzw. unverzichtbar, was macht uns aus, was wollen wir auf keinen Fall verlieren?
- Die jeweiligen Gremien (KV, PGR) sollen erhalten bleiben
- Pfarrliche Traditionen (z. B. Pfarrfest, Fasching) müssen bleiben
- Eigene Gottesdienste, insbesondere sonntags und bei Hochfesten / die Fronleich-
   namsprozession
- Konstante Gottesdienstzeiten
- Seniorenarbeit
- Erstkommunion / Firmung sollten selbständig bleiben
- Jugendarbeit könnte zusammengeführt werden (gemeinsame Firmvorbereitung /
   gemeinsame Konzepte nutzen)
- Eigene Finanzhaushalte
- Persönliche Beziehungen
- Feste Ansprechpartner in allen „Teilgemeinden“ (Pfarrbüro)
- Langfristige Flexibilisierung nötig
- Jugendseelsorge sollte in den einzelnen Pfarreien bleiben
 


3.  Wo sehen wir Möglichkeiten für Gemeinsamkeiten? Wo könnte meine Gemeinde von einem
     Zusammenschluss profitieren?
- Gemeinsame Angebote in Teilbereichen der Seniorenarbeit
- Nachbarschaftshilfe, Geburtstagsbriefe, Caritassammlungen, Kinderparkarbeit
- Gemeinsamer Kirchenzettel
- Gemeinsame Gremien - nur für übergreifende Themen
- Kommunion- und Firmvorbereitung
- Gemeinsame Veranstaltungen aller Gremien (Kennenlernen, Erfahrungsaustausch)
- Verwaltung zentralisieren - aber Präsenz vor Ort gewährleisten
- Vernetzung der Bildungsangebote
- Andere Kirchen kennenlernen
- Bewährtes aus einer Pfarrei an andere Pfarreien weitergeben
- Kleinkindergottesdienste
- Jugendarbeit
- Fronleichnamsprozession
 
4.  Was ich sonst noch sagen wollte...
- Positives Denken ist gefragt und wichtig
- Offen sein
- Delegation von Aufgaben
- Personalverteilung (Wird das Personal jeder Pfarrei fest zugewiesen
  oder flexibel nach Bedarf und Sachgebiet?)
- Oberstes Gebot: Vorrang der Seelsorge
- Wunsch nach guter Aufklärung und Information der Pfarrgemeinde
- Lernen aus Erfahrungen positiver Praxisumsetzungen
- Leben und leben lassen, Menschlichkeit darf nicht verloren gehen: christliche Nächs-
   tenliebe
- Etatverteilung nach Pfarreien oder nach Sachgebieten
- Wie wird die finanzielle Lage sein?
- Wie werden inhaltliche Interessen und Verwaltungserfordernisse ausbalanciert?
- Bei den Sachausschüssen (gemeinsame Probleme, Caritas) sollen sich alle treffen
- Die „Großen“ müssen zu den „Kleinen“ gehen: Zusammenfinden - Gemeinschaft

Im Plenum wurde übereinstimmend festgestellt, dass es auf die vielen Fragen noch keine konkreten Antworten gibt. Die Antworten müssen die einzelnen Gremien sowie das Seelsorgsteam noch erarbeiten. Die Diözese hat lediglich einen Orientierungsrahmen vorgegeben.




Vieles bleibt fast so, wie es ist. Aber nicht alles.

Bericht aus der Sitzung des Pfarrgemeinderats am 5. November 2008

St. JakobAuf praktisch alle 750 Pfarreien im Erzbistum kommt eine schwierige Zeit zu. Susanne Deininger, Pastoralreferentin an St. Jakob, berichtete aus der ersten Sitzung des „Zukunftsforums“, dem sie als Vertreterin der Pastoralreferenten angehörte. Dieses Gremium sollte die Neugestaltung der Seelsorge und die Planung der Strukturveränderungen in der Erzdiözese anregen und begleiten. Weil auf die Rahmenbedingungen, wie z. B. Priestermangel und Vorgaben der Weltkirche, vonseiten der hiesigen Ortskirchen so gut wie überhaupt nicht Einfluss genommen werden kann, ist eine Neuausrichtung der örtlichen Seelsorge unumgänglich. Andere Diözesen haben diesen Prozess schon hinter sich.

