Ökumenisches Frühstück rund ums Thema Dachau-Süd mit Anni Härtl

 
Seit einer erklecklichen Anzahl von Jahren schon trifft sich einmal im Monat ein reger, bunt gemischter ökumenischer Kreis. Den Sommer über im Gemeindesaal der Friedenskirche, ansonsten im Pfarrheim an der Gröbenrieder Straße. Anfangs luden Irene Kottmair und Friederike Sellschopp gemeinsam mit dem Dachauer Forum nur zum „Frauenfrühstück“. Doch längst sind nicht nur Damen willkommen, und mittlerweile steht auch ein größeres Team von Hilfsbereiten dahinter. Was gleichgeblieben ist, ist die Vielfalt an Themen, über die die geladenen Referenten reden. Da geht es um Fragen der gesunden Ernährung, um religiöse Besinnung, um Logotherapie, um Literatur und Musik, um Medien, Ikebana, Qigong, das Internet und vieles mehr. Ein nicht mehr wegzudenkender Fixpunkt aber sind die Vorträge der Institution Anni Härtl. Frau Härtl ist nicht einfach nur eine sagenhaft kundige Gästeführerin, sie ist darüber hinaus ein wandelnder Anekdotenschatz der Dachauer Vergangenheit.
 
Am 13. Mai 2013 war Anni Härtls Thema „Dachau-Süd – ein Stadtviertel entsteht und verändert sein Gesicht.“   Vor einhundert Jahren noch galt nur der Altstadtberg als „Markt Dachau“. Etzenhausen im Norden und „das Moos“ im Süden – die waren „weit weg“, die kannten die Dachauer nur als Ausflugsziele. Aber der Bau der Eisenbahn (ab 1868) hatte das Umdenken bereits eingeleitet. Ein Schulhaus (jetzt Thomaschule) wurde außerhalb der Altstadt gebaut, und zu den verstreuten Bauernhöfen gesellten sich nach und nach die Häuser der Handwerker, der Kaufleute und der Künstler.

 
Letztere entdeckten auch die Gegend um die heutige Herrmann-Stockmann-Straße für sich. Der Untere Markt nahm allmählich Gestalt an. Sogar ein Gotteshaus, die Kirche St. Johann, wurde gebaut und von Kardinal Faulhaber als Filiale von St. Jakob geweiht. Zuvor schon, im Jahr 1925, musste St. Jakob um ein Joch nach Westen hin erweitert werden, weil die Einwohnerzahl so rasant angestiegen war. Der Energie und der Stiftung der alleinstehenden Rheinländerin Amalie Nacken und dem Idealismus von Elisabeth Bamberger sind die Einrichtungen für benachteiligte Kinder in Dachau-Süd zu verdanken. Der ASTV (der Vorgänger des ASV) wurde gegründet; er wurde allerdings von vielen Dachauern als Heimat „der Roten“ gering geachtet und entging nur durch die Vereinigung mit dem unverdächtigen Schwimmverein einem Verbot durch die Nazis.

 
In den Nachkriegsjahren ab 1945 nahm die Wohnungsnot in Dachau katastrophale Ausmaße an. Privatleute und die Öffentliche Hand gingen mit immenser Bautätigkeit tatkräftig ans Werk. Nun entstand wirklich ein geschlossener Stadtteil im Süden von Dachau. Außer den Wohnhäusern errichtete man in den 50er und 60er Jahren eine Sporthalle, ein Natureisstadion, ein Altenheim, Schulen, Kindergärten sowie von 1954 bis 1956 die Kirche Mariä Himmelfahrt. Die Kirche steht seit 1996 unter Denkmalschutz, weil ihre Inneneinrichtung auch nach dem Konzil im ursprünglichen Zustand belassen wurde. Mit dem Klagenfurter Platz entstand schließlich ein eigenes Stadtteilzentrum. Vieles, was diesen Stadtteil heute so wertvoll macht, verdanken die Südler einigen außergewöhnlich rührigen und vorausschauenden Mitbürgern in der Vergangenheit: z.B. Eduard Ziegler, Syrius Eberle und Josef Kölbl.

D.R.