Kirchenchronik Eschenried

 „Zu Unserer Lieben Frau im Moos“
Vorgeschichte

Nach dem Tod des Olchinger Pfarrers Joseph Michael Pfanzelt übernahm sein Bruder Friedrich Pfanzelt (1930-1958 Pfarrer von St. Jakob in Dachau) am 26. Juni 1917 dessen Amtsgeschäfte in Olching. Auf sein Bestreben hin, eine Kirche für die Gläubigen in Gröbenzell zu errichten, beauftragte das Ordinariat 1919 den Architekten Boemmel, die Sanitäts-Offiziers-Baracke aus dem Kriegsgefangenenlager Puchheim in eine Notkirche umzuplanen. Im August 1920 wurde diese dann auf das Patronat des „Hl. Johann Baptist“ in Gröbenzell eingeweiht (Johannes-Kircherl).

Pfanzelt war das Kircherl bald zu klein und beabsichtigte, diese durch einen größeren Sakralbau in Massivbauweise zu ersetzen. In der unglaublichen Zeit von nur 5 Jahren hatte er dazu die finanziellen Mittel aufgetrieben, und im November 1925 erfolgte bereits die Einweihung.
Damit war die hölzerne Notkirche überflüssig, gerade in der Zeit, wo Stadtpfarrer Knogler von „St. Martin“ in München-Moosach sich bemühte, für den Ortsteil Hartmannshofen eine Notkirche zu errichten. Die Barackenkirche aus Gröbenzell kam gerade richtig und wurde im Oktober 1926 in Hartmannshofen dem Hl. Erzengel Raphael geweiht. Diese „Wanderbaracke“ sollte nach weiteren 6 Jahren zur ersten Kirche von Eschenried werden!


Kirchengeschichte

Nebenbei bemerkt: Bereits 1921 fassten Angehörige der Pfarreien Aubing, Olching und Mitterndorf den Entschluss, eine eigene Kirchengemeinde zu gründen. Das Bestreben ging dahin, zur Erfüllung ihrer religiösen Pflichten eine eigene Notkirche zu erbauen und eine Expositur (abgegrenzter, selbstständiger Seelsorgebezirk einer Pfarrei) zu errichten, weil die nächsten Gotteshäuser 6 bis 7 km entfernt lagen. Dieses Vorhaben verlief aber scheinbar im Sande.