Der Pfarrverband, dem die Pfarrei Mariä Himmelfahrt angehören wird, wird mit rund 15.500 Katholiken von der Größe her an der obersten denkbaren Grenze liegen. Hierzu wurde eindringlich zweierlei von unseren Pfarrgemeinderäten vorgetragen: Der Priestermangel könnte sich noch verschlimmern, wenn man aus Seelsorgern Manager wider Willen macht. Und sie merkten an, dass die Aufgaben in der Kirchenverwaltung eines sehr großen Pfarrverbands nicht mehr allein von Ehrenamtlichen bewältigt werden können. Dazu sind hauptamtliche Verwaltungsfachkräfte nötig. Die Pfarrgemeinderäte bekundeten überdies Verständnis für die Ängste besonders der weniger mobilen Kirchgänger, dass man ihnen die Treff- und Sammlungspunkte nehmen könnte. Sie wollen sich darum bemühen, dass alle Kirchen- und Gemeinderäume weiterhin benutzbar bleiben, und sie werden sich auch zukünftig für die Gestaltung des christlichen Lebens „vor Ort“ verantwortlich fühlen. Die PGR-Mitglieder erhielten aus Frau Deiningers Mund die beruhigende Kunde, dass jedem Pfarrverband für die Seelsorge genügend pastorale Mitarbeiter entsprechend der Größe der Pfarrei zugeteilt werden. Einer oder eine aus dem Seelsorgerteam wird jeweils vor Ort in der (ehemaligen) Pfarrei unmittelbare ständige Ansprechperson sein.

Die Pfarreiangehörigen mit ihren Gruppen und Kreisen waren von der Projektleitung „Dem Glauben Zukunft geben“ im Erzbischöflichen Ordinariat ausdrücklich zum Mitdenken, Mitplanen, Mitgestalten und Mitbeten aufgefordert worden. Jede Pfarrgemeinde sollte sich konkret auf Zielvereinbarungen einigen. Der Pfarrgemeinderat von Mariä Himmelfahrt hatte wegen der Dringlichkeit für den 26. Novem-
ber 2008 eine außerordentliche PGR-Sitzung gemeinsam mit der Kirchenverwaltung angesetzt, die sich nur mit diesem einen Tagesordnungspunkt beschäftigte. Die Ergebnisse dieser Sitzung sind im folgenden Abschnitt zusammengefasst.
D.R.
 



Die Laiengremien von Mariä Himmelfahrt Dachau sagen Ja zum geplanten Pfarrverband

Nicht enthusiastisch – aber mit erwartungsfroher Zuversicht
 
Der Pfarrgemeinderat (PGR) und die Kirchenverwaltung (KV) von Mariä Himmelfahrt trafen sich am 26. November 2008 zu einer gemeinsamen außerordentlichen Sitzung: Erörterung der Pläne des Erzbischöflichen Ordinariats für eine Neuorientierung der Seelsorge und für die Strukturreform im Erzbistum. Die Gremien gliederten ihre Beratungen nach den Vorgaben der Rückmeldebögen aus dem Ordinariat.

 
Welche „Zeichen der Zeit“ fallen ins Auge? Welche Herausforderungen für die Pastoral ergeben sich daraus?