Am Ostermontag, den 21. April 1930, gründeten strebsame Männer in der Gaststätte Birkenhof den „Interessenverband Dachauer Moos“, der sich zur Aufgabe stellte, den staatlichen Behörden die dringendsten Bedürfnisse der Moosbewohner und ihres Gebietes näher zu bringen, u. a. auch den Bau einer Kirche und einer Schule.
Der „IV Dachauer Moos“ erhielt nach seiner Eingabe vom 31.05.1931 um eine eigene Kirche vom erzbischöflichen Ordinariat München die Zusage, dass entsprechende Fördermittel zuteil werden würden. Auch der zuständige Pfarrer von Mitterndorf, Ludwig Eicher, unterstützte dieses Vorhaben.
Nach Vorarbeiten der Ortsbewohner Thomas Huber und Ludwig Zethner kommt es im Februar 1932 in der Gastwirtschaft Birkenhof zur Gründung des „Kirchenbauverein Eschenried und Umgebung“.
Vorsitzende: Pfarrer Ludwig Eicher und Rechtsanwalt Winterl; Schriftführer: Ludwig Zethner; Kassier: Thomas Huber.
Weitere Vorstandsmitglieder: Johann Gigl – Gröbenried, Johann Baptist Vetter – Graßlfing und Georg Riedl – Eschenried.
Auch der Geistliche Rat Georg Böhmer, seinerzeit Stadtpfarrer von Mchn-Sendling (Sankt Margareth) und besonderer Freund des Dachauer Mooses war gekommen und stellte das in Hartmannshofen frei werdende Notkirchlein in Aussicht.
Die Aufgabe des Vereins bestand im Wesentlichen darin, finanzielle Mittel für den Kirchenbau zu beschaffen. Trotz der schweren Not haben sich fast sämtliche Familien des Mooses zum Beitritt erklärt und haben sich damit zu größeren oder kleineren Beitragszahlungen verpflichtet.
Gutsbesitzer Gottlieb Dürr stellte dabei die Schenkung eines geeigneten Bauplatzes für Kirche und Schule gegenüber dem „Eschenhof“ in Aussicht.
Im Mai 1932 traf die Mitteilung der Gesamtkirchenverwaltung München beim „Kirchenbauverein Eschenried und Umgebung“ ein, dass die Baracke des
Kriegsgefangenenlagers Puchheim, zur Zeit in Hartmannshofen stehend, frei wird und Eschenried zur Verfügung gestellt werden kann. Es war zwar nur eine Holzbaracke, aber als Notkirche sollte sie ihren frommen Zweck erfüllen.
Im September 1932, nach der Ausmessung des von Gutsbesitzer Dürr geschenkten Grundstücks, erfolgte die Abtragung des Kirchleins in Hartmannshofen an einem einzigen Tag, dem 24. Okt. 1932! An den folgenden Tagen wurde es unter Leitung des Baumeisters und Sägewerkbesitzers Alois Böhmer – Gröbenzell – von 22 freiwillig arbeitenden Männern aus Eschenried, Gröbenried und Graßlfing hier, seinem neuen Heimatort, aufgestellt.
Georg Böhmer – Stadtpfarrer, Geistlicher Rat, päpstlicher Hausprälat und großer Gönner der Notkirche Eschenried – hat damit sein bei der Gründungsversammlung des Kirchenbauvereins gegebenes Versprechen eingelöst. Ohne sein Wohlwollen und Engagement würde wohl heute keine Kirche im Moos stehen.
Am Allerheiligentag 1932 fand unter großer Beteiligung der Bevölkerung und zahlreicher Honoratioren die Benediktion durch Domkapitular , Prälat Dr. Josef Hartig, statt. Das ersehnte Kirchlein wurde „Zu Unserer Lieben Frau im Moos“ geweiht und das Patrozinium auf den Mariä-Himmelfahrts-Tag, 15. August, festgelegt.
Die Pfarrei Mitterndorf hatte nun neben Günding eine zweite Filialkirche bekommen. Die zwei kleinen Glöcklein läuteten nun fortan zu den Gebetsstunden und riefen zum Gottesdienst, den Pfarrer Eicher trotz schwieriger Wegeverhältnisse Sonntag für Sonntag zelebrierte.

1933: Kirchenchor-Gründung unter Lehrer Hartl.

Im August 1934 erhält das Kirchlein durch Vermittlung von RA Winterl ein Pedalharmonium, das in den folgenden Jahren von Thomas Huber zur Unterstützung des kleinen Kirchenchors gespielt wurde.
Am 14. Oktober des gleichen Jahres weiht Pfarrer Eicher das neue Altarbild „Maria im Moos“. Es ist eine Schöpfung des Dachauer Kunstmalers Richard Huber und stellt die Mutter Gottes mit dem Jesukind auf dem Arm inmitten der Mooslandschaft dar; zwei Kinder - nach Originalen gemalt - nähern sich dem Jesukindlein, um ihm ein Körbchen mit Äpfeln und ein Moosröslein zu schenken.



Ebenfalls 1934 wurden im Aussenbereich das Kreuz und die Mariengrotte geweiht. Das Eichen-Kreuz stammt von dem edelmütigen Stifterehepaar Miller, München; den Gekreuzigten hierzu hat der Gröbenzeller Bildhauer Michael Rummer gefertigt, ebenso, quasi als Gegenstück dazu, die Mariengrotte aus Tuffstein, der angeblich hier im Moos gefunden wurde.

 

Fortan veranstalteten die Bewohner alljährlich im Mai eine Lichterprozession um das Kirchlein, um so ihrer Kirchenpatronin und Maienkönigin ihre Verehrung zu erweisen. Wiederholt pilgerten seither fromme Wallfahrer aus Dachau, Mitterndorf, Gröbenzell, Olching, Pasing, Allach und Karlsfeld zum „Marienheiligtum“, um hier eine Stunde der Erbauung zu finden.

1937: Die Erbengemeinschaft Dürr stiftet wieder ein Grundstück (900 qm) auf der Ostseite der Kirche zur Schaffung eines Friedhofs. Ein Friedhofskreuz wurde aufgestellt und die Anlage mit Baumreihen als Waldfriedhof angelegt. Die verstorbenen Eschenrieder und Gröbenrieder wurden bis dahin in Mitterndorf beerdigt.