Die Mitglieder des Pfarrgemeinderats und der Kirchenverwaltung von Mariä Himmelfahrt Dachau sehen als „Zeichen der Zeit“, die die Kirche heute vor Probleme stellen:
1. den Priestermangel
2. die abnehmende Gläubigendichte
3. das allgemeine Desinteresse an kirchlichen Themen und Angelegenheiten
4. den Geldmangel durch wegbrechende Steuereinnahmen
5. die Verschärfung beruflicher Belastungen
6. das Älterwerden, die Alterspyramide der Gesellschaft
7. das Vordringen „konkurrierender“ Sinnanbieter (Sekten)
8. die Reformmüdigkeit
9. den Verlust der Mitte, das Fehlen von Orten der Ruhe

Gemeinsame Sitzung PGR und KV














Wege zur Kompensierung dieser Probleme (d.h. Herausforderungen für die Pastoral):


1. • Stellung und Aufgaben der „Laien“ mit theologischer Ausbildung aufwerten;
    • Wortgottesdienste unter der Leitung von „Laien“ nicht schlechtreden;
    • den Priestern, die durch Manageraufgaben abgeschreckt werden könnten, rein
       seelsorgliches Arbeiten in der kategorialen Seelsorge oder als Kurat ermöglichen;
    • Status der Ehrenamtlichkeit stärken

2. • Präsenz von Seelsorgern beibehalten, denn Bedarf bei den Menschen bleibt bestehen;
    • Pfarreien zu Zentren des Glaubens machen;
    • Lebendigkeit des Pfarreilebens als „leuchtenden Punkt“ erhalten;
    • offen sein für das, was sich wandelt, und den Wandel gegebenenfalls mitmachen

3. • Herausstellung des Mystischen (mehr Wert auf das Mystische legen);
    • die vielfältigen spirituellen Angebote erlebbar machen;
    • erkennen und verwirklichen, dass die Kirche sich auf dem „Markt der Möglichkeiten“
       behaupten kann

4. • Synergieeffekte einsetzen, die sich durch Zusammenarbeit der Pfarreien in der
       Pfarreiengemeinschaft ergeben;
    • Einsparungspotenziale durch Konzentrierung / Koordinierung der Verwaltungsabläufe
       ausnutzen;
    • Mitarbeiter für den gesamten Bereich der Pfarreiengemeinschaft anweisen und auch
       tatsächlich entsprechend beschäftigen;
    • nur gut ausgebildete und gut motivierte Mitarbeiter (z.B. Sekretärinnen) einstellen,
    • unfähige oder illoyale Angestellte ablösen

5. • Seelsorge am Arbeitsplatz / in den Betrieben (nicht nur in Krankenhäusern);
    • „aufsuchende“ Seelsorge

6. • Den Älteren nicht die gewohnten Sammlungspunkte vor Ort nehmen;
    • zu weite / anstrengende Wege zum Gottesdienst vermeiden

7. • Den Zulauf zu den Sekten stoppen: die Kirche kann selbstbewusst denen, die nach
       Spiritualität suchen, auch etwas bieten;
    • das Vordringen der Sekten darf nicht dadurch gefördert werden, dass sich die Kirche
       immer mehr aus der Fläche zurückzieht, dass ihre Präsenz abnimmt

8. • Auf Nachhaltigkeit / Dauerhaftigkeit achten, nicht ständig weitere Reformen
       nachschieben

9. • Die „Kirche im Dorf“ lassen; den Menschen helfen, zur Ruhe zu kommen;
    • den Ort finden lassen, der mich aufnimmt, und den Ansprechpartner (Seelsorger), der
       mich annimmt;
    • das Pfarreileben muss trotz der Strukturreformen überschaubar bleiben,
    • lang gewachsene Bindungen dürfen nicht abrupt abreißen,
    • Bezugs- / Kontaktpersonen müssen bleiben oder vollwertig ersetzt werden;
    • Kirche darf dennoch kein bloßes Dienstleistungsunternehmen werden, das nur tut,
       was die Leute gerade wollen oder brauchen.

 

Rückmeldung zum Entwurf der räumlichen Struktur für Dachau einschließlich Pellheim und Mitterndorf mit Filialen

 
Der Plan, in Dachau zwei Pfarrverbände einzurichten, ist schon der dritte Anlauf in dem gesamten Gedankenspiel. Die beiden Varianten davor (eine einzige Stadtkirche bzw. drei Pfarrverbände) hätten aber zu viele Priester erfordert. Der Pfarrverband in den westlich der ICE-Strecke gelegenen Stadtteilen kann nur zwei Priester bekommen. In diesem Konzept werden die beiden größeren Pfarrkirchen (mit jeweils deutlich mehr als 5.000 Katholiken) wohl ihre allsonntägliche Eucharistiefeier behalten können, die kleineren Kirchen müssen im Wechsel reihum auch mit Wortgottesdiensten zufrieden sein.