1941, nach fast 9 Jahren, ist das Kirchlein altersschwach und zu eng geworden. Wieder wurde eine Leichtbau-Kirche frei, und wieder aus der Pfarrei St. Martin Mchn-Moosach, nämlich „St. Thaddäus“ in der Siedlung Eggarten, die erst 1932 eingeweiht wurde.
Abermals waren es viele fleißige Hände, die die stabile Holzkonstruktion mit Dachreiter-Türmchen in Eggarten abtrugen und in Eschenried wieder aufbauten.
Die dünnen Wände füllte man dabei mit Ziegelsteinen aus und verputzte innen und aussen; es wirkte wie gemauert. Und auch die zwei bronzenen Glöckchen wurden wieder aufgezogen.
 

Für die Mösler ein freudiger Anlass, dass sie nun wiederum durch Vermittlung von Prälat Böhmer eine große, fast neue Kirche mit 240 qm Bodenfläche und sogar einer Chor-Empore als Ersatz für die baufällige Hartmannshofer Baracken-Kirche erhalten haben. Die wiederverwendbaren Teile des abgerissenen 1. Kirchleins übernahm eine hier ansässige Teefarm als Trocknungsraum (1956 niedergebrannt).
Die Kirche wurde am 14. Sept. 1941 eingeweiht und erhielt vom Münchner Prälaten Dr. Hartig ein großes Ölbild geschenkt, das die „Verkündigung Mariae“ darstellt und als Altarbild diente (befindet sich heute im Pfarrheim Mitterndorf). Eine weitere Schenkung für die Eschenrieder war das Wandbild „Kreuzigung Jesu“, das seit 2006 als Altarblatt die Mitterndorfer Kirche ziert.
  

Ersteres erlitt in den letzten Kriegstagen 1945 selbst eine Verletzung. Ein SS-Mann betrat die Kirche und feuerte mit seiner Pistole Richtung Altar, wodurch das darüber angeordnete Bild beschädigt wurde.

1951 wird der von Ludwig Zethner schon 1941 eingeleitete Leichenhausbau ausgeführt. Der heutige Neubau steht seit 2001 an gleicher Stelle und wurde von einigen freiwilligen Helfern bewerkstelligt.

1954: Der ehrenamtliche Kirchenpfleger, Friedhofsverwalter und Chorleiter Wilhelm Hauff, der im Oktober 1945 als Lehrer und Schulleiter der Schule Eschenried seinen Dienst antrat, hatte zum Ziel – ermutigt durch Prälat Dr. Hartig bezüglich eines Bauzuschusses – einen Kirchturm mit drei größeren Glocken und Turmuhr zu anzuschaffen. Ab Dezember 1954 bis August 1957 ließ er deshalb monatliche Haussammlungen für Glocken und Turmuhr durchführen und konnte am Ende durch Verkauf der zwei Altglocken und einem Zuschuss der Gemeinde Günding den Gesamtbetrag von 8.173,55 DM verbuchen.
Bei der Glockengießerei Karl Czudnochowsky in Erding wurden dann drei gebrauchten Gussstahlglocken (Töne: Fis – Gis – H) und ein eiserner Glockenstuhl erworben.
   

1957 erfolgte der Turmanbau an die Sakristei. Landwirte aus Eschenried, Gröbenried, Graßlfing und Neuhimmelreich beteiligten sich um Gottess Lohn mit Kieszufuhr, und das nicht wenig; denn der Turm musste aus einer Tiefe von 4,5 m heraus betoniert und auf einen 2,5 m dicken Sockel gesetzt werden.
Am 25. August 1957 ertönten zum ersten Mal die drei Glocken „Herz Jesu“, „St. Josef“ und „Ave Maria“ zum Gottesdienst.

1960 wurden abermals monatliche Haussammlungen durch Lehrer Hauff angestoßen, diesmal für eine neue Orgel. Im August 1963 konnte diese aufgestellt und durch Kammerer Eicher eingeweiht werden. Sie wurde gefertigt von der Fa. Gebrüder Sandtner in Steinheim/Dillingen.