Herr Dekan Borm wünscht ausdrücklich, dass jeder der Orte in unserem künftigen Pfarrverband als Pfarrei lebendig bleiben muss, dass die Christengemeinde zusammenbleibt, dass am Sonntag die Glocken läuten und die Orgel spielt – auch wenn es im Wechsel „nur“ Wortgottesdienste geben kann. Bei den Wortgottesdiensten an den Sonntagen soll es weiterhin die Kommunionausteilung geben, solange der Erzbischof diese Möglichkeit offen lässt. Vielleicht lässt sich ein Ritual einführen, mit dem die Hostien nicht aus dem Tabernakel, sondern aus einer gleichzeitig stattfindenden Eucharistiefeier überbracht werden.

Als nicht ganz glücklich wurde die Vermengung von städtischen mit ländlichen Gemeinden im westlichen Bereich hinterfragt, zumal Gemeindegrenzen und Schulsprengelgrenzen nicht konform mit den kirchlichen verlaufen. Dem wurde aber entgegengehalten, dass die betroffenen Orte sich als nach Dachau hin orientiert darstellen, ein konkurrierendes Nebenzentrum ist überhaupt nicht zu erkennen.

Zur Anfrage an das Projektbüro "Dem Glauben Zukunft geben" beim Erzbischöflichen Ordinariat in München, ob die Rothschwaige der Gemeinde Karlsfeld zugeordnet wird, kam folgende Antwort von Herrn Diakon Ulrich Reitinger: „Eine Veränderung der Pfarrgrenze an dieser Stelle ist nicht in der Diskussion. Eine derartige Umpfarrung wäre auch problematisch, weil damit die Regionsgrenze verändert würde. Es handelt sich um die Seelsorge-Regionen Nord, zu denen Dachau gehört, und München, zu der die beiden Karlsfelder Pfarreien zählen.“

Die Kirchenverwaltungen vor Ort bleiben für den Vermögenshaushalt ihrer Kirche verantwortlich, behalten also z. B. ihre Spendengelder und sorgen für den Zustand der Baulichkeiten. Das wird dazu beitragen, dass die „Identität“, die Identifizierung der Gemeinden mit ihrer Kirche bestehen bleibt. Nur der Verwaltungshaushalt wird durch die Kirchenverwaltung am Sitz des Pfarrverbands gemeinsam für alle geführt. Der Haushalt soll jedoch absolut transparent bleiben und die Ausgaben für die einzelne Pfarrei noch separat erkennbar machen.

Sehr ausgiebig wurde die Rolle des Priesters als Manager und die vielleicht neu aufkommende Kategorie von Priestern, die nur Seelsorger sein wollen, thematisiert. Doch die Details hierzu dürften für die Öffentlichkeit ohne Belang sein.

Besteht vonseiten der Gremien der Pfarrei Mariä Himmelfahrt Dachau Einverständnis mit dem Entwurf des Strukturplanes für den Pfarrverband? Die Abstimmung darüber zeigte ein klares Ergebnis: 22 Anwesende stimmten mit >Ja<, es gab keine Gegenstimme, aber 3 Enthaltungen wurden registriert. Dieses einhellige Votum ist, so wurde gemutmaßt, mit darauf zurückzuführen, dass man in Mariä Himmelfahrt seit vielen Jahren mit den Pastoralreferenten als Seelsorger und Gottesdienstleiter gute Erfahrungen macht. Und es offenbart, dass Pfarrer Borms unermüdliches, segensreiches Wirken und seine häufige Präsenz in Mariä Himmelfahrt – er ist hier Pfarradministrator seit Frühjahr 2007 – dankbar anerkannt und angenommen werden.
 
D.R.