Im Lauf der Jahre wies das Kirchenschiff einige Mängel auf: Der aus Magerbeton bestehende Fußboden war mittschiffs zur Wanne durchgebrochen, die dünnen Wände zeigten Risse und die Holzkonstruktion soll wurmstichig gewesen sein, weshalb eine Renovierung in Augenschein genommen wurde. Kirchenverwalter Hauff richtete deshalb 1970 ein Ansuchen an das Erzbischöfliche Ordinariat zwecks Neubau des Kirchenschiffes, welches aber aus Finanzgründen abgeschlagen wurde. Selbst eine Renovierung war unakzeptabel.
Mittlerweile wird Stadtpfarrer Kölbl, Dachau-Süd, zum Pfarrverweser von Mitterndorf. Er kann Weihnachten 1976 verkünden, dass die Verhandlungen mit dem Ordinariat soweit gediehen seien, dass der Abriss 1977, nach 36 Jahren Diensterfüllung als Gotteshaus, eingeleitet werden könne. Anfang Juli 1977 erfolgt der Abbruch der 2. Kirche durch die Fa. Gottschalk, Dachau. Die sonntäglichen Gottesdienste fanden derweil in einem Klassenzimmer des benachbarten Schulhauses statt.
Ab Oktober 1977 erfolgte die Betonierung von 17 massiven Fundamentpfeilern mit 7 m Tiefe im Moorboden; im November stellte man den Eisenbeton-Fußboden her.
Aluminium, Holz und Glas sind die wichtigsten Elemente dieses 14,5 x 11 Meter großen und hellen Kirchenschiffs, das die Fa. Systembau Babinsky aus Stein an der Traun fertigte.
Der Wunsch nach einem Steinbau ging nicht in Erfüllung, und auch auf eine Chor-Empore musste aufgrund der geringen Raumhöhe verzichtet werden; dafür ist dieses erste Leichtgebäude in Fertigbauweise der Erzdiözese München-Freising erfreulicherweise mit einer elektrischen Fußbodenheizung ausgestattet.
Die Einweihung des nun 3. Gotteshauses in Eschenried erfolgte am 25. Juni 1978 durch Regionalbischof Heinrich Graf von Soden-Fraunhofen.

    

Inneneinrichtung

Aufgrund der von Lehrer Hauff wieder einmal veranlassten Haussammlungen zum Kirchenbau kam eine stolze Summe zustande. Nach Bauabschluss ist von den Spenden ein beachtlicher Rest übriggeblieben, der zur Anschaffung von gestickten Altartüchern, Kirchenwäsche, Elektroeinrichtungen, Orgelwiederaufbau, Weihwasserkessel, Osterkerzen-Ständer und vor allem für ein großes Christuskreuz und eine Himmelfahrts-Madonna Verwendung fand.

Bild:  „Maria im Moos“, wie bereits beschrieben;

Tabernakel,  vergoldet, im Stil dieser Zeit geschaffen und an der Wand angebracht.
Die Frontseite zeigt Christus, das Lamm Gottes, innerhalb der Zwölf Tore Jerusalems.

Taufbecken  aus Edelstahl; Weihwasserkessel angefertigt von Rudolf Kailich jun., Gröbenried; ebenso der Osterkerzen-Ständer.
Christuskreuz:  Das Werk stammt von dem Künstler Otto Kobel (1919-2002) aus Rückholz bei Seeg/Allgäu und stellt Christus mit dreistrahligem Nimbus am Kreuz dar; nicht wie in der Sakralkunst üblich mit Seitenwunde, sondern der noch lebende Christus wird dargestellt.
  

Himmelfahrts-Muttergottes:  Stammt vom gleichen Künstler wie das Christuskreuz, Otto Kobel. Es zeigt die Mutter Gottes in Himmelfahrts-Pose, das Haupt bekränzt mit 12 Sternen. Die Ur-Fassung der Statue war silber und hellblau.

14 Kreuzweg-Stationen:  Holzgeschnitzt und 1987 gestiftet von dem Eschenrieder Hobby-Künstler Martin Echtler (1924-1991), der damals schon schwer krank war.
Leider wurden diese gegen die Absicht des Künstlers dunkel eingelassen. Ebenso die Wandmadonna, die auch von ihm stammt.






 


 

 

 

 

 

 

 


 


 


 




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